Drogeriekette: IhrPlatz folgt Schlecker in die Insolvenz

Drogeriekette: IhrPlatz folgt Schlecker in die Insolvenz

Nun ist auch IhrPlatz pleite. Am Donnerstag stellte IhrPlatz beim Amtsgericht Ulm den Antrag auf die Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Schlecker steckt offenbar tiefer in der Krise als angenommen.

Vor einigen Jahren kaufte die Drogeriekette Schlecker IhrPlatz und wollte das Unternehmen als Premiummarke platzieren. Doch daraus wurde offenbar nichts. Die Unternehmenstochter soll nun gemeinsam mit Schlecker saniert werden. „IhrPlatz befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, so dass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann“, erklärte der vorläufige Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Ziel sei der Erhalt des Unternehmens und somit eines Großteils der Filialen und Arbeitsplätze.
Noch am Montag hatte es geheißen, dass die erst 2007 übernommene Kette IhrPlatz und die Schlecker-Töchter im Ausland nicht von der Insolvenz betroffen seien. Schlecker will mit einem Insolvenzantrag einen Großteil der gut 7000 verbliebenen Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen retten.

Schleckers Aufstieg und Fall

  • Drogerieriese und Familiengeschichte

    Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

  • 1944

    Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

  • 1965

    Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

  • 1974

    Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

  • 1975

    Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

  • 1977

    Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.

  • 1984

    Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.

  • 1987

    Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich

  • Dezember 1987

    Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

  • 1990er

    Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.

  • 1994

    Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

  • 2007

    Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"

  • 1998

    Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

  • 2008

    Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

  • 2010

    Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

  • November 2010

    Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

  • 2011

    Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

  • 2012

    Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.

Am Mittwoch hatte sich das Unternehmen mit dem Einkaufsverbund Markant, einem der wichtigen Gläubiger, darauf geeinigt, die Kooperation fortzusetzen. Zahlungsrückstände an Markant waren ein Hauptgrund für die Insolvenz des schwäbischen Unternehmens. Damit sind Warenbestellungen, Lieferungen und Abrechnungen für die Märkte in Deutschland gesichert. Für die Auslandsfilialen hofft Schlecker noch heute auf eine Einigung. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auf der Grundlage dieser Entscheidung auch die Gespräche mit den anderen Lieferanten in den nächsten Tagen positiv abschließen können“, sagte Arndt Gleiwitz.

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Das Insolvenzverfahren wurde allerdings noch nicht eröffnet. Ziel bleibe „eine zukunftsfähige Lösung für das Unternehmen“. Dazu würden in den kommenden Tagen auch die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft fortgesetzt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte unterdessen ein Bündnis zur Unterstützung der Schlecker-Beschäftigten.

Ver.di hofft auf Unterstützung der Kunden

„Es sind nicht die Beschäftigten, die die finanzielle Misere von Schlecker verursacht haben“, betonte Stefanie Nutzenberger vom Ver.di-Bundesvorstand Die Forderung richte sich zum einen an die Lieferanten, die Drogeriemarktkette weiter mit Waren zu versorgen. Aber auch die Kunden seien aufgefordert wie bisher bei Schlecker einzukaufen. Am Montag hatte Schlecker beim Amtsgericht Ulm offiziell den Insolvenzantrag eingereicht. Die Besitzerfamilie Schlecker will das Unternehmen als Ganzes erhalten.

Experten räumen den IhrPlatz-Filialen nur dann Überlebenschancen ein, wenn das Konzept grundsätzlich überarbeitet wird.

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