Deutsche Bahn: Schach-Profi Lutz als Bahnchef vor schwerster Partie

Deutsche Bahn: Schach-Profi Lutz als Bahnchef vor schwerster Partie

, aktualisiert 14. März 2017, 17:41 Uhr
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Der bisherige Finanzvorstand soll neuer Bahn-Chef werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit Richard Lutz wird ein zurückhaltender Pfälzer neuer Bahn-Chef. In seiner Jugend war er einer der besten Schachspieler Deutschlands. Im Konzern arbeitet er seit 13 Jahren, zuletzt als Finanzvorstand.

BerlinEin paar Züge vorausdenken zu können, ist sicher eine gute Eigenschaft für jeden Manager an der Spitze der Deutschen Bahn. Finanzvorstand Richard Lutz wird daher seine Expertise aus zahllosen Schachpartien brauchen, wenn er Mitte nächster Woche gewählt wird und damit offiziell einen der schwierigsten Jobs in der deutschen Wirtschaft antritt. Der 52-jährige Betriebswirt war einer der besten Nachwuchsspieler und Vize-Meister in Deutschland. Während Hartmut Mehdorn keiner Rauferei aus dem Weg ging und oft mit dem Kopf durch die Wand wollte, sein Nachfolger Rüdiger Grube nur wenige Versprechen halten konnte, wirkt Lutz bescheiden und überlegt. Gerade das macht seine Wahl so überraschend und weckt auch Zweifel, ob er der wohl schwierigsten Partie seines Berufslebens gewachsen sein wird.

Ein paar Voraussetzungen bringt er zweifelsfrei mit: Lutz ist schon seit 1994 bei der Bahn in der Finanzabteilung. Der langjährige Finanzvorstand Diethelm Sack war sein Lehrmeister, bis er ihn 2010 ablöste. Das war damals schon eine kleine Überraschung, denn Lutz wirkte neben dem knorrigen Sack eher unscheinbar. „Lausbubenhaft“ nennt ihn ein Weggefährte. Er habe einen feinen Humor, niemand könne sich erinnern, dass der Pfälzer mal laut geworden sei. „Er ist im Unternehmen extrem beliebt“, heißt es sogar von Seiten der Gewerkschaften, die den Sparkurs des hoch verschuldeten Konzerns in den vergangenen Jahren kritisch begleitet haben.

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Zugute gehalten wird ihm auch, dass er zwar nie in einem operativen Geschäftsfeld wie dem krisengeschüttelten Güterverkehr gearbeitet, dennoch aber ein Gespür für die Auswirkungen seiner Vorgaben hat. „Er kennt vielleicht nicht jede Schraube an der Lok, aber er weiß erstaunlich genau, was Einsparungen an anderer Stelle bewirken“, sagt einer, der ihn aus vielen Verhandlungen kennt. Vielleicht hilft Lutz dabei, dass sein Vater im Bahn-Ausbesserungswerk Kaiserslautern arbeitete. Gespräche verlege er schon mal von seinem repräsentativen Vorstandsbüro in sein Arbeitszimmer. Es störe ihn dann nicht, dass der Besucher über die zahllosen, weit verstreuten Aktenordner wundere, die sich selbst auf dem Fußboden verteilten. „Alle Zahlen hat er aber präzise im Kopf.“

Angenehm sei zudem, dass Lutz anders als Grube seinen Aufstieg aus eher einfachen Verhältnissen nie zur Schau gestellt habe. Er habe auch kein Problem damit, in Sitzungen anderen das Wort zu erteilen, wenn er sie in der Frage für kompetenter halte.

Obwohl er als Mann der Finanzen im Vorstand immer eine besondere Rolle hatte, sagte ihm niemand Ambitionen auf den Chefposten nach. Denn wohl kaum ein Vorstandsvorsitzender steht so im Rampenlicht und unter Beobachtung wie der Bahnchef – von Medien, Kunden und nicht zuletzt der Politik. Von Lutz aber sind kaum öffentliche Auftritte bekannt, auch nicht seitdem er nach Grubes plötzlichem Abgang im Januar kommissarisch an der Spitze steht. Während der frühere Vize Volker Kefer häufiger seine Bahnprojekte wie Stuttgart21 verteidigte, die Chefs des Personenverkehrs vor neuen Zügen posierten oder Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla als Lobbyist überall unterwegs war, hielt sich Lutz stets bedeckt. Lediglich bei einem von der Bahn mitorganisierten Schachturnier, bei dem unter anderem Ex-Weltmeister Anatoli Karpow mitwirkte, tauchte Lutz auf.

Im Bahn-Tower heißt es, ausgerechnet Pofalla sei es nun gewesen, der bei der schwierigen Suche nach einem neuen Vorstandschef eine interne Lösung mit Lutz ins Spiel gebracht habe. Infrastruktur-Vorstand Pofalla galt lange als Kronprinz. Wegen des Widerstands aus der SPD gegen das CDU-Mitglied, erkannte er aber seine Chancenlosigkeit, den Posten jetzt zu übernehmen.

Dennoch gibt es einige im Konzern und Aufsichtsrat, die nicht glauben, dass Pofalla auf Dauer zurücksteckt. Womöglich sei es nur ein Schachzug des politisch extrem gut vernetzten Strategen, Lutz an die Spitze zu bringen, sagt ein Aufsichtsrat. Denn von dem zurückhaltenden Betriebswirt sind solche Kontakte nicht bekannt, was in dem stark von der Politik beeinflussten Staatskonzern gefährlich ist. So stellt sich die Frage, ob die Stellung von Lutz in der anstehenden Partie vielleicht schwächer als gedacht ist und ob er Pofalla in Schach halten kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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