Details aus Insolvenzakten: Warum Neckermann nicht zu retten war

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Details aus Insolvenzakten: Warum Neckermann nicht zu retten war

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Vor einem Jahr, am 14. September 2012, wurde die Einstellung des Geschäftsbetriebs und damit das endgültige Aus für den insolventen Versandhändler beschlossen.

von Henryk Hielscher

Vor einem Jahr wurde das Aus für den traditionsreichen Versandhändler Neckermann besiegelt. Anhand von Insolvenzakten lassen sich nun die Details des Untergangs rekonstruieren.

Wie steht's um das Neckermann-Verfahren? Vor einem Jahr, am 14. September 2012, wurde die Einstellung des Geschäftsbetriebs und damit das endgültige Aus für den insolventen Versandhändler beschlossen. Ein Komplettverkauf war zuvor gescheitert. 25 Investoren hatten Neckermann im Detail durchleuchtet - und letztlich abgewunken.

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Zu marode erschien das seit Jahren defizitäre Geschäft, zu hoch die Sanierungskosten etwa für die veraltete IT. Immerhin konnte Insolvenzverwalter Michael Frege von CMS Hasche Sigle noch allerlei Unternehmenswerte versilbern, zeigen nun Unterlagen aus dem Verfahren, die wiwo.de vorliegen. Dabei hatte Frege anfangs  mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen. Vor allem der Neckermann-Gesellschafter Sun Capital dürfte kurz nach dem Start des Verfahrens für reichlich Stress gesorgt haben. So gut wie alle Vermögensgegenstände von Neckermann waren an den Finanzinvestor verpfändet.  Egal ob Markenrechte, Internetadressen, Kundendaten oder Kontoguthaben.

Am Wochenende nach dem Insolvenzantrag begannen denn auch hektische Verhandlungen zwischen Frege und den Sun-Capital-Vertretern. Dabei dürfte es vor allem um rund 13 Millionen Euro gegangen sein, die noch auf den Neckermann-Geschäftskonten lagen, aber an Sun Capital verpfändet waren. Die Gespräche scheiterten. Zu Wochenbeginn zog Frege die Notbremse und konnte  mit einer „Ermächtigung“ der Schuldnerin die Banken davon überzeugen, immerhin rund 12,5 Millionen Euro auszuzahlen.

Die erste Runde entschied der Verwalter damit für sich. Beim zweiten Duell punkteten derweil die Amerikaner:  Sie blockten mit ihrem Pfandrecht erst einmal den Versuch ab, die Markenrechte loszuschlagen und handelten Frege die Zusage ab, an den Verkaufserlösen teilweise  beteiligt zu werden. Die Alternative wären offenbar langwierige Anfechtungsstreitigkeiten gewesen, die das Bieterverfahren verzögert hätten.

Der Niedergang von Neckermann.de

  • 2006

    Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

  • 2007

    Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

  • 2010

    Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

  • April 2012

    Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden. Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat reagieren entsetzt. Sie wollen in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

  • Mai 2012

    Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

  • Juni 2012

    Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

  • Juli 2012

    Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

Anschließend konnte der CMS-intern "Projekt Alpha II"  getaufte Verkaufsprozess von Namens- und Markenrechten sowie Internetadressen starten. 162 Kandidaten wurden angesprochen, mit 58 Verkaufsgespräche geführt. Am Ende machte der Hamburger Otto-Konzern das Rennen und zahlte insgesamt 4,35 Millionen Euro. Davon entfielen 2,68 Millionen Euro auf die Neckermann-Markenrechte.

Für die zeitlich beschränkte Nutzung der Kundendaten für Werbung und Marketing überwiesen die Hamburger zusätzlich 1,68 Millionen Euro. Mit dem Deal scheinen die Hamburger zufrieden zu sein. Inzwischen schreibe der vor einem halben Jahr neu gestartete Online-Shop Neckermann.de wieder schwarze Zahlen. Das Portal, das als Marktplatz für Otto-Produkte dient, sei "operativ rentabel", sagt eine Sprecherin. Bis zum Jahresende rechnen die Hamburger mit einem zweistelligen Millionenumsatz.

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