E-Commerce: Oh Tannenbaum!

, aktualisiert 21. Dezember 2016, 13:43 Uhr
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Der Sauerländer hat ein Start-up für den Versand von Weihnachtsbäumen gegründet.

von Andreas NeuhausQuelle:Handelsblatt Online

Gerader Wuchs, dichte Nadeln: Die Suche nach dem idealen Weihnachtsbaum frisst vor den Festtagen viel Zeit. Daher bieten Start-ups den Online-Versand für Nordmanntannen, Blaufichten und Co. an. Ein Besuch im Sauerland.

EsloheStephan Mütherich steht vor einem Stall in Eslohe im Sauerland. Wo früher Kühe untergestellt waren, reihen sich heute Dutzende von Paketen aneinander. Auf einem nahegelegenen Feld wachsen Nordmanntannen in die Höhe. Der 29-Jährige ist Besitzer einer Baumschule und betreibt einen Onlinehandel für Weihnachtsbäume. Ein gut laufendes Saisongeschäft kurz vor den Festtagen.

Auf den Aufklebern der Kartons prangen die Adressen der Kunden. Die Empfänger wohnen in ganz Deutschland. Die eine oder andere Sendung soll ins Ausland gehen – nach Österreich, Holland, Spanien, Frankreich und Irland. Eine Anfrage aus Südafrika musste der Jungunternehmer ablehnen. Auf dem Transport in einem Schiffscontainer hätte die Tanne zu viele Nadeln lassen müssen.

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Seit 17 Jahren betreibt Sauerländer Mütherich „Weihnachtsbaumland.de“ im Netz. In minutiöser Kleinarbeit fotografiert er jede Pflanze und lädt das Bild im Internet hoch. Erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe sich um das Geschäftsmodell ein regelrechter Markt etabliert. Martin Rometsch vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (Bvwe) bestätigt das: „Es werden immer mehr Start-ups gegründet, die mit dem Anbau teilweise gar nichts mehr zutun haben.“

Anders im Fall des Sauerländer Händlers Mütherich. Auf insgesamt 200 Hektar Fläche züchten seine Eltern Weihnachtsbäume und zählen damit zu den größten Produzenten in Deutschland. Schon als Kind packte Stephan Mütherich mit an – und hörte sich das Wehklagen der Kunden an. Sie störte vor allem der Dreck, den die großen Nadelbäume im Kofferraum des Autos hinterlassen. So reifte die Geschäftsidee heran. Würde er einen Onlinehandel für Weihnachtsbäume betreiben, wären genau das meine Kunden, dachte der Industriekaufmann und Betriebswirt damals.

Ein paar Jahre später gründete Mütherich dann sein eigenes Start-up – neben seinem eigentlichen Job als Spezialist für Onlinehandel in einem Textilunternehmen. Allein die Namenswahl ist ein Beweis für Lokalpatriotismus: „Weihnachtsbaumland, weil das Sauerland das Land der Weihnachtsbäume ist“, erklärt der Unternehmer. „Hier gibt es sie gefühlt an jeder Ecke, an jedem Bauernhof.“

Tatsächlich pflegen die Deutschen eine innige Beziehung zu ihren Weihnachtsbäumen. Nirgendwo sonst ist dieser Brauchtum derart ausgeprägt. „Pro-Kopf bezogen ist der deutsche Markt der größte in der Welt“, sagt Verbandsmann Rometsch. Rund 25 Millionen Tannen, Fichten, Kiefern und Douglasien zieren hierzulande die Wohnzimmer.

Davon werden dem Statistischen Bundesamt zufolge lediglich 2,5 Millionen Bäume importiert, im Gegenzug gut 700.000 ins Ausland verkauft. Insgesamt beläuft sich der Umsatz der gesamten Branche auf rund 700 Millionen Euro.

Nichtsdestoweniger zögert die Mehrheit der Deutschen noch, Weihnachtsbäume im Internet zu ordern. Den Anteil an im Netz bestellten Tannen am Gesamtgeschäft schätzt Lobbyist Rometsch gerade einmal auf einen Promillewert. Seine Begründung: „Der Kauf von einem Weihnachtsbaum ist ein Event. Entweder dann, wenn man ihn selber schlägt, oder am Stand selbst Destilliertes oder Gebranntes verköstigt.“


„Das ist kein Start-up, das in den ersten Jahren nur Verluste einfährt“

Gründer Mütherich hat eine breite Zielgruppe im Blick. Zum einen sind das Kunden, denen die Suche nach dem idealen Weihnachtsbaum zu zeitaufwändig und der Transport zu mühselig ist. Zum Beispiel Senioren, die aus Altersgründen nicht mehr schwer tragen können. So erzählt der Jungunternehmer von einer älteren Dame, die sich bei ihm überaus gerührt bedankt hat, dass sie dank seines Start-ups zu Heiligabend nun endlich wieder einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen hat. Zum anderen setzt der Sauerländer auf Geschäftskunden, die etwa Mitarbeitern oder eigenen Kunden ein Weihnachtsgeschenk in Nadelgewand machen wollen – entweder als Gutschein oder als Freihaus-Lieferung zum Wunschtermin. „Das ist eben etwas anderes als eine langweilige Karten oder ein Standardgeschenk“, erklärt Mütherich.

Mit diesem Geschäftsmodell besetzt der 29-Jährige eine Nische. Verkaufte er im ersten Jahr noch nicht einmal 100 Bäume, waren es 2015 schon 500. In dieser Saison könnte er nach eigener Aussage die Marke von 2.000 knacken. Im Branchenvergleich steht er damit gut da. Deutschlands größter Anbieter „Weihnachtsbaumversand.de“ schafft es im Schnitt auf 4.000 Stück.

Gegenüber den Konkurrenten hat Mütherich einen großen Vorteil: Da der Gründer nach Bedarf in verhältnismäßig kleiner Stückzahl Tannen bei seinen Eltern ordern kann, spart er Lagerkosten. Frisch geschlagen liefern sie ihm die Bäume vor die Haustür. „Alles Ware erster Güte. Bei uns kommt alles aus einer Hand“, wirbt der Gründer für das Familienunternehmen.

In der Scheune der Eltern lagert er die Bäume zwischen. Am Türrahmen finden sich unterschiedliche Markierungen, um die Tannen der Größe nach zu ordnen. Das Ratschen von Paketband ist zu hören. Unternehmer Stephan Mütherich, Geschäftspartner Michael Rische und ihre Ehefrauen falten Kartons zusammen, um die Bäume für den Versand per Post zu verpacken. Größer ist das Team nicht. Reichte vor Kurzem noch ein Sprinter für den Transport, muss am nächsten Tag ein Zwölftonner anrücken, um gut 200 Pakete abzuholen.

Offenbar kommt das Konzept bei den Kunden gut an. Als das Verbraucherportal „vergleich.org“ 2016 im Netz bestellte Weihnachtsbäume testete, belegte das Weihnachtsbaumland von Stephan Mütherich mit der Note 1,3 den ersten Platz. Bei Ebay haben die Sauerländer 100 Prozent positive Bewertungen. Auch bei Amazon sind die Rückmeldungen fast alle positiv. Zwei Kunden monierten den unregelmäßigen Baumwuchs und die Tatsache, dass der Umtausch ausgeschlossen ist.

Da Mütherich fast nur variable Kosten hat, verdient er schon an der ersten verkauften Tanne. 38 Euro zuzüglich sechs Euro Versand kostet ein Baum zwischen 1,50 Meter und 1,70 Meter. „Unser Geschäft war schon im ersten Jahr profitabel. Das ist kein Start-up, das in den ersten Jahren nur Verluste einfährt.“

Dennoch ist der Weihnachtsbaum-Versand für den 29 Jahre alten Angestellten in der Textilbranche nur ein Zubrot, für den er einen Teil seines Jahresurlaubs opfert und mehrere Wochen Stress auf sich nimmt. Davon leben werde er eigenen Aussagen zufolge wohl nie. Doch mit seinem Start-up will er weiter expandieren. So träumt Mütherich von einem virtuellem Rundgang durch die Baumschule der Eltern, bei dem sich die Kunden ihre Tanne selber aussuchen können. Damit der Familienhaussegen zu den Festtagen nicht doch wegen der Wahl des Weihnachtsbaumes schiefhängt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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