Einzelhandel: Schlecker bereitet Insolvenz vor

Einzelhandel: Schlecker bereitet Insolvenz vor

von Rebecca Eisert

Die größte deutsche Drogeriekette Schlecker ist pleite. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen und schließt derzeit bundesweit Hunderte von Filialen.

Die Drogeriekette Schlecker wird restrukturiert. Eine geplante Zwischenfinanzierung sei gescheitert, deshalb werde nun ein Antrag auf Planinsolvenz vorbereitet. Das Unternehmen wolle den Antrag direkt mit einem Vorschlag für die Sanierung verbinden. Die Drogeriekette will den Antrag "absolut zeitnah am Wochenende oder am Montag" stellen. Falls die Gläubiger einverstanden seien, könne die alte Geschäftsführung im Amt bleiben. Der bestellte Insolvenzverwalter werde dann nur begleitend tätig.

Information Planinsolvenz

  • Was ist eine Planinsolvenz?

    Die sogenannte Planinsolvenz, die die Drogeriekette Schlecker anstrebt, ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Ziel ist der Insolvenzordnung (InsO) zufolge der Erhalt des Unternehmens. Damit unterscheidet sich die Planinsolvenz von der „normalen“ Pleite, bei der Unternehmen oft zerschlagen oder einfach nur noch abgewickelt werden und die Gläubiger das restliche Vermögen erhalten.

  • Wo liegt der Vorteil?

    Bei der Planinsolvenz oder strukturierten Insolvenz bleibt - abweichend vom „normalen“ Insolvenzverfahren - die alte Geschäftsführung im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet. Über den zusammen mit dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden dann die Gläubiger.

    Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es den Verfahrensbeteiligten durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren ganz oder teilweise von der Insolvenzordnung abzuweichen. Der Plan soll vor allen Dingen ermöglichen, zumindest überlebensfähige Unternehmensteile zu erhalten, statt das Unternehmen zu zerschlagen.

Ziel des Verfahrens sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der  Arbeitsplätze, hieß es in der Mitteilung. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen und auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei im Rahmen des Insolvenzausfall-Geldes gesichert. „Familie und Management sind diesen schweren, aber notwendigen Schritt gegangen, um den eingeschlagenen Weg der Restrukturierung fortzusetzen und erfolgreich umzusetzen zu können“, teilte das Unternehmen mit. Die Kette befinde sich seit Mitte 2010 in einer umfassenden Restrukturierung und habe bereits eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg gebracht.

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Christoph Niering Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter (VID) hält eine Sanierung von Schlecker für schwierig. „Schlecker hat ein dramatisches Imageproblem, gleichzeitig gibt es starke Konkurrenten.“ Das Insolvenzverfahren verschaffe dem Unternehmen aber erst einmal Luft. Für drei Monate springe die Bundesagentur für Arbeit ein zahle den Beschäftigten ein Insolvenzausfallgeld.

Filialschließungen und Preissenkungen

Anfang der Woche hat Schlecker bekannt gegeben, innerhalb der nächsten Monate bundesweit 600 weitere Filialen schließen zu wollen, davon allein 64 im Stammland Baden-Württemberg.Schlecker musste im harten Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt Federn lassen und kämpft seit längerem gegen Verluste an. Der Drogerieriese aus Ehingen bei Ulm hatte zuletzt noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

Der Drogeriekonzern Schlecker ist insolvent. Quelle: dpa

Schlecker-Drogeriemarkt: In Deutschland arbeiten mehr als 30.000 Menschen für Schlecker und weitere 17.000 im Ausland

Bild: dpa

Vor allem die Karlsruher dm-Drogerien machten dem schwäbischen Familienkonzern schwer zu schaffen. Aber auch die niedersächsische Kette Rossmann ist ihm auf den Fersen. Beide Mitbewerber hatten ihre Umsätze zuletzt gesteigert - und haben aus Sicht von Branchenexperten ein erfolgreicheres Ladenkonzept und Sortiment. Immer wieder kursierende Berichte über Probleme mit Lieferanten und leere Regale dementierte Schlecker aber: „Es gab Verzögerungen während der Jahresgespräche mit den Lieferanten Ende 2011. Die Streitfälle haben wir aber beilegen können“, sagte Konzersprecher Patrick Hacker. Dennoch könne es sein, dass in einzelnen Märkten das eine oder andere Produkt fehle.

Bislang galt Schlecker im Vergleich zur Konkurrenz als teuer. Der für das operative Geschäft zuständige Manager Thorben Rusch sagte kürzlich der „Lebensmittelzeitung“, dass die Preise im Laufe des ersten Halbjahrs 2012 bei Teilen des Sortiments auf das Niveau der Konkurrenten gesenkt werden sollten - teilweise sogar noch darunter. Mit dieser Kampagne verfolge man das Ziel, „Kunden zurückzugewinnen und wieder an uns zu binden“, sagte Rusch.

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