Drogeriemarkt-Pleite: Der seltsame Schlecker-Verein

Drogeriemarkt-Pleite: Der seltsame Schlecker-Verein

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Der Verein "Wir wollen Schlecker retten" sollte das Image der Drogeriekette retten. Angeblich gehören Schikanen und schlechte Arbeitsbedingungen der Vergangenheit an. Aber scheinbar gehören eben die, die Angestellte Schikaniert haben zum Verein.

von Henryk Hielscher

Unter dem Motto „Wir wollen Schlecker retten“ waren Stuttgarter Mitarbeiter des Pleite-Drogisten angetreten, um das Image ihres Arbeitgebers zu polieren. Doch Aussagen von Verdi wecken Zweifel an den vermeintlichen Schlecker-Saubermännern.

Es war ein PR-Coup: Sieben Mitarbeiter aus dem Stuttgarter Raum hatten vor wenigen Wochen den Verein "Wir wollen Schlecker retten" gegründet. „Aus Betroffenheit haben wir uns gesagt, dass wir irgendwas tun müssen", hieß es damals aus der Vereinsführung. "Wir wollen den Mitarbeitern und Kunden zeigen, wie es draußen wirklich läuft." Dabei gehe es auch um Vorurteile - denn Schikanen und schlechte Arbeitsbedingungen entsprächen nicht mehr der Realität.

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Der Initiative wurde von den Schlecker-Kommunikatoren parallel zu einer breit angelegten Imageoffensive vermarktet.  Lars Schlecker, Sohn von Firmengründer Anton Schlecker, jubelte denn auch im ARD-Morgenmagazin: „Wir wollen diese Initiative unterstützen, die wir superklasse finden, um auch die Kunden wieder in die Läden zu kriegen und den Verkauf anzukurbeln.“

Schlecker-Mitarbeiter und Management im Rettungsstreben vereint? Bei Schlecker – dem früheren Symbol für Mitarbeiterunzufriedenheit – war alles halb so schlimm? 

So nachvollziehbar das Grundanliegen der Beschäftigten – zum Überleben ihres Arbeitgebers beizutragen, auch sein mag. Die personelle Zusammensetzung des Vereins sorgte zumindest im Stuttgarter Büro der Gewerkschaft Verdi für Kopfschütteln.

Druck auf Beschäftigte

„Um Schlecker zu retten, ist dieser Verein so überflüssig wie ein Kropf“, sagt die Gewerkschaftssekretärin Christina Frank. „Die Gründungsmitglieder und Vereinsvorsitzenden stehen  für das System, das Schlecker überhaupt erst an den Abgrund gebracht hat: Für Druck auf die Beschäftigten und Methoden an der Grenze des Zulässigen und darüber hinaus.“

In der Vereinsführung hat Frank auch Führungskräfte ausgemacht, „die bekannt dafür sind, Mitarbeiter willkürlich zu behandeln und mit Angst in Schach zu halten.“ Viele Beschäftigte hätten sich von diesen Personen massivem Druck ausgesetzt gefühlt. Sollten die Vorwürfe auch nur im Ansatz stimmen, wären derlei personelle Konstellationen kaum geeignet, um die Botschaft vom Imagewandel Schleckers zu transportieren.

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Ein Unternehmenssprecher will sich offiziell nicht dezidiert zu dem Verein äußern. Die Initiative sei unabhängig vom Unternehmen erfolgt, das Grundanliegen sehe man aber positiv. Inzwischen hätte es auch Veränderungen an der Spitze der Stuttgarter Gruppe gegeben. Zudem seien bundesweit Initiativen von Mitarbeitern gestartet worden, bei denen es keinerlei Kritik oder Beanstandungen geben würde.

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