Details zum Börsengang : Mit Zalando kommen die Hipster aufs Parkett

Details zum Börsengang : Mit Zalando kommen die Hipster aufs Parkett

Zalando hat weitere Details zu seinem Börsengang veröffentlicht. Demnach wird der Modehändler etwas weniger Geld einnehmen als erwartet. Bei seinen Wachstumsplänen geht das Unternehmen auf Nummer sicher.

Das Ambiente erinnert mehr an eine Modenschau als an einen Börsengang. Im Hintergrund spielt Lounge-Musik, Schaufensterpuppen präsentieren angesagte Outfits und die bekannten Zalando-Pakete sind kunstvoll in den Fenstern drapiert. Über große Fernseher flackert ein Image-Film, der die heile Welt des Online-Modehändlers zeigen soll. Darin strahlt selbst der Postbote, als er der jungen schwedischen Familie das große Paket mit den neuen Schuhen überreicht.  Sehr clever, die Marketing-Strategen von Zalando wissen eben, welche Länder der durchschnittliche Käufer mit einem positiven Image assoziiert.

Jung und hip, so will Zalando auch beim Börsengang sein. Deshalb hat der Online-Modehändler in eine loftartige Galerie mitten in Frankfurt geladen, um über den Gang aufs Parkett zu informieren.

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Am Mittwochabend gab Zalando weitere Details zu seinem Börsengang bekannt. Die Berliner wollen bei ihrem Börsengang bis zu 633 Millionen Euro einnehmen. Die Preisspanne für die Aktien wurde auf 18 Euro bis 22,50 Euro festgelegt. Sie sollen ab Donnerstag privaten Investoren angeboten werden. Das Emissionsvolumen läge damit inklusive einer Mehrzuteilungsoption für die begleitenden Banken zwischen 507 Millionen Euro und 633 Millionen Euro.

Vorbild Amazon

Bei dem Börsengang sollen auf dieser Basis 11,3 Prozent des Unternehmens an der Börse platziert werden, hieß es weiter. Daraus ergäbe sich für das gesamte Unternehmen ein hochgerechneter Wert von bis zu 5,6 Milliarden Euro.

„Der Börsengang ist ein großer Schritt für so ein junges Unternehmen“, sagt Zalando-Vorstand Rubin Ritter auf der Präsentation in Frankfurt. Zalando wolle mit dem Börsengang die Basis für die langfristige zukünftige Entwicklung legen, so Ritter. Der Zugang zu Kapital sei insbesondere für Unternehmen im schnell wachsenden E-Commerce Markt von strategischem Vorteil. Internationale Beispiele wie Amazon, Alibaba oder Rakuten würden das zeigen. 

An seiner Philosophie will der Online-Modehändler aber nichts ändern, das langfristige Wachstum soll weiterhin im Fokus stehen, die Marge ist zweitrangig. „Wir investieren, wo es Sinn macht, auch wenn es Marge kostet“.

Die drei Samwer-Brüder

  • Die Paten des Internets - Das Buch

    Auf rund 400 Seiten schildert Gründerszene-Chefredakteur Joel Kaczmarek in „Die Paten des Internets“ das Leben der drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer – von ihrer Kindheit über ihr erstes eigenes Unternehmen bis zum gigantischen Start-up-Schmiede „Rocket Internet“. Das Buch gewährt nicht nur vertiefende Einblicke in das gigantische Firmenimperium der Samwers, es vermittelt auch einen Eindruck in die Denkweise der ehrgeizigen Geschwister und zeigt ihre unterschiedlichen Charaktere auf.


    „Die Paten des Internets. Zalando, Jamba, Groupon – wie die Samwer-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen" von Joel Kaczmarek, Finanzbuch Verlag, 19,99 Euro.

  • Marc Samwer

    Zu Beginn des Samwer-Aufstiegs sucht auch Marc (* 3. Dezember 1970) häufig die Öffentlichkeit, überließ jedoch später häufig Oliver Samwer das Rampenlicht und konzentrierte sich auf seine Rolle als rechtlicher Berater und Steuerer des Samwer-Imperiums. Der erste Sohn des Kölner Rechtsanwalts Sigmar-Jürgen gilt als charismatischer und vernünftiger Gesprächspartner. Allerdings haftet dem ältesten Bruder auch der Ruf als Manipulator an.


    Kaczmarek: "Marc Samwer, ein Menschenfänger mit Juristenverstand"


    Studium: Rechtswissenschaften

  • Oliver Samwer

    Der mittlere Bruder (* 9. August 1973) hat schnell die Anführerrolle des Trios übernommen. Oliver organisiert und treibt die Entwicklung des Samwer-Imperiums voran.


    Kaczmarek: „ Ein Mann, der sich körperlich bis an die Grenzen der Belastbarkeit tastet und einen gewissen Masochismus zeigt, wenn es darum geht, (über andere) zu triumphieren. Dem es gleichzeitig aber auch an einem moralischen Kompass oder einer für Unternehmer üblichen Wirtschaftsethik fehlt. […] Schnelligkeit und seine Auffassungsgabe heben Oliver Samwer deutlich hervor, doch es gibt eine Eigenschaft, die ihn wirklich von allen anderen absetzt – das ist diese ganz eigene Art, wie er mit Menschen umgeht und sie steuert. […] Ist es in seinem Interesse, verströmt er eine inspirierende, anregende Aura, der selbst Größen der internationalen Finanzwelt mit Leichtigkeit verfallen.“

    Abitur-Note: 0,8
    Studium: Betriebswirtschaftslehre

  • Alexander Samwer

    Anders als seine Brüder gilt Alexander nicht als nur vom Ehrgeiz Getriebener, sondern als analytischer Denker. Er wird als menschlich, höflich und zurückhaltend beschrieben.

    Kaczmarek: „Während die Gründungen, bei denen Oliver oder Marc Samwer federführend tätig waren, oftmals auf kurzfristigen Erfolg angelegt waren, konzentrierte sich Alexander Samwer auf die anspruchsvollen Aufgaben und betreute diese mit strategischer Weitsicht.[…] Hätte es ihn nicht in die Selbstständigkeit als Internetunternehmer verschlagen, könnte er heute genauso als Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens tätig sein.“

    Abitur-Note: 0,66
    Studium: Volkswirtschaftslehre

Mit Blick auf die strategische Ausrichtung und Expansionspläne gibt sich Zalando vergleichsweise bodenständig.

Übernahmen, die das junge Unternehmen umwälzen würden, plane Zalando nicht, so Ritter. Es gehe eher um die Nutzung von Gelegenheiten. Der Finanzchef wollte dabei auch den Kauf von Beteiligungen des Schwesterunternehmens Rocket Internet nicht ausschließen, das in diversen Weltregionen außerhalb Europas Modeversender gegründet hat. "Ob das ein Rocket-Unternehmen ist, spielt dabei keine Rolle", sagt Ritter.

Investitionen in Technik

Bei möglichen Zukäufen denkt Zalando offenbar weniger an die Übernahme von Konkurrenten, sondern an Internet-Technik für den Betrieb der Seiten. "Wir wollen uns langfristig die Option aufbauen, neue Technologien zu nutzen", sagt Finanzvorstand Ritter. "Da sehen wir unsere große Chance."

Social Shopping  und die engere Verknüpfung der Onlineshops mit dem Alltag der Nutzer bieten Wachstumschancen und die Chance, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Erst im August hat Zalando eine Smartphone-App veröffentlicht, mit der Kunden Kleidung im Alltag fotografieren können. Die Software scannt die Kleidung und schlägt ähnliche Stücke im Zalando-Shop vor.

Online-Händler Zalando geht mit Scan-App auf Kundenklau

Zalando hat eine Smartphone-App veröffentlicht, mit der Kunden Kleidung im Alltag fotografieren und unmittelbar im Online-Shop bestellen können. Für stationäre Händler kann das zum Problem werden.

Mit Hilfe einer erweiterten Smartphone-App will Zalando bald noch mehr Pakete verschicken. Quelle: dpa

Ein kluger Schachzug. So integriert der Onlinehändler sein Angebot fast spielerisch und beiläufig in das tägliche Leben der Konsumenten. Spontankäufe auf offener Straße sind kein Problem mehr. Und wer im Laden einen schönen Pullover sieht, kann sich auf Knopfdruck Zalandos Gegenangebot zeigen lassen. Aber selbst wenn der Kunde nichts kauft, bekommt der Onlinehändler Informationen über den persönlichen Geschmack des App-Nutzers.

Neue Kundensegmente

Auch an seinem Angebot will Zalando weiter feilen. Nachdem der Shop in den ersten Jahren  vor allem um Frauen warb, verkauft er mittlerweile auch Männerkleidung im großen Stil. Lücken im Sortiment sieht der Onlineshop selbst noch bei Damen-Sportbekleidung, Umstands- und Bademode oder Übergrößen.

Viel Platz für Privatanleger bleibt allerdings nicht. Christoph Stanger von Goldman Sachs erwartet einen sehr kleinen Anteil an Privatanlegern.

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Denn neben den Altinvestoren, die ihre Anteile zumindest vorerst alle behalten werden, wird es sogenannte Cornerstone- oder Ankerinvestoren geben. Diese haben bereits ihr Investment zugesagt – unabhängig vom finalen Preis. Insgesamt kaufen die Cornerstone-Investoren Aktien im Wert von 126,5 Millionen Euro, ihnen wurde die vollständige Zuteilung der von ihnen gekauften Anteile zugesichert. Alle Aktionäre sollen aber mit den gleichen Rechten ausgestattet werden.

Privatinvestoren, die dennoch investieren wollen, sollten einen langen Atem haben. Denn noch hat Zalando nicht bewiesen, regelmäßig schwarze Zahlen liefern zu können. Von einer Dividende wird entsprechend zunächst keine Rede sein. Wer an eine langfristige Wachstumsstory im E-Commerce glaubt, kann investieren – muss aber hinnehmen, dass die Bewertung zumindest am oberen Ende der Preisspanne schon recht happig ist.

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