Cleber: Warum US-Trekker auf Kuba nicht pflügen

Cleber: Warum US-Trekker auf Kuba nicht pflügen

, aktualisiert 17. Juli 2017, 08:44 Uhr
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Der Traktor vom Typ Oggun wäre wegen seiner Einfachheit für Kuba ein ideales Gerät.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Traktoren der Firma Cleber könnten der kubanischen Landwirtschaft auf die Sprünge helfen. Aber das US-Unternehmen darf sich auf der Insel nicht niederlassen. Ein Lehrstück über die Hürden für ausländische Investoren.

HavannaHorace Clemmons hegt keinen Groll. „Ich hätte an ihrer Stelle wahrscheinlich genau das Gleiche getan“, sagt der Unternehmer aus dem US-Bundesstaat Alabama. Nach der vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnung Kubas wollte er sich mit einer kleinen Traktoren-Fabrik in der Sonderwirtschaftszone Mariel niederlassen. Nach langem Hin und Her wurde sein Antrag jedoch abgelehnt.

„Ich kann die Kubaner ja ein bisschen verstehen. Solange das Handelsembargo noch in Kraft ist, hat es für sie keinen Sinn, einer US-Firma zu erlauben, in Kuba zu produzieren“, sagt Clemmons. Nach der Kuba-Krise 1962 hatte die US-Regierung ein totales Wirtschaftsembargo gegen die sozialistische Karibikinsel verhängt. Zuletzt war die Blockade zwar etwas gelockert worden – vollständig aufheben kann sie allerdings nur der US-Kongress.

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„Mit einer Genehmigung würden sie nur einen Präzedenzfall schaffen und den Befürwortern der Blockade in die Hände spielen. Sie könnten dann sagen: „Seht her – selbst mit dem Embargo können US-Firmen nach Kuba kommen und Geschäfte machen. Wir müssen die Blockade gar nicht aufheben.“

Dabei haben Clemmons und sein Geschäftspartner Saul Berenthal ein für Kuba durchaus interessantes Produkt im Angebot. Ihr Traktor Oggún setzt auf simpelste Technik, lässt sich einfach reparieren und kostet nur 12.500 US-Dollar (knapp 11.000 Euro). „Das ist nicht nur ein Traktor, das ist eine Art zu denken“, sagte ein kubanischer Bauer bei der Vorstellung auf der Internationalen Messe 2015 in Havanna.

Kuba importiert rund 80 Prozent seiner Lebensmittel. Wirtschaftsexperten sehen in der Landwirtschaft großes Wachstumspotenzial. „Vor allem beim Anbau von Früchten und in der Viehzucht könnten wir noch viel mehr als bisher tun“, sagt Jesús Pulido vom Nationalen Verband der Wirtschaftswissenschaftler.

Die Methoden sind allerdings vielerorts veraltet. In den Provinzen bestellen Bauern ihre Felder noch mit Ochsenfuhrwerken. Die Oggún-Traktoren könnten den Kleinbauern und landwirtschaftlichen Kooperativen dabei helfen, effizienter zu produzieren. Cleber wollte in Mariel eine kleine Fabrik bauen und mit zunächst etwa 20 Angestellten vor Ort fertigen.


Traktor bekam präsidiale Unterstützung

Der damalige US-Präsident Barack Obama preschte bei seinem Besuch im März 2016 schon vor und kündigte an, Cleber werde als erste reine US-Firma seit mehr als einem halben Jahrhundert in Kuba produzieren. Firmen-Chef Berenthal, der selbst aus Kuba stammt, gab der kommunistischen Parteizeitung „Granma“ ein Interview. Alles deutete darauf hin, dass Cleber eine Genehmigung erhalten würde. Doch dann wurde der Antrag überraschend abgelehnt.

„Das hat uns nicht interessiert. Es handelt sich um sehr einfache Technologie. Wir wollen hier vor allem Unternehmen der Hochtechnologie ansiedeln“, sagt Wendy Miranda Borroto, die die Genehmigungsverfahren in Mariel überwacht.

Platz gibt es in der Sonderwirtschaftszone westlich von Havanna mehr als genug. Auf dem 465 Quadratkilometer großen Gelände haben sich vier Jahre nach der Eröffnung gerade einmal 24 Firmen angesiedelt, nur neun von ihnen produzieren schon. Die Unternehmen sind mitnichten alle in der High-Tech-Branche aktiv. Vielmehr beherrschen Logistik-, Lebensmittel- und Baufirmen das Bild.

Obwohl es das erklärte Ziel Kubas ist, mehr ausländische Investoren anzuziehen, tut sich die sozialistische Regierung bei der Umsetzung schwer. „Kuba ist nicht gerade das attraktivste Ziel für ausländische Investoren“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Ricardo Torres vom Forschungszentrum der kubanischen Wirtschaft an der Universität von Havanna. „Alle Entscheidungen müssen auf höchster Ebene getroffen werden. Das macht die Genehmigungsverfahren sehr langwierig.“

Dabei ist Kuba auf ausländisches Kapital angewiesen. Im vergangenen Jahr sank die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent, der wichtigste Handelspartner Venezuela steckt in einer schweren Krise. „Um voranzukommen, brauchen wir Investitionen aus dem Ausland“, sagt Ökonom Pulido. „Es gibt zwar Interesse, aber die bürokratischen Verfahren gehen nicht schnell genug.“

Trotz aller Rückschläge will Cleber nicht aufgeben. Zunächst werde nun geprüft, ob die Firma ein Vertriebsbüro einrichten und die Traktoren nach Kuba exportieren könne, sagt Clemmons. Sollte das Handelsembargo aufgehoben werde, wolle er sich erneut um eine Genehmigung für eine Fabrik in Mariel bemühen.

„Wir geben uns nicht geschlagen. Das ist ein langfristiges Projekt“, sagt sein Kompagnon Berenthal. Seine Traktoren sind nach Oggún benannt, dem Schutzheiligen der Schmiede in der Santería-Religion. Ein bisschen himmlischer Beistand kann im Kampf mit der kubanischen Bürokratie bestimmt nicht schaden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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