Emmanuel Faber: Danone-Chef ruft die „Food-Revolution“ aus

Emmanuel Faber: Danone-Chef ruft die „Food-Revolution“ aus

, aktualisiert 22. Juni 2017, 17:05 Uhr
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„Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir entweder die Wahl der Konsumenten bekämpfen, oder ihnen eben selbst die Alternativen anbieten.“

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Die großen Lebensmittelkonzerne verlieren das Vertrauen der Verbraucher, warnt Danone-Chef Emmanuel Faber. Der Manager greift die eigene Branche scharf an – obwohl auch sein eigenes Unternehmen in der Kritik steht.

BerlinDie Warnung war deutlich: „Wir verlieren die Konsumenten. Sie finden ihre eigenen Alternativen zur Lebensmittelindustrie oder wenden sich sogar gegen uns“, wetterte Danone-Chef Emmanuel Faber am Donnerstag vor den versammelten Größen der Branche – von Mars-Chef Grant Reid über Nestlé-Boss Mark Schneider bis hin zu Heineken-Chef Jean-François van Boxmeer. „Haben wir nicht jahrelang den Zusammenhang zwischen Kalorienzufuhr und Übergewicht geleugnet, obwohl dieser unübersehbar ist? Haben wir nicht lange die Kennzeichnung von genveränderten Zutaten in den USA bekämpft, obwohl die überwältigende Mehrheit der Konsumenten diese will?“, kritisierte Faber – und forderte nicht weniger als eine „Food-Revolution“.

Beim Jahrestreffen des globalen Consumer Goods Forums (CGF) gab der Franzose den Störenfried – und traf damit einen Nerv. Denn die Branche ist verunsichert: Die im Internetzeitalter aufgeklärten Konsumenten wenden ich von den Großkonzernen ab. Lokale Newcomer wie My Müsli in Deutschland nehmen etablierten Spielern wie Kellogg Marktanteile ab. Biomolkereien wie Andechser setzen Danone unter Druck. Sie treten glaubwürdig gegenüber den Konsumenten auf – anders als mach anonymer Weltkonzern.

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„Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir entweder die Wahl der Konsumenten bekämpfen, oder ihnen eben selbst die Alternativen anbieten“, sagte Faber. Das gelte nicht nur in den reifen Märkten. „Die Realität ist, dass hier in Deutschland Wachleute in den Drogerien verhindern müssen, dass es zu Auseinandersetzungen kommt zwischen Müttern und Leuten, die das deutsche Milchpulver nach China versenden wollen“, sagte er mit Blick auf die Milchpulverskandale in China.

Bei einer Reise nach Bangladesch, wo Danone wie in anderen Schwellenländern aktiv Joghurt in den Markt drückt, habe er selbst erfahren, wie sein Konzern nachbarschaftliche Beziehungen gefährden könne. „Eine Mutter namens Jamina hat mit berichtet, dass sie die Milch von der Nachbarin abnimmt und im Gegenzug deren Kinder hütet, wenn diese Nachbarin auf dem Feld ist“, berichtete der Danone-Chef. Solche sozialen Beziehungen müsse der Konzern respektieren.

Der 53-Jährige ist seit 2014 Vorstandschef der Großmolkerei. Er sagte, er wolle Danone entscheidend verändern: Dazu hätten die Mitarbeiter ein Manifest entwickelt, das die Hauptversammlung dieses Frühjahr abgesegnet habe. „Wir wollen den Menschen weltweit Souveränität über ihre Nahrungsmittel geben“, sagte Faber. „Das bedeutet sicherlich, dass wir auch bei Danone noch viele Dinge völlig umkrempeln müssen.“ Diese „Revolution“ werde die gesamte Branche umwälzen. Sichtbares Zeichen ist ein aufgefrischtes Firmenlogo mit dem Slogan „Danone. One Planet. One Health.“

Der Franzose ging in Berlin auch ins Grundsätzliche: „Die zunehmend ungleiche Vermögensverteilung auf der Welt ist eine gewaltige Zeitbombe. Das ultimative Ziel der Marktwirtschaft kann nichts anderes sein als die soziale Gerechtigkeit“, rief der Absolvent der Pariser Business-Elite-Schule HEC. An seine Kollegen appellierte er: „Wir können alle so tun, als wüssten wir von nichts. Aber das stimmt nicht: Wir kennen die Folgen unseres Handelns.“

Die hehren Worte kamen an: Faber bekam anhaltenden Applaus. Jetzt muss er liefern: Bislang kritisieren NGOs Danone heftig etwa für den Vorstoß nach Afrika. Zudem steht das Unternehmen in Europa für extensive Milchwirtschaft – und weniger für Bio-Milch.

Dabei steht der Konzern in doppelter Kritik: Zum einen ärgern sich Bauernvertreter über niedrige Milchpreise, zum anderen beklagen Umweltschützer Gülleaufkommen und Haltungsbedingungen. Immer wieder steht der Konzern auch in der Kritik, weil er Joghurts wie Activia und Actimel mit Aussagen zur Verdauung und zur Stärkung von Abwehrkräften verbunden hat, die Kritiker für irreführend halten.

Es bleibt also einiges zu tun – gerade auch bei Danone.

Quelle:  Handelsblatt Online
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