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Der Alte Fritz feiert Geburtstag: Das Geschäft mit den Gedenkjahren

von Ilka Kopplin Quelle: Handelsblatt Online

„Jeder nach seiner Fasson“, sagte einmal der preußische König Friedrich II. Am 24. Januar wäre der Alte Fritz 300 Jahre alt geworden. Potsdam und Brandenburg feiern – in der Hoffnung auf den großen Besucheransturm. Doch kommt der wirklich?

Schauspielerin Katharina Thalbach (vorn) als der "Alte Fritz" und ihre Tochter Anna Thalbach als der junge Kronprinz, Koenig "Friedrich II.". Quelle: dapd
Schauspielerin Katharina Thalbach (vorn) als der "Alte Fritz" und ihre Tochter Anna Thalbach als der junge Kronprinz, Koenig "Friedrich II.". Quelle: dapd

Der preußische König Friedrich II. feiert seinen 300. Geburtstag (1712-1786), ebenso der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Künstler Gustav Klimt würde erst 150 Jahre alt (1862-1918).

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Für die Geburts- und Wirkungsstädte solch historisch bekannter Personen sind Jubiläen rund um Geburts- und Todestage ein lukratives Geschäft, denn Gedenkjahre können zum echten Kassenschlager für Land und Kommune werden.

Beispiel Wien: 2006 feierte die österreichische Hauptstadt den 150. Geburtstag des Komponisten Mozart. 3000 Veranstaltungen sorgten für knapp sieben Prozent mehr Übernachtungsgäste. In den ersten drei Quartalen kamen bereits 200.000 mehr Besucher als üblicherweise in die österreichische Hauptstadt, heißt es im Bericht des Wiener Stadtrates für Kultur. In Zahlen bedeutet das: Das Budget von 30 Millionen Euro brachten die Mozart-Fans mit 48 Millionen Euro Umsatz spielend wieder ein. Sind Gedenkjahre also ein Mittel für klamme Kassen?

Konstantin-Jahr in Trier ein Erfolg

„Ein Jubiläum kann einen wirtschaftlichen Erfolg bringen“, antwortet Andreas Kagermeier, Professor für Freizeit- und Tourismusgeographie an der Universität Trier und betont das „kann“. In einem Team untersuchte er 2007 die wirtschaftlichen Auswirkungen der Kaiser Konstantin-Ausstellung in Trier, die die drei teilnehmenden Museen 6,6 Millionen Euro gekostet hatte.

Die Bilanz ist positiv: Den Kosten stand eine Wertschöpfung von mehr als 28 Millionen Euro gegenüber. Jeder investierte Euro war also mehr als vervierfacht worden, ein Erfolg für die Stadt Trier. Solche Statistiken sind in Deutschland allerdings eher die Ausnahme als die Regel.

Tourismus-Experte Kagermeier weiß: „Besonders viel Erfahrung mit Jubiläen haben die Österreicher und Schweizer“. Dort habe die Tourismusbranche allerdings auch einen größeren Anteil am Inlandseinkommen und dadurch einen anderen Stellenwert.

Besonders Wien profitiert von den Gedenkjahren rund um Mozart, Haydn, Mahler & Co.  Eine Statistik zum Haydn-Jahr 2009 zeigt: Das Wiener Haydn-Haus hatte jährlich nur knapp über 3000 Besucher. 2009 waren es allein zwischen Januar und Oktober 25.000. Die Kammeroper war mit der Haydn-Oper „Le Pescatrici“ praktisch ausgelastet.


Die Marke Gustav Klimt

Für das diesjährige Klimt-Jahr sieht Vera Schweder vom Tourismusverband „Wien Tourismus“ gute Chancen: „Wir schätzen das Klimt-Jahr als zugkräftig ein“. Der Künstler sei eine große, internationale Marke, nicht so bekannt wie Mozart, aber ungleich stärker als Gustav Mahler oder Franz Schubert.

Hotels, Konditoreien und andere lokale Unternehmen nehmen Jubiläen dankbar an, um eigene Produkte zu vermarkten. So legte die Wein- und Sektkellerei Schlumberger einen speziellen Welschriesling-Cuvée in der Klimt-Edition auf. Die Verpackung ziert Klimts berühmtes Gemälde „Der Kuss“.

Die quadratische, mit Blattgold verzierte Klimt-Praline der Konditorei Ottet aus Schörfling am Attersee gibt es schon seit einigen Jahren. „In diesem Jahr hoffe ich, dass wir den Absatz vervierfachen“, sagt Chefin Waltraud Ottet lachend. Aber das könne man jetzt noch nicht vorhersagen.

Die Wiener Konditorei Gerstner produziert neben Pralinen auch eine Klimt-Torte. Dabei setzt die Konditorei bei der Vermarktung auch auf Kooperationen mit Hotels. Dort erhalten Übernachtungsgäste einen Gutschein über Kaffee und Kuchen, den sie bei Gerstner einlösen können. Diese speziellen Pakete seien sehr gut angenommen worden, heißt es in der Traditions-Konditorei.

Mozart schlägt sie alle

Schweder von Wien Tourismus hat jahrzehntelange Erfahrung im Tourismusmarketing: „Es funktionieren ausschließlich natürliche Jubiläen.“ Themenjahre könnten zwar historisch relevant, touristisch aber uninteressant sein, wie beispielweise das 1000-jährige Bestehen Österreichs.

Am erfolgreichsten seien immer noch Geburts- und Todestage. An der Spitze der gewinnbringenden Jubilare stehe in Wien Mozart, danach komme Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sissi. „Es muss allerdings auch ein attraktives Angebot zum Vermarkten geben“, sagt Schweder. Bei Klimt sei das der Fall. Derzeit sind 800 Gemälde in Wien zu sehen. „So viele wie noch nie zuvor“, sagt Schweder.


Was der Alte Fritz für Brandenburg bedeutet

Auch für das Friedrich-Jahr in Brandenburg sieht Tourismus-Professor Kagermeier gute Chancen: „Prinzipiell sind die Voraussetzungen erfüllt“. Brandenburg wolle sich als Tourismusland etablieren.

Zahlen des statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg belegen: Seit den 1990er-Jahren hat sich der Tourismus in Brandenburg kontinuierlich positiv entwickelt. 2010 trug die Branche mit einer Wertschöpfung von zwei Milliarden Euro erheblich zur Wirtschafsleistung bei.

Der Alte Fritz mit der richtigen Vermarktung?

Friedrich II., als Preußenkönig, passe zu Brandenburg, so Kagermeier. Der Alte Fritz könne in seiner Bedeutung sogar über Deutschland hinausgehen, wenn es beispielweise interessante Pakete in Kooperation mit Busunternehmen gebe.

„Ich habe allerdings vom Friedrich-Jahr noch nicht offensiv gehört, von daher ist es fraglich, wie stark bisher kommuniziert wurde“, so Kagermeier. Dem Internationalen Bustouristik-Verband (RDA) in Köln sind zumindest keine speziellen Friedrich-Reisen ihrer Mitglieds-Busunternehmen bekannt.

Und trotzdem: Vor allem Potsdam wartet mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen auf. Allein die Ausstellung „Friederisiko – Friedrich der Große“ im Neuen Palais im Schlosspark Sanssouci hat sich die Schlösserstiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) sechs Millionen Euro kosten lassen. Es ist Friedrichs größtes und prunkvollstes Schloss gewesen. Zusätzlich zu Originalmöbeln und Gemälden werden 500 neue Exponate in 70 Räumen auf 6000 Quadratmetern aufgebaut.

Um die Kosten auszugleichen, müssten knapp 430.000 Erwachsene ein Ticket lösen. Damit rechnet Generaldirektor Hartmut Dorgerloh allerdings auch. Schließlich kommen jährlich bereits regulär zwischen 200.000 und 250.000 Besucher ins Palais. Die Ausstellung soll Friedrich als Mensch, abseits der üblichen Klischees zeigen.

Friedrich als Musical

„Die Geschichte um Friedrich II. ist tatsächlich ziemlich abgefahren“, sagt Peter Scholz, Geschäftsführer von der Musical-Produktionsfirma Spotlight aus Fulda. Ein ständig schwelender Konflikt zwischen Friedrich und seinem Vater, dem großen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., später war er als Erwachsener dann selbst ein großer Feldherr.

Aber er hat auch eine andere Seite: Er war Hundenarr, interessiert an Kunst und Literatur, zählte Voltaire zu seinen Freunden. Für Scholz ist das Grund genug, Friedrichs Leben als Musical darzustellen: 1, 7 Millionen Euro hat die Produktion von „Friedrich – Mythos und Tragödie“ gekostet. Am 1. Juni feiert das Musical in der Potsdamer Metropolishalle Premiere.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.01.2012, 13:39 UhrAnonymer Benutzer: MWEsser

    Der hier gefeaturte Herrn Dorgerloh, versucht, Eintritt für
    Parks durchzusetze, dem kann man nicht wohlwollend gegenüber stehen. Dorgerlohs letztlich getroffene Aussage „Unsere Gärten sind schließlich keine Volksparks“ zeigt die elitäre Gesinnung mit welcher sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten seit Ihre Übernahme durch Herrn Dorgerloh an Bürgereigentum vergreift. Doch, unsere Schlossgärten sind Volksparks. Sie sind dieser demokratischen Gesellschaft aus dem feudalen System überkommen. Der Aristokratie
    ihre Privilegien abgenommen zu haben, ihre Güter den Bürgern zugänglich gemacht zu haben, den Adel abgeschafft zu haben, das sind
    Errungenschaften, auf die man zu Recht stolz sein kann, denn sie haben unter anderem Menschenleben gekostet. Eintrittsgeld, ist eine ungerechte, doppelte Belastung des Bürgers, der schließlich mit seinem Steuergeld schon die SPSG dafür bezahlt, die Parks für ihn ordentlich bereit zu halten und eine Wiederherstellung feudaler Zustände. Denn wer wird sich dieses Eintrittsgeld leisten können und wollen und wer nicht? Der gut betuchte Berlin/Potsdam Besucher und der Mittelstandsbürger wird gerne für die Illusion bezahlen, so das ‚ordentliche‘ vom ‚unordentlichen‘ Publikum zu trennen. Wer hingegen nicht mehr kommen wird, dass sind die auf soziale Hilfe angewiesenen. Die werden sich den Besuch schlicht nicht mehr leisten können. Die Ahnung, die einen da beschleicht, dass die auch zu der Sorte Publikum gehören, die man hier gar nicht so gerne sieht, ist sicher nicht ganz
    ungerechtfertigt.
    Jemand, der seine öffentliche Aufgabe so sieht und darstellt wie Herr Dorgerloh, sollte sein Gehalt nicht aus öffentlichen Geldern beziehen.
    Dr. Michael Esser
    Berlin

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