Drogeriemarkt-Pleite: Schlecker-Entlassungen sind unterwegs

ThemaEinzelhandel

Drogeriemarkt-Pleite: Schlecker-Entlassungen sind unterwegs

Mit der Übernahme der Schlecker-Tochter IhrPlatz und der Schlecker XL-Märkte sollen alle 5000 Mitarbeiter weiter beschäftigt werden. Für die übrigen Angestellten bleibt nur noch der Gang zum Amt.

Der Münchner Investor Dubag will mit der Übernahme der Schlecker-Tochter IhrPlatz und der Schlecker XL-Märkte auch alle 5000 Mitarbeiter weiter beschäftigen. Es sollen weder Filialen geschlossen, noch Stellen abgebaut werden, sagte Dubag-Chef Michael Schumann am Montag in München und bestätigte damit einen Bericht der Münchner „tz“. Die Dubag habe die insolvente Schlecker-Tochter mit ihren 490 Filialen bereits gekauft, dazu übernimmt die Dubag auch die rund 342 Schlecker XL-Märkte mit ihren Mitarbeitern. In der IhrPlatz-Zentrale in Osnabrück würden im Gegenteil eher noch Mitarbeiter dazukommen, da in den vergangenen Jahren dort Stellen in die Schlecker-Zentrale nach Ehingen verlagert worden seien. Dem Deal muss noch die Gläubigerversammlung von Schlecker zustimmen, der Gläubigerausschuss habe bereits grünes Licht gegeben, sagte Schumann. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Die insgesamt rund 800 Filialen erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 700 Millionen Euro.

Kündigungen sind auf dem Weg

Anzeige

Für die Angestellten der regulären Schlecker-Märkte gibt es dagegen keine Hoffnung mehr. Die 13.200 Schlecker-Beschäftigten müssen nun bis Ende Juni mit ihrer Kündigung rechnen. Auch Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) lehnt finanzielle Hilfen des Landes für die Beschäftigten ab. „Wir sind als Land nicht in der Lage, eine Transfergesellschaft oder einen Sonderfonds zu speisen, der dann über zwei oder drei Monate die Arbeitslosigkeit hinausschieben würde“, sagte Schneider im "WDR". Ein solches Modell könne nur funktionieren, wenn es von der Bundesebene ausgehe. Schneider will sich am Vormittag mit Schlecker-Mitarbeiterinnen aus Nordrhein-Westfalen treffen. „Wir glauben nicht, dass wir Schlecker, in welcher Form auch immer, in NRW erhalten können“, sagt er.

Nicht genug gehaftet?

Währenddessen prüft die Schlecker-Insolvenzverwaltung, ob Firmengründer Anton Schlecker beanstandbar Geld auf Familienmitglieder übertragen hat. „Die Insolvenzverwaltung prüft sehr genau, welche Transaktionen nach dem Insolvenzrecht korrekt sind und welche rückgängig gemacht werden können“, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Bis zu fünf Jahre zurück sei eine Rückbuchung problemlos möglich.

Weitere Artikel

Kreisen zufolge ist davon auszugehen, dass die Insolvenzverwaltung noch Geld von der Familie Schlecker zurückholen kann. Allerdings werde das vermutlich keine große Summe sein. „Da ist möglicherweise das eine oder andere Milliönchen zu holen“, sagte auch Verdi-Handelsexperte Bernhard Franke am Montag im „ZDF“. Am Wochenende hatte das „Handelsblatt“ berichtet, dass die Familie Schlecker trotz der Insolvenz noch im Besitz von bis zu 40 Millionen Euro sei. Das Geld sei zum größten Teil im Besitz der Kinder, bestätigten Ex-Schlecker-Manager der Zeitung. Die Villa der Familie gehöre der Ehefrau Anton Schleckers, der in der Insolvenz mit seinem
Privatvermögen haftet. „Alle Fakten müssen auf den Tisch“, sagte Schlecker-Gesamtbetriebsratchefin Christel Hoffmann. Sie kritisierte auch, dass die Familie zuletzt einen von Geiwitz erbetenen Rettungsbeitrag von bis zu neun Millionen Euro verweigerte. „Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, dann ist das eine Dreistigkeit, die durch nichts zu überbieten ist.“ Das Verhalten der Familie sei gegenüber den Mitarbeitern „sozial und moralisch tiefst verantwortungslos.“


Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%