Die Macht der Singles: Der Trend zum Alleinsein verändert den Einkauf

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Die Macht der Singles: Der Trend zum Alleinsein verändert den Einkauf

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von Stephan Happel

Der Handel stellt sich auf eine neue Macht ein: Ein-Personen-Haushalte. Viele Geschäfte spüren die Dominanz der Alleinlebenden - nicht nur Verkäufer von Tiefkühlpizza und Dosenravioli.

Sie sind allein. Unfreiwillig oder weil sie es möchten. Und sie sind eher Norm denn Ausnahme. In ganz Westeuropa dominieren Ein-Personen-Haushalte. Allein in Deutschland liegt der Anteil laut der Gesellschaft für Konsumforschung bei 40 Prozent – und die Zahl wächst. Vor allem aus zwei Gründen.

Zum einen hat der Ring am Finger und die eigene Familie für viele junge Erwachsene nicht mehr oberste Priorität. Sie verlängern ihre Adoleszenzphase, probieren sich selbst und Neues aus. „Der klassische Life Course – Schule, Studium, Arbeit, Heirat, Rente – ist längst aufgebrochen“, sagt Martina Reitmeier, Konsumforscherin an der Technischen Universität München.

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So verändern sich die Haushalte in Deutschland

  • 2013

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    201339 93340,5 %34,4 %12,5 %9,2 %3,3 %

  • 2008

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    200840 07639,4 %34 %13,1 %9,9 %3,6 %

  • 2003

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    200338 94437 %33,8 %14 %11 %4,2 %

  • 1998

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    199837 53235,4 %33 %15 %12,1 %4,5 %

  • 1993

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    199336 23034,2 %31,4 %16,5 %13 %4,9 %

  • 1988

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    198827 403 %34,9 %30 %16,9 %12,7 %5,5 %

  • 1982

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    198225 33631,3 %28,7 %17,7 %14,4 %8 %

  • 1978

    Jahr Insgesamt
    in 1000
    1-Pers.-
    haushalte
    2-Pers.-
    haushalte
    3-Pers.-
    haushalte
    4-Pers.-
    haushalte
    Haushalte
    mit 5 und mehr Pers.
    197824 22129,3 %28,5 %18 %14,8 %9,5 %

    Quelle: Bundesamt für Statistik

Zugleich gibt es mehr ältere Alleinlebende, die geschieden oder getrennt leben – oder deren Partner gestorben ist. Auf beide Gruppen müssen sich die Unternehmen einstellen, neue Strategien entwickeln und ihre Produkte anpassen. Und der Wandel macht vor kaum einer Branche halt.

Das beginnt schon bei der Wohnung. „Die Immobilienlandschaft erfährt eine grundlegende Änderung“, sagt Daphne Kasriel-Alexander von Euromonitor. „Architekten müssen sich auf größere Nachfrage nach kleineren Wohnungen einstellen, während größere bestehende Gebäude für diesen Zweck angepasst werden müssen.“

Das gilt vor allem für Großstädte. Dort ist die Zahl der Singles besonders hoch. Egal ob in London, Tokio, München oder Hamburg: Die Nachfrage nach kleinen Apartment wächst stetig, ebenso wie der Preis.

In den großen Metropolen der Welt geht der Trend von der Kleinwohnung zum Micro-Apartment. Mitten in Manhatten soll ein Hochhaus voll mit Wohnungen in der Größe zwischen 23 und 35 Quadratmeter entstehen. Nicht für Studenten - sondern für Angestellte und Arbeiter mit festem Einkommen.

Boom beim Tierfutter

Klar ist auch: Die Größe der Wohnung verändert die der Möbel. Massiv und wuchtig ist out, das hat die Industrie erkannt. Moderne Möbel sind platzsparend – und multifunktional. Im Laden gibt es kaum ein Sofa, das sich nicht zum Bett ausklappen oder umbauen lässt.

Kleider verschwinden im Wandschrank, Computer und Fernseher hinter den Schiebetüren von Regalen und Kommoden. „Alleinlebende sind mehr an Kommunikation und Unterhaltung interessiert und die Industrie kann sich darauf einstellen“, sagt Media Eghbal, Chef-Analystin bei Euromonitor.

Selbst den Markt für Tierfutter beeinflusst der Trend zum Alleinleben. „Single-Konsumenten sind die vermutlich stärksten Triebkräfte für das Wachstum auf dem Markt für Haustierfutter und -produkte“, sagt Trendforscherin Kasriel-Alexander. „Tiere leisten Gesellschaft.“

Rund 3,1 Milliarden Euro werden in Deutschland in diesem Jahr mit Haustierfutter umgesetzt, knapp zehn Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Weltweit ist der Umsatz in der Branche sogar um 22,6 Prozent gestiegen.

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