E-Commerce-Verweigerer: Aldi und Primark trotzen dem Online-Handel

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E-Commerce-Verweigerer: Aldi und Primark trotzen dem Online-Handel

Ohne Online keine Zukunft? Von wegen. Den Internet-Handel meiden Aldi und Primark bislang konsequent - und sind trotzdem enorm erfolgreich.

Der Online-Handel in Deutschland boomt. Nach Jahren des Zögerns und der verpassten Chancen sind mittlerweile fast alle bekannten Handelsunternehmen mit eigenen Internet-Shops im Netz vertreten. Aber eben nur fast alle. Ausgerechnet einige besonders erfolgreiche Vertreter der Handelsbranche verweigern sich dem vermeintlichen Boom. Aus guten Gründen.

Der Eintritt in die Online-Bestellwelt ist teuer: Eine professionelle Internetseite muss aufgesetzt, mit Inhalten und Bilder befüllt werden. Zusätzliche Mitarbeiter müssen sich um Bestellungen und Kundenrückfragen kümmern. Die Kosten für Lagerung und Logstik steigen. Zugleich erwarten die Kunden ein ähnliches Preisniveau wie im stationären Handel - und am besten noch eine kostenlose Lieferung.

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Ebenso wird der Wettbewerb im Online-Handel immer härter und der Presidruck stetig größer. E-Commerce-Experten gehen von einem Niedergang vieler Onlineshops aus, die sich nicht genügend vom Warensortiment der Branchengrößen wie Amazon differenzieren können.

Online-Expansion mit hohen Kosten

Unter den Online-Verweigerern sind deshalb vor allem Unternehmen, die für Niedrigpreise und auf Effizienz getrimmte Strukturen bekannt sind. Aldi Süd etwa winkt auf die Frage nach einem eigenen Online-Shop erst einmal ab. Ziel des Discount-Marktführers sei es, bestmögliche Qualität zu konstant niedrigen Preisen anzubieten. „Wir sind der Auffassung, dass dieses Ziel mit einem Online-Shop im Moment nicht erfüllbar ist“, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Die nutzerfreundlichsten Online-Shops

  • Platz 10

    Fashion for Home
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 4 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 78,7

    Quelle: „Erfolgsfaktoren im E-Commerce – Deutschlands Top-Online-Shops Vol. 4“ des ECC Köln in Zusammenarbeit mit Hermes, SAP und Yapital

  • Platz 9

    Doc Morris
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 78,8

    s.Oliver
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 78,8

  • Platz 8

    Deichmann
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 4 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 79,0

  • Platz 7

    myTime.de
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 3 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 79,4

    Fressnapf
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 79,4

  • Platz 6

    Flaconi
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 79,5

  • Platz 5

    Ravensburger
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 3 Punkte
    Service: 3 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 80,0

  • Platz 4

    Garten XXL
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 80,1

  • Platz 3

    Shop-Apotheke
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 80,5

    Zooplus
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 5 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 80,5

  • Platz 2

    Parfümerie Pieper
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 5 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 81,3

  • Platz 1

    Musikhaus Thomann
    Websitedesign: 4 Punkte
    Usability: 4 Punkte
    Sortiment: 5 Punkte
    Preis-Leistung: 4 Punkte
    Service: 4 Punkte
    Bezahlung & Check-out: 5 Punkte
    Versand & Lieferung: 4 Punkte


    Online-Shop-Index: 83,5

Denn mit dem Aufbau und dem Betrieb einer E-Commerce-Plattform seien gerade im Lebensmittel-Geschäft hohe Kosten und Unsicherheiten verbunden. Doch schließt der Konzern einen Kurswechsel nicht aus, wenn sich die Voraussetzungen verändern sollten. Das Schwesterunternehmen Aldi Nord schweigt zum Thema Online-Präsenz.

Die irische Modekette Primark hat nach eigenen Angaben ebenfalls derzeit keine Pläne für einen Online-Store. Ein Sprecher erklärt, die Geschäfte lägen schließlich gut erreichbar in den Innenstädten und böten dort das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das Internet nutzt das Unternehmen lediglich als Werbefläche. So bietet es Primark-Kunden die Möglichkeit, auf der Firmen-Website Bilder zu posten, auf denen sie in ihren Neuerwerbungen posieren.

Billigmode Warum Primark kein Skandal schadet

Europaweit folgt bei Primark Skandal auf Skandal. Auch in Deutschland ist die Kette in die Kritik und ins Visier der Behörden geraten. Doch egal, wie viel Empörung das Unternehmen trifft, es kann ihm nicht schaden.

Quelle: dpa Picture-Alliance

„Als Hardcore-Discounter sind beide Unternehmen nicht unbedingt prädestiniert für das Online-Geschäft“, urteilt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Aldi erobere gerade die Märkte im Ausland - etwa in Großbritannien und den USA: „Die haben gar nicht den Kopf frei, um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.“ Aldi könne sich das auch leisten, weil es bei Lebensmitteln wohl noch einige Jahre dauern werde, bis der Online-Handel Fahrt aufnehme, meint der E-Commerce-Experte.

Und auch für Primark wäre der Einstieg in den Online-Handel nach Einschätzung von Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln, eine hohe Hürde. „Bei Primark wäre der logistische Aufwand viel zu hoch: Die Sendungen zu verpacken, auf den Weg zu bringen und dann noch die Abwicklung der Retouren - das ist bei diesen Preisen nicht rentabel zu machen“, glaubt der Branchenkenner.

Allerdings bröckelt die Ablehnungsfront. Ende Januar verkündete der Drogeriemarkt dm, ab Frühsommer fast sein ganzes Sortiment auch Online zu vetreiben. Ein überraschender Schachzug. Wenige Wochen zuvor hatte dm-Chef Erich Harsch im Gespräch mit der WirtschaftsWoche noch erklärt, er gehe von einer langsamen Verschiebung in Richtung Onlinehandel aus.

"Es ist extrem schwierig, mit Drogerieartikeln online profitabel zu arbeiten", so Harsch. "Die Kunden wollen es bequem haben und bestellen vor allem die großen, schweren und sperrigen Artikel nach Hause: Windeln, Waschmittel, Toilettenpapier. Das sind aber genau die Produkte, die durch die ganze Aktionitis im Preisniveau schon so weit unten sind, dass sie kaum noch Marge bringen."

Auch Handelsexperten bestätigen diese Einschätzung: "Wenn man bei Drogeriewaren einen Online-Shop isoliert rechnet, ist es fast unmöglich, damit Geld zu verdienen“, kommentiert Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung, die Pläne.

Kundenzufriedenheit Kleine Onlinehändler schlagen Amazon

Beim Umsatz kommt in Deutschland kein Onlinehändler an Amazon heran. Bei der Kundenzufriedenheit aber verliert der Gigant - und zwar deutlich.

Ein Paketdienst trägt ein Amazon-Paket aus Quelle: AP

Beim Schritt ins Netz geht es für die Händler nicht um die Gewinnmaximierung, sondern um die Sorge den Anschluss zu verpassen. „Die Nachfrage unserer Kunden wurde immer größer“, lautet die Begründung von dm-Chef Harsch für den Kurswechsel.

Auch bei Aldi und Primark ist das letzte Wort zum Thema Online-Handel wohl ebenfalls noch nicht gesprochen. Handelsexperte Heinemann ist sicher: „Aldi verfolgt das Thema Online-Handel sehr genau. Wenn sie glauben, dass der Zeitpunkt reif ist, werden sie klotzen, nicht nur kleckern.“ Und auch Primark werde sein derzeitiges Nein vielleicht noch einmal überdenken: „Wenn sie in den Innenstädten alles abgegrast haben, dann springen sie vielleicht auf den Online-Zug auf.“

Für Hudetz ist die Entscheidung letztlich nur eine Frage des richtigen Zeitpunkts: „Starten sie zu früh mit dem Online-Handel, kostet es eine Menge Geld. Kommen sie zu spät, kostet es Umsatz.“

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