Die Zukunft des Handels: "Waffengleichheit" mit den Online-Händlern

ThemaOnlinehandel

Die Zukunft des Handels: Wie Technologie den stationären Handel umkrempelt

"Waffengleichheit" mit den Online-Händlern

Dem Smartphone kommt in der schönen neuen Einkaufswelt eine Schlüsselrolle zu. Es soll gleichermaßen Rabattkarte, Empfänger maßgeschneiderter Informationen und Navigator durch die Einkaufsmeilen sein.

Location-based Services (LBS) heißen die Tools, die so etwas ermöglichen, zu Deutsch: standortbezogene Dienste. Das Smartphone dient dabei als Sender und Empfänger. Über GPS, WLAN, Bluethooth und Daten des Netzbetreibers lässt es sich auf den Meter genau orten und ansprechen.

So können Händler etwa Daten darüber sammeln, wer wie lange welche Produkte betrachtet – Informationen, die bis dato Onlinehändlern vorbehalten waren. Die standortbezogenen Dienste bergen noch weitere Möglichkeiten.

Angenommen der Kunde hat seiner Einkaufsapp verraten, dass er einen Fernseher einer bestimmten Marke sucht und kommt an einem Geschäft vorbei, das genau diesen Fernseher im Angebot hat. Die App könnte ihn darauf aufmerksam machen und ihn gleich dorthin führen. „Dank Geofencing lässt sich die Lücke schließen zwischen Werbemittelnutzung und Filialbesuch. Die Geofencing-Technologie bietet zudem die Möglichkeit, Kunden zu erreichen, die in dem Moment gar nicht an einen Einkauf denken oder die bestimmte Produkte suchen, aber nicht wissen, dass sie in ihrer Nähe sind“, sagt Gaiser.

Auch im Geschäft selbst könnte das Smartphone ein nützlicher Helfer sein. Im Lebensmittelbereich gibt es schon heute Beispiele dafür. Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz haben eine App entwickelt, die Allergikern das Einkaufen erleichtert: Wenn sie mit ihrem Smartphone am Regal entlang gehen, erkennt die Kamera, ob das Produkt zum zuvor festgelegten Allergie-Profil passt oder nicht.

„In Zukunft werden die Händler immer mehr Daten sammeln und sie so aufbereiten, dass sie für den Verbraucher einen Mehrwert bieten“, ist Gaiser überzeugt. „Seien es nun Ernährungsinformationen oder der Zugriff auf einen smarten Einkaufszettel.“ Auf diese Weise wäre es dann etwa möglich den Kunden so durch den Laden zu führen, das er am schnellsten zu den gesuchten Produkten kommt, die er vorher auf einem smarten Einkaufszettel zusammengeschrieben hat.

Die schöne neue Handelswelt ist nicht für jeden

Ähnliche Möglichkeiten sieht auch E-Commerce-Experte Polzin, gibt aber zu bedenken: „LBS-Technologien werden noch nicht adäquat eingesetzt.“ Die meisten Händler belästigen ihre Kunden mit Push-Nachrichten zu Angeboten, Coupons und ähnlichem. Außerdem ist eine Voraussetzung dafür, dass LBS-Lösungen für den Kunden sinnvoll sind, dass Händler ihr Angebot digitalisieren. „Wenn ich mir heute die Trägheit anschaue, die vielerorts im Handel herrscht, habe ich da für viele Händler wenig Hoffnung“, sagt er.

Shoppen per Klick – Was wir online kaufen, wo Gefahren lauern und welche Rechte Sie beim Onlinekauf haben, lesen Sie in unserem Dossier zum Download.

Anzeige

Während große Ketten wie Media-Saturn die Möglichkeiten haben, zu experimentieren und verschiedene Konzepte zu erproben, scheitern viele kleine Händler bis heute daran, ihre Produkte ansprechend zu fotografieren. „Am Ende wird es zwei Klassen von Händlern geben: Ketten, die Spielräume haben, die digitale Welt auszukundschaften und kleine Händler, die der Entwicklung nicht folgen können.“ Für letztere bleibt das Marktplatz-Prinzip die große Hoffnung. So haben zum Beispiel die Gelben Seiten in einem großangelegten Feldversuch erprobt, wie kleine Einzelhändler von LBS-Lösungen profitieren können. Aber auch solche Angebote werden nicht jeden retten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%