Emirat reagiert auf Blockade: Deutsche Kühe stillen katarischen Milchdurst

Emirat reagiert auf Blockade: Deutsche Kühe stillen katarischen Milchdurst

, aktualisiert 12. Juli 2017, 08:52 Uhr
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Katar hat 165 Holsteiner importiert.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Lebensmittelimporte nach Katar sind seit der Blockade des Emirats durch Saudi-Arabien schwer möglich. Jetzt sind erste Kühe per Frachtflugzeug in Doha gelandet. 165 Holsteiner als politisches Symbol.

DüsseldorfEs sind nicht bloß ein paar Kühe, die am Flughafen von Doha in Katar am späten Dienstagabend Ortszeit ausgeladen worden sind. Es sind 165 Holsteiner, die ein Symbol sein sollen für die Widerstandsfähigkeit des Emirats gegen die von Saudi-Arabien geführte Allianz, die Katar wirtschaftlich und politisch isolieren will.

Seit dem 5. Juni ist der Boykott bereits in Kraft, die Grenzen geschlossen und wichtige Flugrouten für die staatliche Airline Qatar Airways gesperrt. Die neuen Importe per Luftfracht werden von katarischer Seite zuweilen als die größte Luftbrücke seit 1948 bezeichnet. Damals hatten US-amerikanische „Rosinenbomber“ das eingeschlossene Berlin mit Nahrungsmitteln versorgt.

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„Wenn der Preis für die katarische Unabhängigkeit ist, jeden Liter Milch einzufliegen, dann werden wir das tun“, sagte Fahad al-Attiyah der britischen Zeitung „The Sunday Telegraph“. Al-Attiyah ist für die Nahrungsmittelsicherheit in Katar zuständig.

Die Kühe sollen Milch geben und so klar machen: Katar kann sich selbst versorgen, auch wenn keine Lebensmittel mehr über die Landgrenze mit Saudi-Arabien importiert werden können. Auch für den Rest der Wirtschaft gilt die offizielle Marschlinie, das dem Emirat kein Schaden zugefügt werden könne. „Wir haben genug Barreserven, um jeden Schock zu verkraften“, sagte der katarische Zentralbankchef Abdullah bin Saoud Al Thani am Montag in einem Interview.

Die gefleckten Tiere zeigen, das auch die Milchreserven aufgefüllt werden könnten. Das Ausladen der Paarhufer überträgt am Dienstagabend ein staatlicher Fernsehsender live – just zu dem Zeitpunkt, da Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain ein neues Statement zum politischen Konflikt veröffentlichen. Darin begrüßten die Länder ein Abkommen zwischen den USA und Katar, gemeinsam gegen die Terrorismus-Finanzierung vorzugehen. Gleichzeitig erinnern sie aber an ihren langen Forderungskatalog, den Kater erfüllen muss und bis zu deren Erfüllung an der „gegenwärtigen Vorgehensweise“ nichts geändert werde.

Die Blockade des Landes bleibt also in Kraft und hier kommen die Kühe ins Spiel: Der syrische Geschäftsmann Moutaz Al Khayyat lässt sie von seiner katarischen Firma Powerholdings International mit Frachtmaschinen von Qatar Airways ins Land bringen. Insgesamt sollen es 4.000 Tiere werden, die dann in klimatisierten Hallen gehalten werden. Der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Al Khayyat im Juni, dass er damit ein Drittel des Milchbedarfs des Landes decken können werde.

Den Plan des Kuhimports hätte der Geschäftsmann schon seit einigen Jahren gehabt, berichten regionale Nachrichtenportale. Und die Kühe habe er eigentlich einschiffen wollen. Doch die veränderte politische Lage habe ihn dazu gebracht, das Vorhaben zu beschleunigen und die Tiere per Flugzeug bringen zu lassen.

Die erste Ladung am Dienstagabend waren Holsteiner Kühe aus Deutschland, die per Flugzeug nach einer Zwischenlandung in Budapest in Katar ankamen. Noch in dieser Woche soll ihre Milch erstmals an Molkereien geliefert und dann in katarischen Geschäften angeboten werden. Weitere Kühe werden nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Australien und den USA kommen.

Zum Abholen der ersten Ladung war ein üppiger Konvoi an beflaggten Lkw mit Polizeibegleitung zum Flughafen geschickt worden. 59 weitere Flüge sollen in den kommenden Wochen folgen.

„Die Krise eröffnet neue Möglichkeiten für lokale Geschäftsleute, ihre Geschäft zu erweitern und neue Tätigkeitsfelder zu erschließen“, zitiert eine Zeitung Geschäftsmann Al Khayyat. Die Zahl der Kühe solle im Land von 4000 auf 25.000 erhöht werden. „Wir streben an, die Unabhängigkeit bei der Milchversorgung in den kommenden ein bis zwei Jahren zu erreichen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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