Dreiste Diebe: Was Ladendiebstahl den Einzelhandel kostet

Dreiste Diebe: Was Ladendiebstahl den Einzelhandel kostet

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Waren im Wert von Milliarden verschwinden jährlich in den Taschen von dreisten Dieben.

Die Deutschen klauen wie die Raben. Der Schaden für den Handel geht laut Experten in die Milliarden. Und den Dieben ist nicht beizukommen - trotz hoher Investitionen in Sicherheitstechnik.

Ein schneller Griff ins Regal und die Make-Up-Dose landet in der Handtasche. Eine kleine Bewegung mit dem Arm, und das Smartphone verschwindet in der Jackentasche. Warenschwund kostete den deutschen Handel im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Euro - immerhin 1,1 Prozent des Umsatzes. Weltweit waren es sogar 1,29 Prozent des Einzelhandelsumsatzes - das entspricht 96,8 Milliarden Euro.

Das besagt das aktuelle „Globale Diebstahlbarometer“, eine weltweite Studie zu den Ursachen und Kosten von Warenschwund im Einzelhandel, durchgeführt durch das Dienstleistungsunternehmen The Smart Cube und mitfinanziert vom Warensicherungssytem-Anbieter Checkpoint Systems.

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Hauptursache für Warenschwund in Deutschland ist demnach der Ladendiebstahl. Klau-Kunden sind hierzulande für etwa 1,7 Milliarden Euro an Verlusten verantwortlich. Fast genauso hoch schlagen jedoch die Kosten durch unehrliche Mitarbeiter (etwa 1,66 Milliarden) zu Buche. Der Rest entfällt auf administrative Fehler und unehrliche Lieferanten.

Wo die Einzelhändler am stärksten unter Warenschwund leiden

  • Zur Umfrage

    „Das Globale Diebstahlbarometer 2013/2014“ wurde von The Smart Cube unter Mitwirkung von Einzelhandelsanalyst Ernie Deyle erstellt. Sie basiert auf Befragungen von 222 Einzelhändlern (laut Angaben insbesondere große Handelsketten) in 24 Ländern, die 2013 einen Umsatz von insgesamt über 560 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die Befragungen wurden sowohl anhand von telefonischen Tiefeninterviews als auch anhand von schriftlichen, quantitativen Interviews durchgeführt.

  • Österreich

    Wert des Schwunds: 655 Millionen Euro

    Schwund: 1,05 % des Umsatzes

  • Belgien

    Wert des Schwunds: 934 Millionen Euro

    Schwund: 1,16 % des Umsatzes

  • Dänemark

    Wert des Schwunds: 451 Millionen Euro

    Schwund: 1,14 % des Umsatzes

  • Finnland

    Wert des Schwunds: 526 Millionen Euro

    Schwund: 1,39 % des Umsatzes

  • Frankreich

    Wert des Schwunds: 4679 Millionen Euro

    Schwund: 1,09 % des Umsatzes

  • Deutschland

    Wert des Schwunds: 4952 Millionen Euro

    Schwund: 1,10 % des Umsatzes

  • Italien

    Wert des Schwunds: 3365 Millionen Euro

    Schwund: 1,09 % des Umsatzes

  • Niederlande

    Wert des Schwunds: 1167 Millionen Euro

    Schwund: 1,23 % des Umsatzes

  • Norwegen

    Wert des Schwunds: 450 Millionen Euro

    Schwund: 0,83 % des Umsatzes

  • Polen

    Wert des Schwunds: 820 Millionen Euro

    Schwund: 1,09 % des Umsatzes

  • Portugal

    Wert des Schwunds: 462 Millionen Euro

    Schwund: 1,18 % des Umsatzes

  • Russland

    Wert des Schwunds: 5318 Millionen Euro

    Schwund: 1,35 % des Umsatzes

  • Spanien

    Wert des Schwunds: 2735 Millionen Euro

    Schwund: 1,36 % des Umsatzes

  • Schweden

    Wert des Schwunds: 723 Millionen Euro

    Schwund: 1,00 % des Umsatzes

  • Türkei

    Wert des Schwunds: 1300 Millionen Euro

    Schwund: 0,99 % des Umsatzes

  • Vereinigtes Königreich

    Wert des Schwunds: 3,3 Milliarden Euro

    Schwund: 0,97 % des Umsatzes


Das Forschungs- und Beratungsinstitut EHI kommt in einer Untersuchung auf ähnliche Zahlen. Die Handelsexperten beziffern die Inventurdifferenzen in Deutschland auf 3,9 Milliarden Euro. Nach ihrer Einschätzung sind davon auf Ladendiebstahl durch Kunden rund 2,1 Milliarden Euro zurückzuführen.

Klauen auf Bestellung

Dass Deutschland selbst mit diesen hohen Verlusten im Vergleich zu manchem europäischen Nachbar noch ganz gut dasteht, kann für die Autoren des Diebstahl-Barometers „auf das konsequente Vorgehen gegen Warenschwund zurückgeführt werden“.

Laut Diebstahlbarometer haben die deutschen Händler zuletzt 3,5 Milliarden Euro in ihre Sicherungssystem investiert und die Anti-Diebstahl-Maßnahmen auch auf Produkte der unteren Preisklasse ausgeweitet.

Doch trotz der der hohen Investitionen ist den Dieben nur schwer beizukommen. Die Höhe der Verluste durch Warenschwund ist seit Langem stabil, die Zahl der geschätzten Ladendiebstähle zuletzt nur ganz leicht gesunken. Zwar meldet die Polizei eine seit Jahren sinkende Zahl an Fällen. Doch es gibt eine hohe Dunkelziffer. Das EHI geht davon aus, dass täglich mehr als 85.000 Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von rund 80 Euro unentdeckt bleiben oder nicht angezeigt werden.

Welche Waren am häufigsten von Diebstahl betroffen sind

  • Kleidung und Mode

    Rang 1: Modeaccessoires

    Rang 2: Schmuck, Schuhe

    Rang 3: Dessous/Unterwäsche

    Quelle: Das Globale Diebstahlbarometer 2013/2014

  • Baumarktartikel

    Rang 1: Elektrowerkzeuge

    Rang 2: Batterien

    Rang 3: Schrauben & Unterlegscheiben

  • Elektronikartikel

    Rang 1: Mobilzubehör

    Rang 2: iPhones/Smartphones

    Rang 3: Elektronische Spiele & Satellitennavigationssysteme/GPS-Systeme

  • Lebensmittel

    Rang 1: Wein & Spirituosen

    Rang 2: Säuglingsnahrung

    Rang 3: Feinkostartikel, frisches Fleisch

  • Kosmetik

    Rang 1: Make-Up-Artikel

    Rang 2: Rasierklingen, Hautpflegeprodukte

    Rang 3: Parfüms & Eau de Toilette


Zudem rüsten nicht nur die Händler auf. „Zwar bewegen sich die Verluste zuletzt auf stabilem Niveau, doch viele Einzelhändler haben es vermehrt mit Profi-Dieben zu tun, die quasi ‚auf Bestellung‘ Waren entwenden und damit hohe Schäden verursachen“, sagt Hans-Jürgen Nausch, Experte für Warenschwund bei Checkpoint Systems. „Diese Diebe achten auch darauf, dass sie keine Verpackungen beschädigen, damit die Ware problemlos zum Beispiel über das Internet weiterverkauft werden kann.“

Kein Wunder also, dass geklaut wird, was teuer ist und sich gut weiterverkaufen lässt – Markenprodukte etwa. Diebe stehen auf Modeaccessoires und Schmuck, Elektrowerkzeuge, Mobiltelefone und -zubehör sowie Make-Up-Artikel.

Weil sich all diese Prodkte auch gut unter dem Weihnachtsbaum machen, beginnt die ganz heiße Phase für Diebe und ihre Gegenspieler auch erst jetzt. 63 Prozent der europäischen Einzelhändler geben laut Diebstahlbarometer an, dass sie in der Weihnachtszeit den höchsten Warenschwund bemerken.

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