Deutsche See: Frischer Fisch aus dem Netz

InterviewDeutsche See: Frischer Fisch aus dem Netz

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Wie der Online-Lebensmittelhandel mit frischem Fisch funktionieren soll.

von Niklas Dummer

Lebensmittel online bestellen? Die Deutschen sind da skeptisch. Deutsche See will nun das verderblichste aller Lebensmittel online verkaufen – Fisch. Wie das funktionieren soll und was es bringt, erklärt der zuständige Manager Dominik Hensel.

Deutsche See beliefert aktuell rund 35.000 Händler und Gastronomen deutschlandweit mit frischem Fisch. Seit September können auch Privatkunden in ganz Deutschland bestellen. Möglich machen das die 22 Niederlassungen und die 300 eigenen Lieferfahrzeuge, die ohnehin schon für die Belieferung von Händlern und Gastronomen eingesetzt werden. Vor drei Jahren starteten die Bremerhavener in Berlin ein Pilotprojekt.

Zuständig für den Online-Shop ist Dominik Hensel. Im Interview erzählt er, was Deutsche See mit dem Shop bezweckt, warum es erst einmal nicht schlimm ist, dass er nicht profitabel ist und weshalb er glaubt, dass Amazon Fresh der Lebensmittellieferbranche nur gut tun kann.

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Warum sollte ich Fisch im Internet bestellen?
Dominik Hensel: In erster Linie, weil Sie vermutlich ein Verfügbarkeitsproblem in Sachen Fisch haben. Aus diesem Grund kamen zumindest die Konsumenten auf uns zu, die wissen wollten, wo sie guten und wirklich frischen Fisch herbekommen. Das mag in einer Stadt wie Hamburg kein Problem sein, wenn ich mich aber in Richtung ländliche Regionen bewege, wird es schon schwierig überhaupt eine Fischtheke zu finden. So fahren Kunden zum Teil Stunden, um an frischen Fisch zu kommen. Das wollen wir ändern.

Dominik Hensel, Leiter für den Bereich E-Commerce, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Dominik Hensel, Leiter für den Bereich E-Commerce, im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Nun sind die Deutschen besonders skeptisch, wenn es darum geht Lebensmittel zu bestellen. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Wir bewegen uns mit Fisch auf einem sehr engen Nischenmarkt: Wir sind kein Kochboxversender, kein Fleischversender – wir können Fisch und Meeresfrüchte und das machen wir seit 1937. Wir haben für dieses sensible Lebensmittel die notwendige Logistik: 300 Kühlfahrzeuge, die in Deutschland schon jetzt unterwegs sind und Gastronomen und Händler beliefern und dazu unsere 22 Niederlassungen in ganz Deutschland. All das nutzen wir nun auch für den sicheren und gekühlten Transport zum Privatkunden.

Rechnet sich das überhaupt für Sie?
Unser Ziel am Anfang ist es nicht den Online-Shop profitabel zu betreiben.

Zur Person

  • Dominik Hensel

    Dominik Hensel, 26 Jahre alt, kommt aus der Start-up-Szene. Für Deutsche See ist er als Leiter für den Bereich E-Commerce zuständig.

Nein?
Wir möchten mit dem Online-Shop das Verfügbarkeitsproblem von Fisch lösen, den Konsumenten kennenlernen sowie die Markenbekanntheit gegenüber dem Konsumenten steigern. Wir merken auf verschiedenen Ebenen, dass sich der Online-Shop schon jetzt auszahlt: Die Kunden fragen uns etwa bei Händlern oder Gastronomen gezielter nach. Das ist das Beste, was uns passieren kann.

Das heißt, sie verdienen am Shop indirekt – über die gesteigerte Kundennachfrage bei Händlern und Gastronomen?
Genau. Sie müssen bedenken, wenn der Kunde an die Fischtheke geht, sieht er ein marken- und namenloses Produkt. Deutsche See soll ein Qualitätsmerkmal sein für den Konsumenten. Aber klar ist: Wir wollen auch irgendwann einmal Geld verdienen mit dem Online-Shop.

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Wann soll es soweit sein?
Als mittelständisches Unternehmen, welches seit Jahren Fisch an Gastronomie und Handel vertreibt und die dazugehörige Infrastruktur hat, die wir für den Online-Shop nutzen, haben wir keinen Zeitdruck. Wir haben ein stetiges Wachstum verzeichnet die letzten drei Jahre.

Was kostet Sie der Spaß?
Mit dem Online-Shop nutzen wir eine bestehende Infrastruktur für den Bezug der Ware, die Verarbeitung in unserer Manufaktur, die Logistik zur Auslieferung und das Know-How zum Thema Fisch durch unsere Mitarbeiter. Ergänzend dazu haben wir ein Team mit der digitalen Kompetenz und dem E-Commerce Know-How aufgebaut. Die Kosten halten sich damit im moderaten Bereich.

Die Kühlkette ist bei frischen Lebensmitteln die größte Herausforderung, insbesondere bei Fisch, der zum Teil ja sogar unterschiedliche Temperaturen benötigt. Ist das nicht ziemlich teuer?
Die Kühllogistik ist etwas sehr Kostenintensives, ja. Wir haben aber gemerkt, dass der Konsument bereit ist, einen gewissen Preis für diesen Service und unsere Produkte zu zahlen. Zudem können wir durch unsere Kühllogistik auf Styroporkisten, Eispads und ähnliches verzichten. Auch diesen Verzicht auf Verpackungsmüll schätzt der Konsument.

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