
Der Handelskonzern Douglas mit seinen Parfümerien und der schwer angeschlagenen Thalia-Buchhandlung könnte nach einem Zeitungsbericht in die Hände des US-Investors Advent geraten. Unter Berufung auf Finanzkreise hat die Financial Times Deutschland am Dienstag gemeldet, das US-Unternehmen habe sich bereits mit der Oetker-Gruppe und dem Drogeriemarkt-Betreiber Erwin Müller geeinigt, die beide beträchtliche Anteile an dem Hagener Konzern halten. Geplant sei ein Übernahmeangebot von Advent zum Preis von etwa 38 bis 40 Euro je Douglas-Aktie. Dies würde Douglas dem Pressebericht zufolge mit 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro bewerten.
Durch die Übereinkunft mit dem Drogeriemarktunternehmer Müller und dem Lebensmittelhersteller Oetker hat Advent laut „FTD“ die Mehrheit an Douglas so gut wie sicher: Müller halte knapp 11 Prozent und habe über Verkaufsoptionen Zugriff auf weitere 15 Prozent. Oetker gehören knapp 26 Prozent an Douglas. Ein Sprecher des Bielefelder Familienkonzerns wollte diesen Pressebericht nicht kommentieren.
Bild: PressebildDie Douglas-Bilanz 2011: Parfüm top - Bücher flop
Das Geschäftsjahr 2010/2011 war alles in allem ein zufriedenstellendes Jahr für den Douglas-Konzern. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 3,4 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern stieg auf 138 Millionen Euro – und blieb hinter den Erwartungen zurück. Herzstück des Konzerns ist weiterhin die Parfümeriekette Douglas...
Bild: PressebildParfümerie Douglas
Mehr als 14.000 Mitarbeiter weltweit beraten und beduften Kunden in knapp 1.200 Douglas-Parfümerien. Mit Eau de Toilette und Parfum machte die Kette im Geschäftsjahr 2010/2011, das im September 2011, endete einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 108 Millionen Euro (2010: 88 Millionen Euro).
Die Parfümerie ist der größte Bereich der Douglas Holding, aber bei weitem nicht die einzig namhafte Marke.
Bild: PressebildBuchhändler Thalia
Parfum und Bücher? Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination und derzeit keine unbedingt erfolgreiche. Umsatzmäßig ist der Buchhändler mit über 5.000 Mitarbeitern, 295 Geschäften und dem Internetshop buch.de zwar die Nummer zwei des Konzerns, doch der Wettbewerb im Buchhandel ist hart. Thalia bekommt die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon und das digitale Buch - das eBook - immer stärker zu spüren.
Schon 2010 sank der Gewinn vor Steuern von 20 Millionen Euro auf nur noch fünf Millionen Euro. Nun plant Thalia ein umfangreiches Sanierungsprogramm, selbst Ladenschließungen und Stellenstreichungen sind kein Tabu. Zudem sollen die Filialen Fläche untervermieten und der Anteil von Cd’s, Spielwaren und anderen Sortimentsbereichen jenseits des klassischen Buchhandels ausgebaut werden.
Bei buch.de stieg Douglas bereits 1999 ein. Vier Jahre zuvor hatte sich Douglas die Herder Buchhandlungen in Münster und Freiburg übernommen. Im Jahr 2000 kam die Schweizer Buchhandlung Jäggi und Stauffacher zum Konzern. 2001 schließlich folgte der Zusammenschluss von Douglas mit Thalia zum damals größten Buchhandelsgruppe im deutschsprachigen Raum.
Bild: PressebildJuwelier Christ
Es glitzert und funkelt – das Douglas' Juwelierskette Christ. Douglas ist seit 1995 an der Christ-Gruppe beteiligt, 1997 wurde sie vollständig übernommen. In den rund 200 Juweliergeschäften der Kette arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter. Mit einem Wachstum von fast zehn Prozent stiegen die Umsätze von 310 auf über 340 Millionen Euro für das Jahr 2011. Auch der Gewinn vor Steuern stieg deutlich von 17 Millionen Euro im Vorjahr auf 26 Millionen Euro.
Schöner Schmuck passt gut zu einem netten Kleid. Und auch da muss der Kunde nicht die Sphären des Douglas-Konzerns verlassen.
Bild: PressebildModehaus Appelrath-Cüpper
Seit 1986 ist Douglas an Appelrath-Cüpper beteiligt. Derzeit gibt es 14 Geschäften in Deutschland. Die etwa 750 Mitarbeiter erwirtschaften 2011 einen Umsatz von 125 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ist überschaubar und blieb bei knapp einer Million Euro.
Wer will sich nicht nach einem anstrengenden Einkaufsshop mit ein paar Süßigkeiten belohnen möchte, kann das ebenfalls im Reich des Douglas-Konzerns erledigen.
Bild: PressebildConfiserie Hussel
Pralinen, Trüffel und Schokolade gibt es entweder in einem der 245 Geschäften zu kaufen oder auf dem gleichnamigen Internetauftritt online zu bestellen. Die Umsätze sanken um 1,3 Prozent auf 98 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern im Süßwarenbereich verfehlte mit knapp zwei Millionen Euro das Vorjahresergebnis um eine Million Euro. Das Unternehmen hat schon eine lange Traditionen: Über 60 Jahre gibt es die Geschäfte bereits. Noch deutlich älter ist aber Douglas selbst...
Bild: dpaÜber 100 Jahre Geschichte bei Douglas
Zurück geht der Name Douglas auf den Seifensieder John Sharp Douglas zurück, der im Jahre 1821 die erste und älteste Seifenfabrik Hamburgs gründete. Der Erfolg der Parfümeriekette wurde allerdings erst fast 90 Jahre später begründet. Im Jahr 1910 schlossen die Schwestern Maria und Anna Carstens einen Vertrag mit der Firma J.S. Douglas Söhne, der ihnen erlaubte, eine Parfümerie unter dem Namen Parfümerie Douglas zu führen. Das Geschäft öffnete seine Pforten am Neuen Wall 5, der seinerzeit vornehmsten und teuersten Einkaufsstraße Hamburgs. 1969 übernahm dann die Hussel AG die bis dahin sechs bestehenden Parfümerien. 1989 wurde sie in Douglas Holding AG umbenannt. Die Anteilseigner erfreuen sich seit langem an deren Gewinne – und sind selbst bekannte Namen der deutschen Wirtschaft...
Bild: dpaAnteileigner bei Douglas
Über 25 Prozent der Anteile hält demnach der Dr. August Oetker Finanz- und Beteiligungs GmbH, die Drogeriekette Müller besitzt ebenfalls über zehn Prozent. Einen Anteil von über 12 Prozent besitzen Jörg und Henning Kreke – Henning Kreke ist Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding. Neben den Paketen weiterer Anteilseigner befinden sich über 30 Prozent der Aktien in Streubesitz. Und die können sich über die Ausschüttung einer Dividende von 1,10 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie freuen.
Die Douglas-Bilanz 2011: Parfüm top - Bücher flop
Das Geschäftsjahr 2010/2011 war alles in allem ein zufriedenstellendes Jahr für den Douglas-Konzern. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 3,4 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern stieg auf 138 Millionen Euro – und blieb hinter den Erwartungen zurück. Herzstück des Konzerns ist weiterhin die Parfümeriekette Douglas...
Dies hat den Aktienkurs am Dienstag in der Spitze um fast 13 Prozent auf 38,10 Euro in die Höhe getrieben. Im Verlauf pendelten sich Douglas knapp unter 38 Euro ein. Es sei durchaus realistisch, dass Advent über den Kauf der Anteile von den Großaktionären Erwin Müller und Oetker zumindest die Mehrheit an der Douglas Holding erreichen könnte, erklärte DZ-Bank-Analyst Holger Schwesig. "Wir halten die Meldung für plausibel", stimmte LBBW-Analyst Bernd G. Müll zu. Wenn Advent mit dem Angebot die 30-Prozent-Schwelle überschreite, wäre ein öffentliches Übernahmeangebot für die freien Aktionäre zum gleichen Preis die Folge. Müll bewertet die Aktie mit „Halten“.
Ein Händler sagte: „Das klingt schon sehr konkret und der Preis sorgt für Fantasie“. Entsprechende Gerüchte habe es zwar schon vor ein paar Tagen gegeben, damals sei aber lediglich ein Preis von 36 bis 37 Euro herumgereicht worden. Analyst Jürgen Elfers von der Commerzbank hält den Einzelhändler ohne den schwer angeschlagenen Buchhändler Thalia bei 37 Euro je Aktie für fair bewertet. Elfers bewertet Douglas mit „Reduce“ und dem Kursziel 29,60 Euro.
Zu Douglas gehören die Süßwarenkette Hussel, die Juweliergeschäfte Christ und die Modehäuser Appelrath-Cüpper. Die Buchhandlungen von Thalia haben angesichts der Internet-Konkurrenz mit Problemen zu kämpfen und drückten den Konzern insgesamt in die roten Zahlen. Zuletzt hatte die Unternehmensleitung jedoch den Kurs auf Sanierung von Thalia gesetzt. In den vergangenen Monaten war aufgrund von Äußerungen der Gründerfamilie Kreke spekuliert worden, dass der ganze Konzern übernommen und von der Börse geholt wird.

























