Einzelhandel : Plastiktüten könnten schon bald 20 Cent kosten

Einzelhandel : Plastiktüten könnten schon bald 20 Cent kosten

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Laut Medienberichten sollen Plastiktüten ab 2016 überall mindestens 20 Cent kosten.

Laut Medienberichten müssen Kunden ab April 2016 überall mindestens 20 Cent pro Plastiktüte zahlen. Der Handelsverband will das nicht bestätigen. Er verhandelt mit der Regierung über eine freiwillige Vereinbarung.

Wenn Kunden im kommenden Jahr einkaufen, müssen sie ab April überall mindestens 20 Cent pro Plastiktüte bezahlen. Das soll aus einem Entwurf hervorgehen, den der Deutsche Handelsverband (HDE) beim Bundesumweltministerium eingereicht hat, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Ausgenommen von der Abgabe sollen laut Medienberichten sogenannte Hemdbeutelchen für Obst und Gemüse in Supermärkten sein. Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online hat HDE-Geschäftsführer Kai Falk den verbindlichen Plastiktütenpreis nicht bestätigt.

Der Handelsverband führe derzeit Gespräche mit dem Bundesumweltministerium über die Ausgestaltung einer freiwilligen Vereinbarung über kostenpflichtige Tragetaschen. "Durch die freiwillige Initiative des Handels soll eine gesetzliche Regelung vermieden werden", sagt Falk.

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Der Kampf gegen die Plastiktüten

  • Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

    Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Hunderte Jahre kann es dauern, bis die praktischen Tragetüten sich in der Natur zersetzen. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen.

  • Wie viele Tüten werden pro Jahr genutzt?

    Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jedes Jahr etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den grünen Punkt bereits weit verbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf, die EU-Kommission spricht mit Blick auf das Jahr 2010 von 64 Einwegtüten.

  • Mögliche Maßnahmen

    Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten. Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl - Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

  • Was halten Umweltschützer davon?

    „Das bedeutet für die Verbraucher und Verbraucherinnen und insbesondere den Einzelhandel eine Neuausrichtung zu bewussterem und ökologischerem Konsum“, meint Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Umweltschutzorganisation European Environmental Bureau (EEB) ist zwar grundsätzlich ebenfalls erfreut. Allerdings hätte sich die Organisation auch ein Verbot spezieller neuartiger Tüten gewünscht. Diese geben aus Sicht von Kritikern vor, biologisch abbaubar zu sein, obwohl sie es nicht sind. Dies soll nun aber die EU-Kommission erst einmal untersuchen.

  • Was sagt die Plastikindustrie?

    Der Branchenverband Plastics Europe argumentiert, man unterstütze zwar eine Gebühr für alle Taschen, egal aus welchem Material. Doch die Möglichkeit nationaler Verbote könne zu Handelshemmnissen in Europa führen. Das bemängelt übrigens auch die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner.

Der Entwurf sehe lediglich einen "angemessenen Beitrag" vor. Ob es sich dabei um 20 Cent pro Plastiktüte oder um einen anderen Mindestbetrag handeln soll – dazu wollte sich der HDE-Geschäftsführer nicht äußern. "Eine einheitliche Gebühr in Höhe von 20 Cent sieht die Vereinbarung nicht vor", versichert Falk.

Anlass für den Entwurf ist die EU-Plastiktütenrichtlinie vom April 2015, wonach sich die Mitgliedstaaten dazu verpflichten, ihren jährlichen Verbrauch ab 2020 auf 90 Plastiktüten pro Einwohner zu reduzieren. Ab 2026 soll jeder Bürger dann nur noch 40 Tüten verbrauchen. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt derzeit 71 Tüten pro Jahr. Damit erfüllt die Bundesrepublik schon jetzt die Zielvorgabe für das Jahr 2020 und liegt deutlich unter dem derzeitigen EU-Durchschnitt, der bei 198 Tüten pro Kopf im Jahr liegt.

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Indem die Kunden für die Tragetaschen zahlen, soll der Verbrauch reduziert werden. Die Tüten werden kritisiert, weil sie sich nicht zersetzen und unter anderem Meerestiere daran verenden. Grund dafür ist der Kunststoff Polyethylen. 

Falk ist zuversichtlich, dass Deutschland problemlos die Zielvorgabe für das Jahr 2026 erfüllen wird. Vor allem dann, wenn das Umweltministerium keine freiwillige Vereinbarung akzeptiert und eine verbindliche Abgabe für Plastiktüten eingeführt werden sollte. Denn: "Deutsche Konsumenten sind sehr preissensibel." Bereits in den Lebensmittel-Geschäften hätte sich gezeigt, dass die Konsumenten weniger Plastiktüten verbrauchen, wenn sie dafür Geld ausgeben müssen.

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