Celesio: Der Krampf mit DocMorris ist zu Ende

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KommentarCelesio: Der Krampf mit DocMorris ist zu Ende

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Schmerzmittel der DocMorris-Eigenmarke in einer DocMorris-Apotheke: Für 25 Millionen Euro geht an Apotheken-Kette an die Schweizer Gruppe Zur Rose.

von Jürgen Salz und Mark Fehr

Ein gutes Geschäft sieht anders aus: 220 Millionen Euro hat der Pharmagroßhändler Celesio im Jahr 2007 für die holländische Versandapotheke DocMorris bezahlt. Nun verkauft Celesio DocMorris für 25 Millionen Euro an die Schweizer Versandapotheke Zur Rose. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011 setzte DocMorris immerhin 327 Millionen Euro um.

Trotz der herben finanziellen Einbußen macht die Trennung für Celesio Sinn. Denn die Liaison der beiden Unternehmen war am Ende nur noch ein großes Missverständnis. Celesio hatte DocMorris einst gekauft, um mit dem starken Markennamen eine eigene Apothekenkette aufzubauen. Den hochfliegenden Plänen schob der Europäische Gerichtshof jedoch einen Riegel vor.  Die über hundert Doc Morris-Apotheken, die schließlich entstanden, waren bloß eine Notlösung. Die DocMorris-Apotheker blieben rechtlich selbstständig, Celesio war der Zugriff verwehrt. Das hatten sich die Stuttgarter anders vorgestellt. Nach der Entscheidung des EuGH, keine Apothekenketten zuzulassen, hatte DocMorris für Celesio seinen Reiz verloren.

Dafür rebellierten jetzt die Apotheker, für die der Billigkonkurrent DocMorris seit jeher ein rotes Tuch war. In Scharen kündigten sie ihrem Großhändler Celesio die Gefolgschaft. Der neue Celesio-Chef Markus Pinger, seit 2011 im Amt, versprach seinen Apothekenkunden schließlich, den Konflikt zu lösen und stellte DocMorris zum Verkauf. Auch wenn das finanzielle Einbußen bedeutete. Am Ende war es nur noch Krampf: So klagten DocMorris-Manager, dass sie auf Geheiß von Celesio viel zu viel Rücksicht auf die Interessen der Traditionsapotheker nehmen mussten. DocMorris-Chef Olaf Heinrich wollte eigentlich gegen eine richterliche Entscheidung und eine Gesetzesnovelle kämpfen, wonach DocMorris nicht mehr wie bisher Boni auf rezeptpflichtige Medikamente geben kann, wurde aber von Celesio-Chef Markus Pinger zurückgepfiffen. Bei Celesio hatten sich Apotheker bereits über DocMorris beschwert.

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Der neue Eigentümer, die Schweizer Versandapotheke Zur Rose muss solche Rücksichten nicht nehmen – gut für DocMorris. Bislang ist Zur Rose in Deutschland nur wenig in Erscheinung getreten. Das wird sich aber künftig ändern: Das Unternehmen, das einer Gruppe Schweizer Ärzten gehört, wird durch den Kauf von DocMorris hierzulande schlagartig bekannter. Ab nächstes Jahr wird Zur Rose auch in den Filialen der Drogeriekette dm die Pick-up-Rezeptsammelstellen betreiben und Kunden mit Medikamenten versorgen.  Was Zur Rose nun konkret mit DocMorris vorhat, bleibt abzuwarten.

Laut Finanzkreisen will der neue Eigentümer das bekannte Logo der Marke in Deutschland weiter nutzen. „Durch den Kauf von DocMorris wird Zur Rose Marktführer im deutschen Pharma-Versandhandel“, sagt Manfred Ferber von der Münchener M&A-Beratung Ferber & Co. Ferber hat im Auftrag des Käufers bei der Transaktion beraten. „Die Konsolidierung im Pharmaversand wird durch den Verkauf von DocMorris in Schwung kommen“, erwartet Ferber. In der Branche seien jetzt weitere Deals zu erwarten, etwa bei der insolventen Versandapotheke Sanicare.

Gelohnt hat sich der Verkauf von DocMorris auf alle Fälle für die von Celesio beauftragten Berater. Insgesamt sollen die Transaktionskosten, zu denen neben den Beraterhonoraren auch etwa die Ausgaben für die Trennung der IT-Systeme zählen, bei zehn Millionen Euro gelegen haben.            

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1 Kommentar zu Celesio: Der Krampf mit DocMorris ist zu Ende

  • Gut, daß es weiter billige Medikamente gibt - Wann endlich werden die künstlichen Privilegien der Apotheker abgeschafft ! Aspirin gehört in den Supermarkt !

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