Digitale Revolution des Lesens: Das Ende des Buchs, wie wir es kennen

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Digitale Revolution des Lesens: Das Ende des Buchs, wie wir es kennen

von Andreas Menn, Matthias Hohensee, Thomas Kuhn, Benjamin Reuter, Dieter Schnaas und Peter Steinkirchner

Romane mit Soundtrack, Leser als Co-Autoren, die Weltliteratur per Flatrate – Digital-Pioniere erfinden das Schreiben und Lesen von Texten neu. Die Folge: Nie war die Vielfalt der Geschichten größer als heute. Aber brauchen wir dafür noch Händler und Verlage?

Schriftsteller, heißt es, seien einsame Menschen. Bei Robert Thier gilt das Gegenteil, er kann sich vor Zuspruch kaum retten. Woche für Woche lädt der Autor ein weiteres Kapitel von „Storm and Silence“ ins Netz, dem Historienroman, an dem er seit Monaten schreibt. Sekunden später kommentieren die Fans bereits den Fortgang der Handlung.

Eine Gemeinde aus gut 18.000 Lesern verfolgt die Entstehung seines Schmökers auf der Online-Plattform Wattpad. Heldin der Geschichte ist Lilly, eine fiktive Feministin im viktorianischen England, die sich als Mann verkleidet, um wählen zu gehen. Es geht um Freiheit, das britische Empire und eine Reise um die Welt.

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Wie der deutsche Buchmarkt tickt

  • Umsatz

    Fast zehn Milliarden Euro setzt der Buchhandel um. Die Erlöse sind tendenziell rückläufig, 2013 (9,54 Milliarden) gab es ein mageres Plus von 0,2 Prozent.

  • Wer macht das dickste Geschäft?

    Der klassische Buchhandel immer noch etwa zur Hälfte (48,6 Prozent). Übers Internet wird inzwischen fast jedes sechste Buch (16,3 Prozent) verkauft. Nach steilem Wachstum gab es beim E-Commerce aber 2013 erstmals einen kleinen Rückschlag.

  • Wie schlägt sich das E-Book?

    Es ist inzwischen bei fast allen Verlagen im Programm. Der Umsatzanteil liegt aber erst bei 3,9 Prozent, bei starkem Wachstum. 2012 waren es noch 2,4 Prozent.

  • Wer liest Bücher?

    Es sind vor allem Frauen: 46 Prozent greifen täglich oder mehrmals zu einem Buch, aber nur 30 Prozent der Männer. Am meisten lesen Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren Bücher - und Großstädter.

  • Wer kauft die meisten Bücher?

    Wiederum das weibliche Geschlecht: Mehr als zwei Drittel der Frauen haben 2013 ein Buch gekauft - nur 53 Prozent der Männer. Auch beim Kauf von E-Books haben Frauen inzwischen die Männer leicht überholt.

  • Wollen Kinder überhaupt noch lesen?

    Bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren liegt das Bücherlesen (KIM-Studie von 2012) auf Platz 12 der liebsten Hobbys. 51 Prozent interessieren sich für Bücher, 14 Prozent der Kinder lesen täglich, allerdings sind darunter deutlich mehr Mädchen (21 Prozent) als Jungen (7 Prozent). Der Anteil der Kinder- und Jugendbücher am Umsatz im Buchmarkt liegt derzeit stabil bei etwa 16 Prozent.

  • Was lesen die Deutschen am liebsten?

    Die Deutschen lesen am meisten belletristische Literatur: Gut jedes dritte verkaufte Buch (33,8 Prozent) zählt zu Romanen, Krimis, Fantasy oder Comics. Ratgeber werden immer beliebter und machen inzwischen fast 15 Prozent des Umsatzes aus. Lexika und Nachschlagwerke sind die großen Verlierer, da sich viele Informationen heute im Internet recherchieren lassen.

  • Topseller 2013

    Deutscher Spitzentitel im vergangenen Jahr war „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. Darauf folgte Timur Vermes' Hitler-Persiflage „Er ist wieder da“.

  • Wo liegt Deutschlands Buch-Hauptstadt?

    Das ist eindeutig die Bundeshauptstadt. Inzwischen gibt es in Berlin zahlenmäßig auch mehr Verlage (178) als in München (134), wo Branchenführer Random House (Bertelsmann) sitzt. Die meisten Buchhandlungen pro Einwohner gibt es aber in Heidelberg, gefolgt von Darmstadt und Göttingen.

  • Wo steht Deutschlands Buchmarkt im weltweiten Vergleich?

    Der deutsche Markt gilt nach den USA als der zweitgrößte der Welt. Fast 100.000 Titel werden jedes Jahr produziert, über 10.000 Bücher übersetzt. Deutschland ist aber auch Exportnation. Ähnlich wie bei Autos ist China auch wichtigster Abnehmer bei Buchlizenzen - vor Spanien und Italien.

Thiers Leser können nicht genug davon bekommen. Sie loben jede überraschende Wendung, sie betteln um Fortsetzungen, sie leiden mit Lilly, wenn sie in der Klemme steckt. Sie finden Fehler, die Thier korrigiert. „Mir schreiben Pferdeexperten“, sagt er, „Hausfrauen, die auf dem Handy lesen, sogar Damen aus dem Seniorenheim.“

Die Wiedergeburt des Buchs

Noch verdient der 26-jährige Anglistik-Student aus Baden-Württemberg kein Geld mit seinen Texten. Doch er hofft auf eine Existenz als Schriftsteller. Andere Wattpad-Autoren stehen schließlich schon bei großen Verlagen unter Vertrag. Die werbefinanzierte Plattform selbst, 2006 von den Kanadiern Allen Lau und Ivan Yuen gegründet, ist längst ein Riesenerfolg: Mit 25 Millionen Mitgliedern ist sie der größte Schreib- und Leseclub aller Zeiten.

Geschichten wie die von Thier und Wattpad lassen sich neuerdings viele erzählen. Es sind Geschichten vom Sterben des Buches, wie wir es kennen – und von seiner Wiedergeburt in der Ära des Internets.

„Das gesamte Ökosystem vom Autor bis zum Leser entsteht neu“, sagt Rüdiger Wischenbart, Chef des Publishers’ Forum in Berlin, auf dem sich jedes Jahr die Verlagsbranche trifft. Heute schreiben Leser an Büchern mit, sie mieten Werke nur noch als E-Book auf dem Handy – oder abonnieren Hunderttausende auf einmal. Sie verschlingen Romane auf mehreren Geräten im Wechsel, kommentieren und teilen sie, wollen Film und Hörbuch gleich dazu.

Nie war es so leicht, ein Buch zu schreiben

All das verbirgt sich hinter Schlagwörtern wie Flatrates, Selfpublishing, Social Reading, die die Diskussionen auf der am Mittwoch gestarteten Frankfurter Buchmesse bestimmen werden. Nie war es so leicht, an das literarische Weltwissen zu gelangen, und nie so leicht, selbst ein Buch zu schreiben.

Absatz von E-Books in Deutschland. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Absatz von E-Books in Deutschland. (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Wir sehen eine Explosion der Vielfalt und der Verfügbarkeit von Lesestoff“, sagt Wischenbart, „wie zuletzt im 18. Jahrhundert, als die Schulpflicht eingeführt wurde.“

Gerade mal sieben Jahre ist es her, da begann Amazon, den digitalen Büchern mit der ersten Version seines Lesegeräts Kindle den Weg in den Alltag zu ebnen (siehe Grafik). Zehn Jahre später, im Jahr 2017, werden E-Books bereits ein Sechstel der Belletristik-Umsätze in Deutschland einbringen, schätzen die Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC – und in den USA sogar mehr als die Hälfte.

Wozu aber brauchen wir noch Verlage, wenn jeder im Internet Bücher schreiben und publizieren kann? Wo kaufen wir sie? Wie verändert die digitale Technik die Literatur? Und lesen wir künftig überhaupt noch Bücher? Antworten auf diese Fragen gibt eine Expedition zu den Büchermachern der Digital-Ära.

Die Autoren: Indies übernehmen etablierte Verlage

Als Theresa Ragan mit dem Schreiben begann, war sie 33 und zum vierten Mal schwanger. Sie schrieb morgens, wenn die Kinder noch im Bett waren, mittags, wenn sie im Auto vor der Schule wartete, und abends, wenn die Kleinen wieder schliefen. Mehr als ein halbes Dutzend Bücher verfasste sie in ihrem Vorstadthaus in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Geschichten, die niemand las.

Zwei Agenten versuchten, Ragans Werke bei Verlagen unterzubringen. Doch keiner griff zu. 2009 war die Autorin so frustriert, dass sie einen Krimi schrieb, in dem alle Hauptpersonen ermordet wurden – „aus Selbsttherapie“, wie sie heute sagt. Dann erfuhr sie in einem Blog von Amazons Autorendienst. Auf der Selfpublishing-Seite des Internet-Händlers kann seit 2007 jeder eigene Bücher digital veröffentlichen. Ragan stellte eines ihrer alten Werke ins Netz. „Ich rechnete mit 10 oder 20 Lesern“, erinnert sie sich. Schon in der ersten Woche waren es Tausende.

Klassische Verlage werden überflüssig

Seitdem reißt ihre Popularität nicht mehr ab. Ragan hat in den vergangenen drei Jahren rund eine Million Bücher verkauft – Thriller wie „A Dark Mind“ und Romanzen wie „A Knight in Central Park“. Mehr als 1,5 Millionen Dollar hat sie eingenommen – damit zählt sie weltweit zu den Top-Verdienern im schreibenden Gewerbe.

Fakten zu E-Books in Deutschland

  • Umsatzanteil

    Der Umsatzanteil der E-Books auf dem deutschen Buchmarkt ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 4,9 Prozent angewachsen. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es 4,2 Prozent.

  • Wachstum flaut ab

    Die Wachstumskurve hat sich zugleich abgeflacht, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am 1. Oktober 2014 mitteilte. Die Steigerungsrate habe von Januar bis Juli nur noch knapp 13 Prozent betragen. Im Vorjahr seien es fast 70 Prozent gewesen.

  • Stärkste Warengruppe...

    ...bei E-Books im ersten Halbjahr war die Belletristik mit 82 Prozent Umsatzanteil.

  • Jeder Vierte liest E-Books

    In Deutschland liest fast jeder Vierte elektronische Bücher. Der Anteil der E-Book-Leser liegt inzwischen bei 24 Prozent nach 21 Prozent im vergangenen Jahr, ergab eine Umfrage im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom. Berücksichtigt man nur die Menschen, die überhaupt Bücher lesen, greift sogar jeder Dritte zum E-Book.

  • Laptops und Smartphones hängen E-Reader ab

    Beim Lesen von E-Books kommen die Geräte, die sich aus Sicht der Industrie am ehesten für das Lesen digitaler Bücher eignen, am seltensten zum Einsatz. So nutzen nur 27 Prozent der Leser E-Book-Lesegeräte und 30 Prozent Tablet-Computer, ergab die Bitkom-Umfrage. Am häufigsten werden E-Books auf Laptops gelesen: das machen 56 Prozent der Nutzer. Danach kommen das Smartphone mit 44 Prozent und stationäre PCs mit 32 Prozent.

Ragans Geschichte ist mehr als eine typisch amerikanische Erfolgsstory. Sie ist so etwas wie die Blaupause für eine Welt, in der klassische Verlage überflüssig werden. Die heute 53-Jährige ist längst Vorbild der Indie-Szene unabhängiger Autoren in den USA.

Schätzungen zufolge stammt jeder dritte der 120.000 meistverkauften E-Book-Titel bei Amazon von Selbstverlegern. Die erwirtschaften dort mit digitalen Büchern schon mehr als die Autoren der fünf größten US-Verlagshäuser zusammen. Sie vermarkten ihre Werke über soziale Netzwerke und holen sich Vorschüsse auf Crowdfunding-Plattformen. Lohn der Mühe ist die Garantie, dass das Buch auch wirklich erscheint. Und ein höheres Honorar: Leiten Verlage meist nur gut zehn Prozent der Erlöse an die Autoren weiter, so sind es bei Amazon bis zu 70 Prozent.

Leser entscheiden über Qualität

Was einen Autor ausmacht, wird völlig neu definiert. Jeder kann jetzt Bücher verfassen. Wie gut das Geschriebene ist, entscheiden die Leser – indem sie die Werke kaufen oder eben auch nicht, sie auf Händlerseiten bewerten und in sozialen Literaturnetzwerken wie Goodreads weiterempfehlen.

Auch das Schreiben, oft als einsame Hirnarbeit in der Dachkammer idealisiert, wird in sozialen Netzwerken wie Wattpad oder Fidus Writer zum Gemeinschaftsprojekt. Autoren helfen sich gegenseitig mit dem Redigieren, Formatieren und korrekten Zitieren. Die Leser der kalifornischen Plattform Coliloquy bestimmen gar mit, wie der Autor Storys weiterentwickelt.

Manches Verlagshaus passt sich bereits an. So wie der Hamburger Kinder- und Jugendbuchverlag Oetinger, die deutsche Heimat von Pippi Langstrumpf und dem Sams. Bei ihm werkeln ganze Teams im Internet zusammen: 200 Autoren, Illustratoren und Lektoren leben in der virtuellen Schreibwerkstatt namens Oetinger34 ihre Kreativität aus. Jeder kann die Arbeit der anderen kommentieren: Passt die Zeichnung zum Charakter des Helden? Stimmen die Farben? Lässt sich der Text durch ein Bild ersetzen, das die Aussage besser trifft? Gemeinsam sollen so bessere, schlauere Bücher entstehen.

Die Bücher: Knisterndes Kaminfeuer für Sherlock Holmes

Viele Romane, die rein digital erscheinen, haben mit dem üblichen 250-Seiten-Werk aus Papier nur noch wenig gemein.

Enhanced E-Books – erweiterte Bücher – nennt Sherisse Hawkins, woran die Unternehmerin aus dem US-Bundesstaat Colorado mit ihrem Start-up Beneath the Ink (deutsch: Jenseits der Tinte) derzeit arbeitet. Es sind Texte, die mit vertiefenden Informationen angereichert sind: Tippt der Leser auf seinem E-Reader einen Ortsnamen an, erscheint die Landkarte dazu, tippt er auf den Namen einer Kirche, erscheint ihr Foto. Die Neugierde der Leser, glaubt Hawkins, werde so viel besser befriedigt als mit herkömmlichen Texten.

Der Neuseeländer Paul Cameron wiederum hat eine Tonspur für Bücher erfunden. Auf seiner Seite Booktrack bietet er Werke mit einem eigens produzierten Soundtrack an, darunter Klassiker wie Sherlock Holmes. An passenden Stellen knistert Kaminfeuer, wiehern Pferde, läuten Kirchenglocken. Spannende Passagen sind mit dramatischer Musik unterlegt. Mit akustischer Untermalung, glaubt Cameron, werde das Lesen emotionaler.

Eine neue Ära für Leser

Für Leser bricht eine neue Ära an. Bücher werden so spannend, interessant und zugänglich wie nie: Lehrbücher in Apples iBooks-Store zeigen 360-Grad-Animationen von Planeten oder Molekülen. Kochbücher wie die des Hamburger Start-ups Caramelized führen in Videos vor, wie der Hobbykoch Gemüse blanchiert. Auf US-Plattformen wie Atavist und Byliner oder in Apps wie Snippy erleben Kurzgeschichten eine neue Blüte – angereichert mit Animationen, Videos und Bildergalerien.

Buchmarkt Was tun mit gebrauchten E-Books?

Nach dem Lesen sind E-Books wertlos. Einige Anbieter streiten vor Gericht für eine Wiederverkaufsmöglichkeit – andere bieten zumindest Verleihfunktionen.

Quelle: dpa

Das Smartphone, auf dem 59 Prozent der E-Book-Leser zumindest zwischendurch lesen, fördert die Entstehung knapper, griffiger Literatur. „Kürzere Texte sind ideal für die Bahnfahrt oder das Wartezimmer“, sagt Leander Wattig, Blogger und Verlagsberater aus Berlin. „Und sie decken den Bedarf nach günstiger Lektüre.“

Das große Geschäft mit kurzen Geschichten

Schon immer haben Produktionsbedingungen und Vertriebsstrukturen den Inhalt von Büchern beeinflusst. Alexandre Dumas erhielt von seinem Verleger Zeilengeld – darum führen die „Drei Musketiere“ in seinem Roman ewige Stakkato-Dialoge. Charles Dickens verkaufte Fortsetzungsromane an Zeitungen – darum sind seine Geschichten voller Cliffhanger, die den Leser bei der Stange halten.

Nun wittern die ersten Investoren bereits das große Geschäft mit kurzen, schnellen Geschichten. So finanziert etwa das Venture-Capital-Unternehmen Andreessen Horowitz aus dem Silicon Valley, das unter anderem an Facebook beteiligt ist, die Plattform Atavist. Geldgeber wie die Kalifornier glauben fest an die neuen Büchermacher. Anders als manche aus der Verlagsbranche, die noch in der Welt von Druckfahnen und Buchrücken leben.

Die Verleger: Immer montags ein neues Buch

Über Jahrhunderte bestimmte eine Literaturelite, wer Bücher schrieb, wie sie aussahen und was sie kosteten. Diese Selbstgewissheit der Verleger ist dahin. Um in der Ära der Infoflut Geld zu verdienen und zu überleben, muss die in Deutschland 9,5 Milliarden Euro schwere Branche ihr Geschäftsmodell radikal umbauen.

So verwandeln sich die ersten Verlage, die alten Papierbetriebe, in Medienhäuser. Als Vorreiter in Deutschland gilt das Traditionsunternehmen Bastei Lübbe, Herausgeber von Bestsellern wie Ken Folletts „Säulen der Erde“. Der börsennotierte Verlag hat inzwischen eine Fernsehproduktionsfirma und produziert Bücher, Computerspiele, E-Books und Apps. „Die Industrien vermischen sich“, sagt Katja Splichal, Vorstand bei Log.os, einem Berliner Literaturnetzwerk.

Zunehmend verstehen sich Verlage als Rundum-Dienstleister für bestimmte Themen, beobachtet Berater Wattig. Sie verlegen nicht nur passende Bücher, sondern bieten auch Blogs, Veranstaltungen, Beratungen und Jobbörsen an – die ihnen Zusatzgeschäfte bescheren sollen. Und im Netz entstehen Plattformen, auf denen Leser diskutieren, Notizen hinterlassen, Geschichten weiterschreiben, kurz: Wissen teilen. Social Reading heißt das im Jargon.

Lernvideos ergänzen Schulbücher

Eine Verlagsmanagerin, die genau das jetzt umsetzt, ist Christine Hauck. Die 47-jährige Geisteswissenschaftlerin leitet beim Berliner Schulbuchverlag Cornelsen das Projekt Scook. Auf dieser Online-Plattform veröffentlicht ihr Haus seit Beginn des Schuljahres alle Lehrbücher parallel zur gedruckten Version.

„Lehrer, die ein passendes YouTube-Video zu ihrem Lehrstoff finden, teilen den Link über das Online-Portal mit ihren Schülern“, sagt Hauck. Die ihrerseits stellen sich dort gegenseitig interessante Studien, Berichte oder Bildmaterial für Hausarbeiten oder Referate bereit.

Parallel dazu erweitert Cornelsen selbst das multimediale Angebot der Plattform: Kürzlich erst kaufte sich das Unternehmen mit einer Minderheitsbeteiligung beim Berliner Bildungs-Start-up Sofatutor ein. Dessen unkonventionelle Lernvideos tauchen künftig neben traditionellem Lehrstoff bei Scook auf, genauso wie die vom staatlichen FWU Institut für Film und Bild.

Am Ende, so die Vision, entsteht ein Wissensnetz, für das der Verlag das inhaltliche und technische Gerüst liefert – und mit dem er Schulen enger an sich bindet.

Bücher entstehen heute so schnell wie nie

Aber auch das Tempo, in dem Bücher heute entstehen, nimmt zu. Seit Anfang des Monats erscheint beim traditionsreichen Hanser-Verlag jeden Montag ein E-Book im Mini-Format: meist nur 40 Seiten lang, schon ab 1,99 Euro zu haben.

Es sind Erzählungen, Essays, kürzere Sachbücher und ausführliche Reportagen renommierter Autoren wie T.C. Boyle, Philipp Blom, Henning Mankell. Ein fertiger Text steht nach nur drei Wochen im Shop – dadurch kann sich der Verlag auch in aktuelle Diskussionen wie das transatlantische Freihandelsabkommen einmischen.

Streitpunkte beim TTIP

  • Chlor-Hühnchen

    US-amerikanische Fleischhersteller legen geschlachtete Hühnchen und viele andere Schlacht-Tiere für ein bis drei Stunden in chlorhaltige Desinfektionsbäder oder besprühen sie mit hochdosierter Chlor-Lösung. Das finden die meisten Europäer widerlich. Und so avancierten die „Chlorhühnchen“ und ihr möglicher Import zum Inbegriff aller Übel, die Verbrauchern durch die TTIP-Verhandlungen drohen könnten. Dieses transatlantische Abkommen soll den freien Handel zwischen den USA und Europa erleichtern. Tatsächlich ist eine solche Chlorbehandlung für Fleisch in Europa bisher nicht zulässig. Die Sorge: Durch die Behandlung könnten gesundheitsschädliche Chlorverbindungen entstehen.

    Tipp für den Haushalt: Weil bei nicht entkeimtem Geflügel die Möglichkeit einer Salmonellen-Infektion besteht, sollte das Fleisch gut durchgebraten werden. Messer und Brettchen, die mit dem rohen Fleisch in Kontakt kamen, gut abwaschen und keinesfalls für andere Lebensmittel wie die Zutaten für den Salat benutzen. Hände waschen!

  • Verzehrfertiger Salat

    Auch Salat, Gemüse und Obst darf in den USA mit Chlorwasser behandelt werden. In Europa ist das – wie auch das schwache Chloren des Trinkwassers – nicht generell verboten. Der gezielte Einsatz von Chlor zur Desinfizierung von Obst und Gemüse muss in der EU aber genehmigt werden, wofür jedes Land selbst zuständig ist. So verbieten Deutschland, Österreich und Dänemark das Chlorieren des Salat-Waschwassers. Belgien und Frankreich gestatten es in sehr geringen Maße. Die Dosis ist aber viel niedriger als bei der US-Chlordusche für Hühnchen.

    Tipp: Gerade der fertig geschnibbelte, verzehrfertige Salat ist eine echte Keimbombe und ebenso empfindlich wie rohes Hackfleisch. Denn durch das Schneiden werden die Pflanzenzellen verletzt, so dass Zucker und andere Nährstoffe austreten – Mikororganismen leben dort wie im Paradies. Deshalb gehört Fertigsalat in den Kühlschrank und sollte nach spätestens drei Tagen gegessen sein.

  • Radioaktiv bestrahlte Lebensmittel

    Um Keime abzutöten, benutzen Hersteller vor allem von Obst, Gemüse, Gewürzen oder Meeresgetier schwach ionisierende Strahlung, was vor einigen Jahren für heftige Diskussionen sorgte. In USA werden zudem auch Fleischprodukte wie das Hackfleisch für Hamburger so behandelt. Das Bestrahlen ist aber auch in einigen europäischen Ländern gestattet, zum Beispiel in Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Tschechien, Polen und in Großbritannien. In Deutschland ist diese Methode nur für getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze erlaubt. Allerdings dürfen bestrahlte Erdbeeren, Pilze oder Zwiebeln aus anderen Ländern auch in Deutschland angeboten werden, müssen aber gekennzeichnet sein. Selbst eine Tiefkühlpizza, die mit bestrahltem Pfeffer gewürzt ist, muss auf der Zutatenliste den Hinweis „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ tragen. Auch in Restaurants oder Kantinen müssen die Kunden durch Aushang oder Hinweise auf der Speisekarte darüber informiert werden – jedenfalls lautet so die Gesetzgebung.

  • Rohmilchkäse

    Moderne Molkereibetriebe haben heute sehr strenge Wareneingangskontrollen. Hier wird geprüft, ob die Rohmilch mit Keimen oder Medikamentenrückständen belastet ist. Früher war es dagegen durchaus möglich, die Milchchargen, die zum Beispiel durch die Milch von Kühen mit eitriger Euterentzündung nicht für die Frischmilch taugten, zu H-Milch zu verarbeiten. Das entsprechende Behandlungsverfahren – das sogenannte Ultrahocherhitzen – macht jeglichen Keimen den Gar aus, so dass keine Gesundheitsgefahr bestand. Appetitlich war das trotzdem nicht.

  • Hormonbelastetes Fleisch

    In den USA sind Hormone als Wachstumsbeschleuniger zugelassen. In Europa ist das verboten und der Import von solchem Fleisch nicht erlaubt.

  • Gentechnisch veränderte Lebensmittel

    In den USA werden große Mengen gentechnisch veränderten Sojas, Mais und Raps und hergestellt und ohne Kennzeichnung verkauft. In Europa ist eine Kennzeichnung vorgeschrieben, wenn der Anteil des gentechnisch veränderten Organismus (GVO) über 0,9 Prozent liegt.

  • Rohmilchkäse 2

    Während es in Europa ganz selbstverständlich ist, aus unbehandelter Milch leckere Käsesorten wie Camembert, Brie, Roquefort oder Emmentaler herzustellen, graut es hier – wegen der möglichen Keimbelastung – die amerikanischen Verbraucher. Deshalb müssen alle aus Europa in die USA exportierten Weichkäse aus pasteurisierter Milch hergestellt werden. Zuletzt erklärte die US-Gesundheitsbehörde FDA im vorigen Jahr auch den aus Nordfrankreich stammenden orangefarbenen Hartkäse Mimolette für ungenießbar: Besonders ekelhaft fanden die FDA-Prüfer die Rinde des Käses. Sie wird zwar nicht mit gegessen, aber auf ihr leben mikroskopisch kleine Milben. Sie verhelfen dem Käse zu seinem leicht nussigen Aroma.

  • Klonfleisch

    In den USA werden inzwischen Hochleistungsrinder von Züchtern mit der selben Methode geklont, die erstmals beim Schaf Dolly 1996 erfolgreich war. Da es sich aber um sehr wertvolle Zuchttiere handelt, kommt deren Fleisch selbst in Amerika allerdings in der Regel nicht in den Handel, sondern nur die Steaks ihrer traditionell gezüchteten Nachkommen.

  • Antibiotika im Fleisch

    Sowohl in den USA wie in Europa sind Antibiotika in der Tierzucht nicht mehr als Mastbeschleuniger erlaubt, sondern nur noch um kranke Tiere zu behandeln. Theoretisch jedenfalls. Die Kontrolle ist allerdings schwierig – und sie liegt in den Händen derselben Tierärzte, deren Geschäft es ist, den Bauern Tierarzneimittel zu verkaufen. So wurden laut Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2011 gut 1.734 Tonnen Antibiotika von der pharmazeutischen Industrie an Veterinäre geliefert. Im Jahr 2012 bekam beispielsweise ein Masthähnchen durchschnittlich an zehn seiner 39 Lebenstage Antibiotika – und das sei nach Aussage des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren die Regel, nicht die Ausnahme. Allerdings ist die Belastung mit Antibiotika beim Fleisch in Deutschland nach Angaben des BVL rückläufig. So wurden im Jahr 2012 im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans 58.998 Proben untersucht. Davon waren 268 positiv, wurden also beanstandet. Der Prozentsatz der ermittelten positiven Rückstandsbefunde war mit 0,45 Prozent etwas niedriger als im Jahr 2011. Damals waren 0,56 Prozent und im Jahr 2010 noch 0,73 Prozent der untersuchten Planproben mit Rückständen belastet.

  • Kontrollen

    Wie schwer die Kontrolle von Lebensmittelgesetzen auch in Europa ist, zeigte der Lasagne-Skandal Anfang des vorigen Jahres. Damals tauchten massenweise falsch deklarierte Tiefkühlprodukte wie Lasagnen, Canneloni oder Moussaka in den Supermärkten auf. Deren Hackfleischfüllungen bestanden nicht nur aus Schwein oder Rind, sondern auch aus Pferdefleisch. Das ist zwar grundsätzlich sogar gesund, aber nicht jedermanns Sache. Weil die geschlachteten Pferde zudem keinerlei offiziellen Kontrollen unterlagen, fanden die Prüfer in diesen Tiefkühlwaren allerlei unzulässige Medikamentenrückstände.

  • Innereien und Schlachtabfälle

    In Deutschland werden zwar Innereien wie Leber und Niere oder die Zunge vom Rind gerne gegessen, Schweinefüße kommen hierzulande allerdings nicht auf den Tisch. Solche sogenannten Nebenprodukte von gesund geschlachteten Tieren werden aber in Länder exportiert, wo sie als Delikatesse gelten, zum Beispiel nach China. Das Problem, das Verbraucherschutz-Organisationen damit haben: Diese Nebenprodukte unterliegen nicht mehr den Lebensmittelbestimmungen, so dass es beispielsweise passieren könne, dass die Kühlkette nicht eingehalten wird.

Die Kunst besteht darin, auch mit solchen kurzen Publikationen genügend Gewinn einzufahren. Eine, der das gelingt, ist Beate Kuckertz. In der Münchner Max-Joseph-Straße, nur Steinwürfe entfernt von Königs- und Promenadenplatz, führt die Gründerin den hierzulande wohl erfolgreichsten reinen E-Book-Verlag.

Bücher schon ab 99 Cent

Vor gerade zwei Jahren gegründet, hat Dotbooks heute mehr als 800 elektronische Titel von mehr als 400 Autoren im Angebot, darunter bekannte Namen wie Wolfgang Hohlbein mit seinen Fantasy-Geschichten und Hera Lind mit ihren Frauenromanen. Vor Kurzem hat Kuckertz ihr Personal auf zehn fest angestellte Mitarbeiter verdoppelt. Und sie will weiter expandieren. Im vergangenen November erreichte das Start-Up die Gewinnzone.

Das Erfolgsrezept der Münchner: geringe Kosten, schnelle Entscheidungen – und kleine Preise. Bücher gibt’s ab 99 Cent; bei einer mehrteiligen Thriller-Serie wie „Tödliche Distanz“ von Jochen Frech verschenkt Kuckertz aber auch schon mal Teil eins als Köder.

Im Schnitt zahlen die Kunden 5,99 Euro für den Download eines 300-Seiten-Romans – und damit weniger als für ein gedrucktes Taschenbuch. „Die Taschenbuch-Umsätze sind in den USA in den vergangenen Jahren um fast 60 Prozent eingebrochen“, erzählt Kuckertz. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis „dieser Trend auch den deutschen Markt erreicht“.

Das könnte schnell kommen. Denn auch der Verkauf von Büchern verändert sich massiv. Daran arbeitet gerade ein Start-Up in Düsseldorf.

Der Handel: All you can read - per Flatrate in den Leserausch

Der Mann, der den Konsum von Literatur neu erfinden will, hat nicht ein einziges Buch auf dem Schreibtisch; Papierstapel häuft er nur an, um damit seinen Bildschirm aufzubocken: Frank Großklaus, 44, drahtige Figur, wirkt nicht wie einer, der beruflich viel mit Literatur zu tun hat. Und doch will er bald zu den großen Buchhändlern in Deutschland aufsteigen.

Ende September hat sein Start-up Readfy einen digitalen Buchladen eröffnet. Der ist so radikal anders, dass es altgediente Vertreter des Gewerbes grausen muss: Großklaus verkauft Bücher nicht an seine Kunden, er leiht sie ihnen. „Wir überlassen Ihnen einen Katalog im Wert von Hunderttausenden Euro“, sagt Großklaus, „und zwar kostenlos.“

Die Smartphone-App von Readfy enthält 25.000 Titel – Romane und Sachbücher, Schmonzetten und Krimis. Nur wenige Bestseller sind darunter, aber die Düsseldorfer bauen den Bestand aus. Zahlen muss der Leser am Ende doch – mit Aufmerksamkeit: Hin und wieder blendet die App Werbung ein. Wer die nicht sehen will, kann bald auch ein Abo abschließen. „Wir sind wie Spotify, die Musik-Flatrate“, sagt Großklaus, „aber jetzt mit Büchern.“

Kindle-Modelle Amazon zeigt neue Tablets und E-Book-Reader

Der Online-Versandhändler stellt neue Modelle seiner Tablets und E-Book-Reader vor – und will gleichzeig eine weitere Zielgruppe erobern. Doch das speziell für Kinder entwickelte Fire HD gibt es bislang nur im amerikanischen Shop.

Fire HDX 8.9: schnelleres Wlan, beidseitige Kameras, bessere Prozessorleistung. Quelle: REUTERS

Illegale Tauschbörsen für Bücher boomen

Das Unterfangen der Düsseldorfer zeigt, wie radikal einfach es die Digitalisierung macht, Bücher zu vertreiben: Die Kosten für Apps und Online-Speicher sind minimal im Vergleich zu Bänden aus Papier. Längst zirkulieren Millionen Werke in illegalen Tauschbörsen.

Damit steht die Literaturindustrie vor dem gleichen Problem wie die Musikbranche vor einem Jahrzehnt – bis sie die Digitalisierung ihrer Angebote startete. Mit Erfolg. Schon in fünf Jahren dürften 70 Prozent der Einkünfte der Musikindustrie aus digitalen Streamingangeboten stammen, prognostiziert der britische Marktforscher Mark Mulligan.

Klappt das auch mit Büchern? Eine ganze Reihe von Start-ups ist davon überzeugt. Sie bieten E-Books per Flatrate an, darunter Scribd, Oyster und 24symbols. Der größte Abodienst weltweit ist Amazons Kindle Unlimited – mit mehr als 700.000 Titeln in den USA, die es für 9,99 Dollar pro Monat gibt. Ausgedruckt würde diese Menge Bücher sieben Jumbo-Lkws füllen. In Deutschland führt Skoobe mit 65.000 Titeln.

Frank Sambeth "E-Book-Flatrates werden kommen"

Der Deutschland-Chef von Random House erklärt, warum Verlage noch nötig sind und Autoren ins Sendestudio müssen.

Quelle: dpa

„Wir glauben, mit Flatrates neue Kunden erreichen zu können“, sagt Frank Sambeth, Chef von Random House Deutschland, einem der Investoren von Skoobe. Er denke dabei an Nutzer von Bibliotheken oder Techies, die per Smartphone zum ersten Mal mit Literatur in Kontakt kommen. Auch mancher Buchpirat könnte von Raubkopien auf günstige legale Angebote umsteigen.

Das Ende des gedruckten Buches?

„Dienste wie Netflix und Spotify zeigen, dass es einen Bedarf an solchen Modellen gibt“, sagt Branchenkenner Wattig. Readfy-Chef Großklaus rechnet gar damit, dass schon in fünf Jahren mehr als die Hälfte der Umsätze mit E-Books über Flatrates generiert werden. „Die Idee, Inhalte zu besitzen, könnte bald schon als ein Relikt einer Ära erscheinen, in der Informationen knapp waren“, prophezeiten unlängst die Experten des US-Marktforschers Book Industry Study Group in einer Studie.

Ob Autoren und Verlage davon auch leben können, wird eine Frage der Preisverhandlungen sein. Für kleine Verlage und wenig bekannte Autoren, so die Marktforscher, könnten Bücherabos bald der einzige Weg sein, noch ihre Leser zu finden.

Die Leser: Vermessung des Bildungsbürgers

Eines ist sicher: Die Digitalisierung macht uns nicht zu Analphabeten. Wenn jedes geschriebene Buch nur einen Mausklick entfernt ist, könnte das die Leselust sogar steigern. Wer will, kann mal eben ein Kapitel aus Max Schelers „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ studieren. „Das Risiko fällt weg, viel Geld für ein Buch auszugeben, das nicht gefällt“, sagt Verlagsberater Wattig. Der Flatrate-Anbieter Skoobe hat gerade seine Kunden befragt, wie das Abo ihr Lektüreverhalten ändert: 84 Prozent der Leser probieren neue Autoren aus, 75 Prozent vergraben sich in Bücher, die sie sich sonst nicht gekauft hätten.

Der Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel hat sogar herausgefunden, dass Menschen auf Tablets schneller lesen können als auf dem Papier. „Die Display-Beleuchtung macht die Schrift besser erkennbar“, erklärt er. Trotzdem merkten sich seine Probanden genauso viele Fakten aus den Texten.

Angst vor Überwachung wächst

Die Infoflut weckt aber auch Ängste. Mit der multimedialen Informationsverdichtung, warnt der New Yorker Medientheoretiker Douglas Rushkoff, wachse die Gefahr der Überforderung, der Fixierung auf die Gegenwart. Wir würden unbegrenzten Zugang zu Informationen haben, aber nicht mehr im Gespräch mit Autoren, Büchern und Texten der Vergangenheit sein.

Von Nullen und Einsen Schnüffelnde Bücher

Ein Sadomaso-Softporno wird als E-Book zum Bestseller. Doch während das Gegenüber in der Bahn nicht erkennt was man liest, verfolgen andere das Leseverhalten ganz genau.

E-Book-Reader Quelle: dpa

Die meisten Leser seines Werkes, schreibt Rushkoff in seinem Buch „Present Shock“, werden es allenfalls quer oder auszugsweise lesen, vielleicht auch seine Hauptaussage zur Kenntnis nehmen, sich aber schnell wieder anderen Unterhaltungsquellen zuwenden.

Auch die Sorge vor Überwachung wächst. Amazon, Barnes&Noble, Google oder Apple wissen über die jeweiligen Kundenkonten nicht bloß, wie viele digitale Bücher der Käufer besitzt, aus welchen Genres diese Werke stammen, wie oft er nachkauft oder welche Autoren er besonders mag. Die Konzerne können über die Apps auf den Kindles, Nooks, iPads oder Smartphones auch nachverfolgen, ob die Leser die Werke tatsächlich konsumieren, wann sie das tun, auf welchem Gerät, ob sie Passagen digital angestrichen und die Bücher auch zu Ende gelesen haben. Beim Schmökern sind wir nicht mehr allein.

"Buchdruck in den Ruhestand schicken"

Autoren können daraus schließen, wie sie ihre Bücher verfassen müssen, um Erfolg zu haben. Werbeagenturen können Leser derweil mit maßgeschneiderten Anzeigen versorgen.

Der Bildungsbürger der Zukunft, so viel lässt sich erahnen, wird nicht mehr vor gut gefüllten Wohnzimmerregalen stehen, um den stillen Applaus der Gäste für seine erlesene Buchsammlung entgegenzunehmen. Er wird sich eher mit seinen Freunden über Ranglisten von Amazon und Co. messen, auf denen verzeichnet ist, welche Bücher er wie lange und bis zu welcher Stelle gelesen hat.

weitere Artikel

Wattpad-Gründer Lau sieht das gelassen. Für ihn bricht das Zeitalter des massenhaften digitalen Literaturkonsums an. Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern sei bereits 500 Jahr alt, konstatiert Lau. Es sei jetzt Zeit, sie in den Ruhestand zu schicken.

Bedeutet das nun das Ende des gedruckten Buches? Dagegen spricht: Noch immer werden Schallplatten produziert, hat das Fernsehen nicht das Radio abgelöst. Genauso wird es auch künftig prächtig ausgestattete Bildbände oder liebevoll gestaltete Gedichteditionen geben.

Aber das Internet senkt die Hürden, Bücher zu schreiben, zu verlegen – und zu etwas noch nie Gekanntem zu machen.

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