Drei Jahre Haft für Topmanager: Middelhoff fehlt es an Unrechtsbewusstsein

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KommentarDrei Jahre Haft für Topmanager: Middelhoff fehlt es an Unrechtsbewusstsein

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Middelhoff sitzt in Untersuchungshaft

von Henryk Hielscher

Der Absturz des früheren Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff ist beispiellos. Doch das Mitleid hält sich in Grenzen. Einsicht oder gar Reue hat er bis dato nicht gezeigt – vielleicht ändert nun die Untersuchungshaft etwas.

Als Thomas Middelhoff ans Podium trat, wurde er mit freundlichem Applaus begrüßt. Der damalige Vorstandschef des Handelskonzerns Arcandor sollte ein paar freundliche Worte über gute Unternehmensführung sagen, galt es doch die Eröffnung einer neuen Einrichtung an der Privatuniversität Witten-Herdecke zu feiern – das Institut für Corporate Governance.

Middelhoff legte los: Corporate Governance brauche vor allem Persönlichkeiten, die ein vorbildliches Verhalten vorleben. Er zitierte den Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan, wonach Regeln keine Haltung ersetzen können: „Rules cannot substitute for character.“

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Nur gut sechs Jahre ist der Auftritt her und dennoch scheint er aus einer völlig anderen Epoche zu entstammen. Heute hatte Middelhoff wieder einen Auftritt in Sachen Corporate Governance. Vor dem Landgericht Essen wurde das Urteil im Untreueprozess gegen Middelhoff verkündet.

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Middelhoff hat sich laut Gerichtsurteil in 27 Fällen der Untreue und in drei Fällen der Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Der Manager soll private Flüge und die Kosten einer Festschrift für einen Mentor über das Unternehmen abgerechnet hatte. Middelhoff nahm das Urteil mit versteinerter Miene zur Kenntnis.

Wenig später verkündete Landgericht gar einen Haftbefehl gegen Thomas Middelhoff. Das Gericht sehe derzeit Fluchtgefahr bei dem früheren Top-Manager, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt.

Middelhoff zeigt weder Reue noch Einsicht

Vom gefeierten Manager und Festredner zum verurteilten Straftäter und nun auch noch Untersuchungshäftling. Fast könnte man Mitleid bekommen mit dem Mann. Doch mit seinen öffentlichen Auftritten und Aussagen macht es Middelhoff wohl selbst seinen früheren Freunden und Geschäftspartnern schwer, noch Verständnis zu zeigen.

Von Einsicht, Unrechtsbewusstsein oder gar Reue war in den vergangenen Monaten nie etwas zu spüren, wenn Middelhoff sich äußerte, oder sein Anwalt zu den Untreue-Vorwürfen Stellung bezog.
Flüge im Privatjet? Das sei keine Geldverschwendung, sondern berufliche Notwendigkeit, beschied Middelhoffs Anwalt stets.

Und das Pendeln per Hubschrauber vom Familienquartier in Bielefeld nach Essen? Absolut sinnvoll, eine Baustelle am Kamener Kreuz hätte den Konzernchef sonst stundenlang aufgehalten.

Revision geplant Thomas Middelhoff nimmt Urteil nicht hin

Der frühere Spitzenmanager Thomas Middelhoff will gegen seine Verurteilung durch das Landgericht Essen vorgehen. Derzeit sitzt der frühere Top-Manager wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor, Thomas Middelhoff, ist zu einer Haftstrafe verurteilt worden Quelle: dpa

Über derlei Ausführungen schüttelten offenkundig nicht nur Berufspendler die Köpfe. Die Richter am Essener Landgericht sahen darin schlicht den Straftatbestand der Untreue erfüllt.

Auch wenn seine Anwälte und er vermutlich Rechtsmittel einlegen werden – also final noch lange nichts entschieden ist - ist der Absturz von Big T. wohl beispiellos in der deutschen Wirtschaftsgeschichte, zumal der Untreue-Prozess nur der Auftakt war.

Die Zahl der Prozesse und Verfahren, in die Middelhoff verwickelt ist, ist kaum noch überschaubar. Sein Vermögen ist zusammengeschmolzen wie ein Stück Butter in der Sonne und die Gläubiger jagen ihn. So zwang ihn sein ehemaliger Geschäftspartner Roland Berger vor Kurzem zum Offenbarungseid.

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Um bei dem Termin nicht fotografiert zu werden, türmte Middelhoff und ließ es sich nicht nehmen, die Geschichte später als Abenteuerstory zu vermarkten: „Ich bin wie die Katze übers Dach“, berichtete er. „Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“

Genau solche Aussagen sind es, von denen sich Gläubiger und Geschäftspartner verspottet fühlen und die indirekt zeigen, dass Middelhoff aus seinem tiefen Fall bis dato keine tieferen Einsichten gewonnen hat. Womöglich erlangt er die nun in seiner Zelle.

Ausschlaggebend für die Verhängung des Haftbefehls sind laut Gericht die Höhe der verhängten Freiheitstrafe, der Wohnsitz im Ausland und die unklare berufliche Situation des Managers. Allerdings will sich das Gericht unmittelbar nach dem Ende der Urteilsverkündung im Gespräch mit Middelhoff und seinen Verteidigern um eine „mildere Maßnahme“ bemühen. Ein Gerichtssprecher betonte, es sei gut möglich, dass der Haftbefehl noch im Laufe des Tages außer Vollzug gesetzt werde.

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