Deutscher Handelsverband: 50.000 Läden in Gefahr

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Der Präsident des Deutschen Handelsverbandes geht davon aus, dass durch die starke Konkurrenz des Online-Handels in den nächsten fünf Jahren viele Läden sterben werden.

von Henryk Hielscher

Mit einem massiven Sterben von bis zu 50.000 Läden in den nächsten fünf Jahren rechnet der Präsident des Deutschen Handelsverbandes (HDE), Josef Sanktjohanser Das sagte er in einem Interview mit der WirtschaftsWoche.

Kurz vor dem Start der Initiative "Dialogplattform Einzelhandel" mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am kommenden Dienstag fordert Sanktjohanser vor allem gleiche Spielregeln für Online- und stationären Handel und ein Ende der Steuersparmodelle von ausländischen Handelsriesen wie Amazon.

Vor allem in strukturschwachen Gebieten würden viele Läden die Konkurrenz durch den Online-Handel und den demographischen Wandel nicht überleben. „Wir rechnen damit, dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 50.000 Läden vom Markt verschwinden werden“, sagte Sanktjohanser im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Das betrifft Tausende Arbeitsplätze vor allem in Geschäften in strukturschwachen Gebieten. Der Betrieb der Läden rechnet sich schon heute vielerorts nicht mehr, weil die Kundenfrequenz eingebrochen ist.“

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Das liege aber nicht nur an der wachsenden Konkurrenz durch den Online-Handel, sondern auch an der „demografischen Entwicklung und der Abwanderung der Menschen in größere Städte“, sagte Sanktjohanser. „Vielen Klein- und Mittelstädten droht so die Verödung.“ Wenn das verhindert werden solle, müsse die Politik eingreifen.

Sanktjohanser fordert mehr staatliche Investitionen in die Innenstädte, um ihre Attraktivität zu steigern, Erleichterungen im Bau- und Steuerrecht sowie gleiche Spielregeln für Online- und stationären Handel. „Das fängt bei den Öffnungszeiten an und reicht bis zur Steuergesetzgebung. Nehmen Sie die Debatte um Amazon und Co. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass ein Konzern, der in Deutschland Milliardenumsätze erzielt, hierzulande keine Gewinn- und Gewerbesteuern zahlt“, kritisierte Sanktjohanser das Steuersparmodell von Amazon. "Das Thema Steuergerechtigkeit werden wir im Rahmen der Dialogplattform sicherlich ansprechen", so Sanktjohanser.

Tarifgespräche: Gute Chancen auf Einigung mit Verdi

Der deutsche Einzelhandel sieht gute Chancen, bei den anstehenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi rasch zu einem Ergebnis zu kommen. „Ein Punkt sind sicherlich Lohnerhöhungen, die aus Sicht der Beschäftigten nachvollziehbarerweise gefordert werden. Da sehe ich gute Chancen auf eine Einigung“, sagte der Präsident des Deutschen Handelsverbandes (HDE), Josef Sanktjohanser, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Umgekehrt wollen die Arbeitgeber aber die Lohngruppen neu ordnen und die Tarifverträge modernisieren. „Für uns ist es genauso wichtig, einen zukunftsfähigen Tarifvertrag durchzukriegen, der endlich auch Themen wie die Digitalisierung abbildet“, so Sanktjohanser. „Dabei gilt es etwa, Qualifikationen und Lohngruppen neu zu sortieren.“ Hier rechnet der HDE-Präsident allerdings mit erheblichem Widerstand durch Verdi. „Das ist sicherlich ein ganz dickes Brett, aber im Zweifel werden wir verhandeln, bis die Hölle einfriert. Es muss sich etwas tun.“

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1 Kommentar zu Deutscher Handelsverband: 50.000 Läden in Gefahr

  • Es müssten vor allem die Löhne generell in Deutschland stärker steigen. Dann gäbe es auch mehr Binnennachfrage. Aber das wollen wir ja schon seit 20 Jahren nicht mehr und wundern uns, warum so wenig in Deutschland investiert wird. Warum auch?! Wenns hier keine zahlungskräftigen Kunden mehr gibt und man diese nur noch im Ausland sucht?!

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