Bild: dpaDie besten Tweets zur Schlecker-Pleite
Mit neuem Claim ("For You. Vor Ort"), neuem Management und einer überarbeiteten Corporate Identity wollte sich der skandalumwitterte Drogeriekonzern Schlecker neu aufstellen. Beim Verbraucher kam die neue Strategie nicht gut an. Jetzt muss das Unternehmen Insolvenz anmelden. Aus der Netzgemeinschaft gibt es für Schlecker, das derzeit bundesweit Hunderte von Filialen schließt, nur blanken Hohn. Die besten Tweets zum Thema kurz nach der Verkündung der Insolvenz...
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Die besten Tweets zur Schlecker-Pleite
Mit neuem Claim ("For You. Vor Ort"), neuem Management und einer überarbeiteten Corporate Identity wollte sich der skandalumwitterte Drogeriekonzern Schlecker neu aufstellen. Beim Verbraucher kam die neue Strategie nicht gut an. Jetzt muss das Unternehmen Insolvenz anmelden. Aus der Netzgemeinschaft gibt es für Schlecker, das derzeit bundesweit Hunderte von Filialen schließt, nur blanken Hohn. Die besten Tweets zum Thema kurz nach der Verkündung der Insolvenz...
Im Schlecker-Insolvenzverfahren ist Arndt Geiwitz als vorläufiger Insolvenzverwalter ernannt worden. Das bestätigte die Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner der WirtschaftsWoche auf Anfrage. Am Montagmorgen hatte die Drogeriekette die Planinsolvenz beim Amtsgericht Ulm beantragt.
Zuletzt war die Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner im Verfahren um den insolventen Druckmaschinenbauer Manroland im Einsatz. Die Kanzlei hat nach eigenen Angaben über 200 Mitarbeiter, davon zehn Wirtschaftsprüfer, 18 Steuerberater und 38 Rechtsanwälte und verfügt über reichlich Erfahrung beim Managen von Großpleiten. Geiwitz war Verwalter im Verfahren um den Lkw-Trailer-Hersteller Kögel, bei der Insolvenz der Budget Autovermietung und beim Bahnbauspezialisten Eichholz. Auch nach der Pleite von Walter Bau war Geiwitz gemeinsam mit seinem Kanzleipartner Werner Schneider am Verfahren beteiligt.
Nun muss sich Geiwitz mit dem Fall Schlecker auseinandersetzen; unter anderem, wie das Verfahren ablaufen soll. Die Drogeriemarktkette Schlecker hatte am Freitag angekündigt, wegen finanzieller Engpässe in die Planinsolvenz zu gehen und sich selbst sanieren zu wollen.
Information Planinsolvenz
Was ist eine Planinsolvenz?
Die sogenannte Planinsolvenz, die die Drogeriekette Schlecker anstrebt, ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Ziel ist der Insolvenzordnung (InsO) zufolge der Erhalt des Unternehmens. Damit unterscheidet sich die Planinsolvenz von der „normalen“ Pleite, bei der Unternehmen oft zerschlagen oder einfach nur noch abgewickelt werden und die Gläubiger das restliche Vermögen erhalten.
Wo liegt der Vorteil?
Bei der Planinsolvenz oder strukturierten Insolvenz bleibt - abweichend vom „normalen“ Insolvenzverfahren - die alte Geschäftsführung im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet. Über den zusammen mit dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden dann die Gläubiger.
Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es den Verfahrensbeteiligten durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren ganz oder teilweise von der Insolvenzordnung abzuweichen. Der Plan soll vor allen Dingen ermöglichen, zumindest überlebensfähige Unternehmensteile zu erhalten, statt das Unternehmen zu zerschlagen.
Beim Verfahren der Planinsolvenz hat das Ziel Vorrang, das Unternehmen zu sanieren und danach weiterzuführen. Die Gläubiger müssen in diesem Verfahren freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
Zudem könnte das bestehende Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Familie Schlecker, die das Unternehmen führt, steht dazu bereits in Gesprächen mit den Gläubigern. Ziel sei es, einen großen Teil des Filialnetzes und der Mitarbeiter zu erhalten.
Schleckers Aufstieg und Fall
Drogerieriese und Familiengeschichte
Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:
1944
Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren
1965
Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.
1974
Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.
1975
Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.
1977
Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.
1984
Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.
1987
Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich
Dezember 1987
Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück
1990er
Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.
1994
Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.
2007
Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"
1998
Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.
2008
Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz
2010
Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.
November 2010
Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium
2011
Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)
2012
Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.
Einer der wichtigsten Gläubiger von Schlecker, der Einkaufsverbund Markant, hat jedoch Medienberichten zufolge dem zuständigen Amtsgericht Vorbehalte gegenüber dem Schritt signalisiert.
Ein Insolvenzverwalter, der anonym bleiben wollte, wurde mit den Worten zitiert: „Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet.“
Der Drogerieriese hatte zuletzt weit mehr als 1000 Filialen geschlossen und mit sinkenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen. Jetzt müssen Europaweit etwa 47 000 Beschäftigte um ihre Jobs bangen.
Mitarbeit maz, Material von dpa, Reuters
























