Bild: dapdTanzende Jalousien
Industriell gefertigte Gebrauchsgegenstände – hier Jalousien – stehen oft im Mittelpunkt der Arbeiten, die die südkoreanische Künstlerin Haegue Yang fertigt. Die subtil beleuchteten Jalousien ihrer Installation „Approaching: Choreography Engineered in Never-Past Tense“, die sie auf der Documenta im Kasseler Kulturbahnhof zeigt, bewegen sich nach einer festgelegten Choreographie
Bild: dapdPure Poesie
Malen habe sie eigentlich nie besonders gut gekonnt, gestand Tacita Dean einmal im Interview mit der WirtschaftsWoche. Dass das nichts als bloße Koketterie war, bestätigt die Britin, die vor allem für ihre poetischen Filme in Analogtechnik bekannt ist, durch ihren aktuellen Documenta-Auftritt: dem Gemäldezyklus „Fatigues“, bestehend aus sechs großformatigen Kreidezeichnungen
Bild: APVerstörende Eingriffe
Am liebsten lässt er die Betrachter seiner Kunst über Flugzeugflügel laufen, an Klinken ohne Türen rütteln oder Geländer ohne Treppen hinterherschauen. Dass Roman Ondák auch mit klassischen Bildern, Zeichnungen und Collagen für Verwirrung sorgen kann, zeigt er auf der Documenta mit seiner Bilderserie „Observations“, die er aus 120 Buchausrissen zusammengesetzt hat
Bild: dapdKünstlicher Vandalismus
In seinen Romanen und Theaterstücken wimmelt es von Trash, Gewalt und Pornografie. Und auch Matias Faldbakkens Installationen wecken Assoziationen von Gewalt. So wie diese Buchskulptur, die der norwegische Künstler auf der Documenta zeigt – in der Kasseler Jugendbücherei
Bild: dpaBegrünter Müll
Für die Installation mit dem bezeichnenden Titel „Waste not“ hatte Song Dong einst Gegenstände aus dem Haushalt seiner verstorbenen Mutter versammelt und ausgestellt. Für die Documenta ließ er mitten in der Karlsaue vor der Orangerie einen riesigen Haufen aus Bauschutt auftürmen und unter Sand und Erde begraben. Um den Betrachter mit seiner Skulptur „Doing nothing garden“ zum gepflegten Nichtstun einzuladen
Bild: dpaGipsgrauer Weltuntergang
Frau mit Irokesenfrisur säugt Ferkel: Die Figur, die Adrián Villar Rojas auf einen acht Meter langen künstlichen Knochen gesetzt hat, ist Teil einer weitaus größeren Installation auf den Terrassen vor dem Kasseler Weinberg. Und ein treffendes Symbol für das gipsgraue Werk des Argentiniers, dessen Skulpturen ahnen lassen: Es steht nicht gut um diese Welt
Bild: dapdVolles Rohr
Als Ein-Mann-Orchester bietet der launige Amerikaner Llyn Foulkes ein sinnliches Gegenprogramm zur eher kopflastigen Kunst der Documenta. Der 78-Jährige gibt in den ersten Wochen im 2. Stock des Fridericianums Konzerte auf seiner bizarren Musikmaschine, frei nach seinem Motto: „Malerei ist meine Qual, Musik meine Freude."
Bild: dapdKunst auf vier Pfoten
Den Windhund „Human“ hat der französische Künstler Pierre Huyghe kurzerhand zur Kunst erklärt – zusammen mit dem Gärtner-Darsteller Marlon Middeke
Bild: dapdHohle Typen
Rätsel wolle sie aufgeben, unbequem sein, zum Nachdenken anregen: Die 13. Ausgabe der Documenta in Kassel macht es dem Besucher nicht einfach – auch nicht mit „Ghost Keeping“, einer Skulptur des Ungarn Istvan Csakany
Tanzende Jalousien
Industriell gefertigte Gebrauchsgegenstände – hier Jalousien – stehen oft im Mittelpunkt der Arbeiten, die die südkoreanische Künstlerin Haegue Yang fertigt. Die subtil beleuchteten Jalousien ihrer Installation „Approaching: Choreography Engineered in Never-Past Tense“, die sie auf der Documenta im Kasseler Kulturbahnhof zeigt, bewegen sich nach einer festgelegten Choreographie
Im Schneidersitz hockt die junge Frau auf einem riesigen, acht Meter langen künstlichen Knochen, ihr Kopf ist bis auf einen schmalen Haarstreifen in der Mitte kahl geschoren. In ihrem Schoß liegt ein Ferkel, das sie mit ihrer linken Brust säugt: Die skurrile Konstellation ist Teil einer riesigen Skulptur, geschaffen vom argentinischen Künstler Adrián Villar Rojas, platziert auf den Terrassen vor dem Weinberg in Kassel.
Mitten in der Karlsaue, Kassels grüner Lunge, ragt ein weiteres Kunstwerk in den Himmel: ein riesiger Erdhügel, bereits vor Monaten aufgeschüttet, inzwischen mit Gras und Büschen bewachsen. Unter der scheinbar so malerischen Oberfläche verbirgt sich ein gigantischer Müllhaufen aus Bauschutt. Kunst, erdacht vom Chinesen Song Dong.
Die wichtigsten Infos zur d13
Wann
9. Juni bis 16. September 2012; täglich geöffnet von 10 bis 20 Uhr
Wo
Hauptorte sind Fridericianum und Karlsaue, ausgestellt wird aber auch in Kinos, Bahnhöfen, Museen und einem Bunker
Tickets
Tageskarte 20 Euro, Dauerkarte 100 Euro; Familienkarte 50 Euro, Schulklassen 6 Euro pro Person; Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt
dTours
Führungen für Einzelpersonen oder Gruppen, durchgeführt von „weltgewandten Begleitern“, eigens geschulten Personen aus Kassel. Vor Ort oder im Internet zu buchen
dMaps
Infos für Kunstliebhaber, die lieber allein losziehen; als Download fürs eigene Mobile oder auszuleihen vor Ort
Web-Seite
Der 32-jährige Argentinier Villar Rojas und der 45-jährige Chinese Song Dong gehören zur Heerschar der knapp 200 Künstler, deren Arbeiten zu Hunderten bis Mitte September auf der Documenta 13 in Kassel zu sehen sein werden. Bis zu einer Million Besucher, so hoffen die Organisatoren, werden in den kommenden 100 Tagen über das riesige Areal pilgern, um die neuesten Strömungen der weltweiten Kunstszene zu erfassen oder zumindest zu bestaunen. Und sich, mutmaßlich, beim Schlendern über die als weltweit wichtigster Gradmesser der globalen Kunstszene geltende Schau immer wieder die gleiche Frage zu stellen: Ist das Kunst? Oder kann das weg?
Die künstlerischen Leiter als neue Stars
Dass dieser alte Kalauer sowohl dem in Kunstfragen eher ungeübten als auch dem routinierten Betrachter zeitgenössischer Werke beim Besuch der diesjährigen Documenta häufiger in den Sinn kommen könnte als etwa beim traditionellen Besuch von Museen oder Kunstmessen, ist dem traditionellen Selbstverständnis einer jeden Documenta geschuldet, an die sich noch jeder Chefkurator gehalten hat: erstens möglichst lange möglichst wenig verraten über die ausgewählten Künstler – auch in diesem Jahr wurde die Liste offiziell erst drei Tage vor der offiziellen Eröffnung bestätigt. Zweitens schlagzeilenträchtig und philosophisch beschlagen die Welt erklären, gern mit diversen Seitenhieben gegen die so verachtete kapitalistisch-konsumistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Und, drittens, besonders wichtig: den jeweils gängigen Kunstbegriff nicht nur abzubilden, sondern zu erweitern.
Bild: dpaEs ist die teuerste Kunstmesse der Welt: Bis zum 25. März präsentiert sich dem Besucher auf der The European Fine Art Fair (TEFAF) eine Schatzkammer der Kunst, die weltweit ihresgleichen sucht.
Ein Rundgang über die Messe, deren Glanzlichte die gesamte Kulturgeschichte umspannen.

1. Marmornes Friesband
Dieses seltene attische marmorne Friesband aus Lotusblüten und Palmetten stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und gelangt nun aus einer Privatsammlung beim Kölner Antikenhändler Gordian Weber in den Verkauf. Preis 160 000 Euro.

2. Schwarzer Marmorkopf
Dieser schwarze Marmorkopf zeigt das Antlitz Livias, Gattin des römischen Kaisers Augustus und eine der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Die seltene, 35 Zentimeter hohe Büste entstand 50 n.Chr. und steht bei der Kunsthändlerin Mieke Zilverberg aus Amsterdam für zwei Millionen Euro zum Verkauf.

3. Rubens, Kreuzigungsszene
Schon kurz nach Eröffnung der Messe fand diese Kreuzigungsszene von Peter Paul Rubens aus dem späten 17. Jahrhundert einen Liebhaber. Beim Münchner Händler Konrad Bernheimer für 3,5 Millionen Euro taxiert, ging das Gemälde in eine deutsche Privatsammlung

4. Gerrit Dou „Dame am Virginal“
Dicke Schmutzschichten hatten dieses Meisterwerk bedeckt, das Händler Johnny van Haeften als Meisterwerk von Gerrit Dou ausmachte, einem Schüler Rembrandts. 1927 war es von dem legendären Kunsthändler Joseph Duveen an einen kanadischen Sammler für 25 000 US-Dollar verkauft worden, jetzt soll es umgerechnet mehr als 4,8 Millionen Euro kosten.

5. László Moholoy-Nagy „Sicht vom Funkturm Berlin im Winter“
Diese spektakuläre Aufnahme des ungarischen Fotografen László Moholoy-Nagy zeigt eine Berliner Winterlandschaft, aufgenommen zwischen 1928 und 1930 aus der Vogelperspektive des Funkturms. Das Stück ist Teil einer 22 Arbeiten umfassenden japanischen Privatsammlung, die die Berliner Galerie Kicken als Gesamtkonvolut für 500 000 Euro anbietet.

6. Uecker Nagelkissen
Dieses Nagelkissen von Günther Uecker entstand 1965 stammt aus der Privatsammlung des Künstlers. Der belgische Kunsthändler Axel Vervoordt, der mit Uecker seit Jahrzehnten befreundet ist, bietet es für 280 000 Euro zum Verkauf – bevorzugt an eine „exquisite Privatsammlung“.

7. Jean Prouvé Grüner Sessel
Von diesem Sessel ‘Grand Repos’ aus gebogenem Stahl, entworfen 1930 vom französischen Architekten und Designer Jean Prouvé (1901-1984) gibt es genau drei Exemplare. Zwei stehen in Museen, diesen bietet die Galerie Axel Vervoordt für 660 000 Euro an.

8. Schreibtisch Rietveld
Ebenfalls ein sehr seltenes Stück ist dieser Schreibtisch des niederländischen Designers Gerrit Rietveld aus grün und grau lackiertem Stahl, schwarz-weiß lackierten Holzschubladen und geweißter Glasplatte. Es stammt aus dem von Rietveld 1924 entworfenen Schröder-Haus, das zu den wichtigsten Bauwerken der De Stijl-Bewegung zählt und im Jahr 2000 in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen. Die Berliner Galerie Fiedler bietet den Tisch für 200 000 Euro an.
Es ist die teuerste Kunstmesse der Welt: Bis zum 25. März präsentiert sich dem Besucher auf der The European Fine Art Fair (TEFAF) eine Schatzkammer der Kunst, die weltweit ihresgleichen sucht.
Ein Rundgang über die Messe, deren Glanzlichte die gesamte Kulturgeschichte umspannen.
Wie man gerade Letzteres auch fast sechs Jahrzehnte nach der ersten Documenta 1955 und einem Dutzend Vorgängern auf dem Kuratorenposten immer noch weiter auf die Spitze treiben kann, demonstriert seit rund dreieinhalb Jahren Carolyn Christov-Bakargiev. Die heute 54-jährige Amerikanerin wurde im Winter 2008 von einer Findungskommission zur Documenta-Chefkuratorin berufen. Dieses Gremium von Kunstkennern wird seit Ende der Siebzigerjahre traditionell vom amtierenden Documenta-Geschäftsführer bestückt, mit Direktoren und Kuratoren aus den als führend geltenden Kunstinstitutionen weltweit. Eine verantwortungsvolle Aufgabe – gilt doch, spätestens seitdem Harald Szeemann der Documenta 5 im Jahr 1972 seinen Stempel aufdrückte, zunehmend nicht mehr der Künstler als Star der Veranstaltung, sondern deren künstlerischer Leiter.
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