Edeka und Kaiser's Tengelmann: Das sind die Positionen im Streit um den Supermarktdeal

Edeka und Kaiser's Tengelmann: Das sind die Positionen im Streit um den Supermarktdeal

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Ein Scheitern der Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka könnte laut Tengelmann-Chef Haub mehrere tausend Jobs kosten.

Der Zwist um die Übernahme der Kaiser’s-Tengelmann-Filialen wird größer. Während sich Wettbewerbshüter gegen den Deal sträuben, sind die Bundesländer für eine Fusion – mal mehr, mal weniger deutlich.

Die Hoffnung war gering. Einzig Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kann noch erlauben, dass Edeka tatsächlich mehr als 450 Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte übernehmen darf. Das schien lange höchst unwahrscheinlich. Zu deutlich waren die Absagen von Bundeskartellamt und Monopolkommission.

Doch nun haben sich die vom Deal betroffenen Bundesländer auf die Seite von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Edeka-Oberhaupt Markus Mosa geschlagen – oder versperren sich zumindest nicht grundsätzlich. Hauptbeweggrund: Die Hoffnung, möglichst viele der 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's retten zu können. Zuletzt hatten die Händler mit Jobgarantien um Unterstützung geworben. Offenbar mit Erfolg.

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Hamburg, Sitz der Edeka-Zentrale, nimmt die Argumentation der Händler auf, nur eine Fusion bringe Sicherheit für die Angestellten. "Nach Auffassung der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation bietet die geplante Übernahme der Tengelmann-Filialen durch Edeka eine realistische Chance für den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen an den einzelnen Standorten", zitiert die "Welt" aus der Stellungnahme der Hansestadt, die wohl heute im Wirtschaftsministerium eingeht.

Auch die bayerische Landesregierung macht sich für die Übernahme stark. Der Zusammenschluss der Firmen Kaiser’s Tengelmann und Edeka sei "unter den möglichen Alternativen die Lösung, die den Gemeinwohlinteressen am besten gerecht wird". Ein Zusammenschluss sei vor allem die beste Möglichkeit, um die rund 5500 Arbeitsplätze in Bayern zu sichern, meint Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Die Chancen, dass das auch andere Interessenten - wie etwa Tegut und die Migros-Gruppe - leisten könnten, hält sie demnach für nicht so hoch.

Aus NRW gibt es zumindest keine klare Absage für den Deal. Die rot-grüne Landesregierung hält sich zumindest eine Hintertür auf. Es sei zu prüfen, die Ministererlaubnis unter Bedingungen und Auflagen zu erteilen, heißt es laut Süddeutscher Zeitung (Paywall) in der Stellungnahme an Sigmar Gabriel.

Edeka-Tengelmann-Deal Das lange Warten auf Sigmar Gabriel

Dass Edeka die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann übernehmen darf, bleibt unwahrscheinlich. Doch eine endgültige Entscheidung von Wirtschaftsminister Gabriel lässt weiter auf sich warten.

Beim Ringen um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka ist kein rasches Ende in Sicht. Quelle: dpa

Eine zentrale Voraussetzung wäre demnach, die Zusagen der Unternehmen zum Arbeitsplatzerhalt rechtlich abzusichern. Hielten sich Edeka und Tengelmann nicht an ihre Versprechen, könnte die Fusion dann rückgängig gemacht werden. Dass NRW ein besonderes Interesse an der vertraglichen der Sicherung der Arbeitsplätze hat, ist verständlich. Der Lebensmittelmarkt in Nordrhein-Westfalen, wo die Zentrale von Kaiser's Tengelmann ihren Sitz hat, ist besonders hart umkämpft. Dort wären besonders viele Filialen von der Schließung bedroht.

Berlins Wirtschaftssenat hatte sich zuvor nicht ganz klar positioniert, allerdings die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze gefordert. Ob dafür tatsächlich Edeka der beste Kandidat ist, bleibt trotz der Zusicherungen umstritten. Nicht nur die Wettbewerbshüter haben Sorge, dass Edeka die zusätzliche Marktmacht ausnutzen will.

Unverständnis bei Verdi

So reagiert Verdi zuletzt "mit Unverständnis" auf das Votum der Bayerischen Staatsregierung. Die Gewerkschaft fürchtet, dass auf den Verkauf an Edeka die Zerschlagung eines großen Teils des Unternehmens in kleinste Einheiten folgt, weil die Filialen an selbstständige Kaufleute ausgegliedert werden. "Für die meisten Beschäftigten bedeutet das eine massive Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen, denn Flächentarifverträge und Betriebsratsstrukturen sucht man bei selbstständigen Kaufleuten meist vergeblich", sagt Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied. Zudem sei klar, dass bei einem Verkauf an Edeka zahlreiche Standorte geschlossen und Arbeitsplätze verloren gehen würden. Dass Zerschlagung mit der Warnung vor Zerschlagung begründet wird, ist an Absurdität kaum noch zu überbieten, heißt es aus der Gewerkschaft.

Kaiser’s Tengelmann „Plan B“ für die Tengelmann-Märkte

Die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka droht endgültig zu scheitern. Andere Rivalen haben sich bereits in Stellung gebracht - darunter auch eher Unbekannte. Wer nun die besten Chancen hat.

Was passiert mit Kaiser's Tengelmann? Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Auch Edeka-Konkurrent Rewe stichelt weiter gegen die Übernahme. Es sei deutlich geworden, dass es "bei maßgeblichen Akteuren aus der Politik, von der Beschaffungsseite und des Wettbewerbs schwerwiegende Bedenken gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka" gebe, teilte des Unternehmen am Donnerstag mit. Dies komme unter anderem auch in der ablehnenden Position des Bayerischen Bauernverbands zum Ausdruck. Die Lebensmittproduzenten befürchten, dass sie der höheren Markmacht von Edeka  künftig wenig entgegenzusetzen haben, und der Händler Preissenkungen durchsetzen wird.

Rewe, nach Edeka die Nummer zwei im deutschen Supermarkt-Geschäft, hatte selbst Angeboten, Kaiser’s-Filialen zu übernehmen. Eine solche Fusion im großen Stil dürfte allerdings ebenfalls am Veto der Wettbewerbshüter scheitern.

Noch steht ohnehin das letzte Wort des Bundeswirtschaftsministers aus. In Kürze, so heißt es, wird Sigmar Gabriel die die beiden Handelsunternehmen öffentlich anhören – und erst danach eine Entscheidung fällen. 

Während das Verfahren weiter andauert, wächst der Druck auf Tengelmann. Die Supermarktkette schreibt seit Jahren Verluste und durch die öffentliche Debatte um die Kette blieben Kunden weg, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Auch Mitarbeiter kehrten dem Unternehmen den Rücken – nach den ersten sieben Monaten 2015 stehe bereits ein Minus von 40 Millionen Euro in den Büchern.

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