_

Drohende Insolvenz: Frist für Schlecker-Tochter in Österreich

Quelle: Handelsblatt Online

Nägel mit Köpfen möchte Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bei der Auslandsgesellschaft in Österreich machen. Für den geplanten Verkauf des Geschäfts hat er eine Frist gesetzt. Man könne nicht ewig auf eine Investorenlösung warten.

Eine Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker in Wien. Quelle: dapd
Eine Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker in Wien. Quelle: dapd

Der Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette Schlecker drückt angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Tochter in Österreich bei möglichen Käufern aufs Tempo und hat eine Frist gesetzt. "Die Situation ist schwierig", sagte ein Sprecher von Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Mittwoch. Derzeit würden erste Sondierungsgespräche mit mehreren Interessenten geführt, die die rund 930 Filialen als strategische Investoren weiterführen wollten. Für Finanzinvestoren sei die österreichische Tochter, an der auch die Geschäfte in Luxemburg, Belgien, Polen und Teilen von Italien hängen, uninteressant. "Allein ist Schlecker in Österreich nicht lebensfähig", sagte der Sprecher. Die Tochter schreibe rote Zahlen, die Zahlungsfähigkeit sei nicht mehr allzu lang gesichert, sagte ein Insider.

Anzeige

In Österreich war die Kreditversicherung aufgekündigt worden und Geiwitz habe der Auslandsgesellschaft bisher rund 27 Millionen Euro in Form von Waren und Bargeld geborgt. Eine sogenannte Stand-alone-Lösung habe keine Chance, weil Schlecker-Österreich zu sehr vom Mutterkonzern abhängig sei, sagte Geiwitz.

Spanien und Portugal

Das spanische Einzelhandelsunternehmen Dia will die insgesamt gut 1150 Filialen des einstigen Drogeriegiganten sowie die rund 4000 Mitarbeiter in Spanien und Portugal übernehmen. Teil des Geschäfts sind zudem der komplette Warenbestand und mehrere Logistikzentren. Der Kaufvertrag ist laut Schlecker-Insolvenzverwaltung bereits unterzeichnet. Der Käufer wird nach eigenen Angaben bis zu 70,5 Millionen Euro für die Schlecker-Firmen bezahlen. Es stehe noch die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter aus; sie werde im April 2013 erwartet. „Der Verkauf von Schlecker Spanien an Dia ist eine sehr gute Sache für beide Seiten“, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit.

Das Spanien-Geschäft Schleckers ist die erfolgreichste Auslandsfirma des Konzerns. 2011 erzielte sie einen Nettoumsatz von 320 Millionen Euro. Daher will Schlecker Spain trotz der Pleite der deutschen Konzernmutter weiter expandieren. Bis 2014 sollen 62 neue Läden eröffnen.

Bild: dapd

Das betrifft vor allem die Warenlieferung. Er setzt auf klassische Warenhändler: „Entweder es gibt einen Systempartner, der die Läden sinnvoll relativ schnell bestücken kann oder, wenn wir keinen finden, dann droht im schlimmsten Fall auch die Insolvenz in Österreich.“ In Österreich hat Schlecker rund 930 Filialen und 3000 Mitarbeiter.

Bei der bereits insolventen Tochter IhrPlatz drängt die Zeit ebenfalls: Bis Ende Juni soll mit einem der beiden Interessenten ein Vertrag unterschrieben sein, um dem Fortbestand der Filialen zu sichern, stellte der Insolvenzverwalter in Aussicht. Außer mit einem strategischen Investor werde auch erneut mit dem Münchener Finanzinvestor Dubag verhandelt, der ein neues Modell für die Finanzierung der Warenkreditversicherungen vorgelegt habe. Der bereits vertraglich besiegelte Einstieg von Dubag bei IhrPlatz war Anfang Juni am Widerstand des Versicherers Euler Hermes gescheitert, dem größten Gläubiger der Schlecker-Gruppe. Die Lieferanten hätten ihr Entgegenkommen bei den künftigen Einkaufskonditionen für IhrPlatz zugesichert, sagte Geiwitz' Sprecher.

Keine Lösung für Schlecker XL

Esprit

Esprit versucht sich derzeit mit neuem Image und einer neuen Kampagne aus dem Sumpf zu ziehen. In der Vergangenheit hatten Vorwürfe über Tierversuche und Kinderarbeit das Image der Modemarke schwer beschädigt. Dementsprechend waren Umsatz und Gewinn in den letzten Jahre im Sinkflug. Auch bei Esprit soll eine Restrukturierung helfen: Nachdem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Gewinneinbruch von 98 Prozent auf 7,45 Millionen Euro hinnehmen musste, zog sich der Modekonzern aus Nordamerika, Spanien, Dänemark und Schweden zurück und schloss 130 Filialen.

Bild: REUTERS

Für die unter dem Label Schlecker XL modernisierten Filialen zeichnet sich hingegen keine Lösung ab. Die vielen Kündigungsschutzklagen der Mitarbeiter machten die Tochter unattraktiv. Die von den Gläubigern und dem Insolvenzverwalter beschlossene Fortführung der Geschäfte steht daher auf tönernen Füßen. Es könne nötig werden, diesen Beschluss bald zu überdenken, verlautete aus Kreisen der Insolvenzverwaltung.

Zuversichtlich äußerte sich der Sprecher des Insolvenzverwalters mit Blick auf Spanien, wo die Schlecker-Geschäfte ebenfalls zum Verkauf stehen. "In Spanien scheint die Sonne hell und es ist warm", sagte er. Die spanische Tochter verfüge über gut 1100 Filialen und sei profitabel. Auch die Geschäfte in Portugal, der Versandhandel mit Medikamenten sowie ein Teil des Italien-Geschäfts würden darüber abgewickelt. Das "manager magazin" hatte am Dienstag berichtet, der geplante Verkauf der iberischen Tochter verlaufe schleppend. Der angepeilte Verkaufspreis von 100 Millionen Euro werde wohl nicht erreicht.

Der Schlecker-Konzern steht bei seinem Lieferanten und Geldgebern mit rund 665 Millionen Euro in der Kreide. Die Forderungsliste soll Mitte Juli geschlossen werden, dann könnten die Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen bekommen. In den nach einer Schließungs- und Entlassungswelle im März noch verbliebenen rund 2800 Schlecker-Filialen in Deutschland läuft derzeit der Ausverkauf. Ende Juni werden die Geschäfte dichtgemacht, die noch knapp 14.000 Beschäftigten müssen sich dann neue Arbeitsplätze suchen.

weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20

Die zwei zurückliegenden Wochen haben gezeigt: Billigstrategien im Fernverkehr gehen auf. Auf der Straße feiert...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.