Discounter: Aldi hat alles richtig gemacht

KommentarDiscounter: Aldi hat alles richtig gemacht

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Keiner zwingt die Konkurrenz, die Preissenkungen von Aldi mitzumachen. Vielleicht sollte die Handelszunft mal überlegen, ob sie sich weiter auf das Preisspiel einlässt oder auf alternative Verkaufsargumente setzt.

von Henryk Hielscher

Deutschlands zweitgrößter Discounter Lidl hat die jüngsten Preissenkungen des Marktführers Aldi kritisiert, macht aber bei der Preisrunde dennoch mit. Warum die Kritik an Aldis Preisoffensive absurd ist.

Kein Jahr ist es her, da war die Aufregung groß: Aldi hatte die Preise für Milch, Butter, Schlagsahne und Quark erhöht und Kommentatoren wähnten prompt eine neue Preiswelle auf Deutschlands Konsumenten zu schwappen.

Derzeit ist die Aufregung wieder groß: Die Preise für Eier, Kaffee und Fleisch sinken. Aldi habe das Feuer im Preiskampf der Discounter eröffnet, tönt es allerorten. Die Konkurrenz spricht von "Wertvernichtung" und hat plötzlich gar ihre Sorge ums Tierwohl entdeckt.

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Erhöht Aldi die Preise, hagelt es Kritik. Senkt Aldi die Preise, gibt es fast noch mehr Ärger. Die Debatte ist an Absurdität kaum zu überbieten und zeigt vor allem eines: Sowohl in Teilen der Öffentlichkeit als auch im Handel selbst scheinen Vorstellungen über die Rolle eines Lebensmittelhändlers zu dominieren, die mit Marktwirtschaft nicht viel zu tun haben.

Aldi senkt Preise Discounter drehen weiter an der Preisschraube

Die Konkurrenz schläft nicht: Der Discounter Aldi heizt den Preiswettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel weiter an. Am Samstag senkte das Unternehmen die Preise für verschiedene Frühstücksprodukte.

huGO-BildID: 30433736 Die Kundin einer Aldi-Filiale trägt am 26.03.2013 in Essen (Nordrhein-Westfalen) in einer Einkaufstüte von Aldi-Nord und einer von Aldi-Süd ihre Einkäufe. Die Männer der Aldi-Erfolgsgeschichte sind die Söhne des Firmengründers Karl Albrecht: Seine Söhne Karl Junior und Theo. Foto: Roland Weihrauch/dpa (zu dpa-Korr:"Die Ursprünge von Aldi - 100 Jahre Familienunternehmen Albrecht.") +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

"Das ist Wertvernichtung", polterte kürzlich Rewe-Chef Alain Caparros. Allein die von Aldi angestoßenen Preissenkungen bei Eiern hätten das Unternehmen beim Rohertrag mehrere Millionen Euro gekostet. Klar, kann man das so sehen, nur für den Verbraucher ist die vermeintliche Wertvernichtung ein klarer Wertgewinn, er zahlt weniger und darf sich über einen höheren Rohertrag freuen. Im Übrigen: Niemand zwingt Rewe & Co. die Preissenkungen mitzumachen, schon gar nicht in dem Ausmaß. "Wir sind in einer Preisspirale, in der wir mitschwimmen müssen", barmt Caparros zwar. Doch warum eigentlich?

Lidl zieht sofort nach

Wie viele Kunden kehren den Supermärkten den Rücken, wenn ein Ei ein paar Cent mehr kostet als beim Discounter, wie viele bemerken überhaupt den Unterschied?

Vielleicht sollte die Handelszunft mal überlegen, ob sie sich weiter auf das Preisspiel einlässt oder auf alternative Verkaufsargumente setzt.

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Niemand käme in der Automobilwirtschaft auf die Idee, einem Unternehmen wie Dacia vorzuwerfen, es verkaufe seine Autos zu günstig. Hilfe, der Auto-Einstiegspreis bröckelt? Stattdessen versuchen sich die Hersteller als Marken zu definieren, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Im Handel gibt es seit Jahren ähnliche Bestrebungen, teure Werbekampagnen sollen das Image polieren. Doch an der lemminghaften Aldi-Preisfolge hat das nichts geändert. 

"Wir wollen vermeiden, dass unseren preissensiblen Kunden ein Einkaufsnachteil entsteht", begründete Lidl die eigenen Rotstiftaktionen nach der Aldi-Offensive. Nebenher entdeckte der Discount-Rivale noch seine Liebe zum Tier: Man würde es begrüßen, "wenn es trotz des harten Wettbewerbs in Deutschland gelänge, ein Preisniveau im Frischfleisch-Sektor zu finden, das die richtigen und wichtigen Anstrengungen für mehr Tierwohl unterstützt", hieß es von Lidl.

Klingt fast so, als hätte Aldi jetzt sämtliche Streichelzoos und Alm-Wiesen für Bio-Rinder auf dem Gewissen. Doch ob das bisherige Preisniveau wirklich für mehr Tierwohl gesorgt hat, darf bezweifelt werden. Im Übrigen gilt wiederum: Niemand muss Aldi folgen. Womöglich lassen sich die Kunden ja sogar von höheren Preisen - und dem damit verbundenen indirekten Qualitätsversprechen - überzeugen. Doch die Branche imitiert lieber den Billig-Primus und schimpft auf dessen Preise.

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