Bild: REUTERSEsprit
Esprit versucht sich derzeit mit neuem Image und einer neuen Kampagne aus dem Sumpf zu ziehen. In der Vergangenheit hatten Vorwürfe über Tierversuche und Kinderarbeit das Image der Modemarke schwer beschädigt. Dementsprechend waren Umsatz und Gewinn in den letzten Jahre im Sinkflug. Auch bei Esprit soll eine Restrukturierung helfen: Nachdem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Gewinneinbruch von 98 Prozent auf 7,45 Millionen Euro hinnehmen musste, zog sich der Modekonzern aus Nordamerika, Spanien, Dänemark und Schweden zurück und schloss 130 Filialen.
Bild: dpaPraktiker
Die Baumarkt-Kette Praktiker hat sich ihr eigenes Dauertiefpreisgrab gegraben. Seit Jahren geht es mit dem Baumarkt bergab, im Juli letzten Jahres kam dann erstmals die Gewinnwarnung, das Unternehmen musste Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe abschreiben. Und die Umsätze sind weiter auf Talfahrt. Praktiker versucht es mit Restrukturierung: "Kern dieser Neuausrichtung ist eine noch stärkere Profilierung der beiden Marken Praktiker und Max Bahr, wobei eine größere Anzahl Praktiker-Märkte auf Max Bahr umgestellt werden soll", heißt es seitens des Unternehmens. Praktiker soll der " preisaggressive Discounter" sein, die Schwester Max Bahr dagegen das "qualitäts- und serviceorientierte Marktsegment". Zu deutsch: Praktiker verkauft künftig den Ramsch.
Bild: dpaThalia
Die Douglas-Tochter Thalia leidet unter der Abwanderung der Kunden ins Internet. Um dem Trend etwas entgegen zu setzen, will Thalia nun auch digitale Bücher verkaufen und einen neuen E-Book-Reader ins Programm nehmen. Gleichzeitig setzt die Kette auf den Ausbau der Nicht-Buch-Artikel und arbeitet nun mit dem Spielwarenhersteller "Toys'R'Us" zusammen.
Bild: dpaKarstadt
Der Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden inst Internet ab. Karstadt-Chef Andrew Jennings „So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie. Karstadt muss seine Organisation anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und die erforderlichen Schritte unternehmen, um unseren Erfolg langfristig zu sichern.“. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen.
Bild: dpaNeckermann
Das Versandunternehmen gehört dem amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital. Das Katalog-Geschäft wurde eingestampft. Der Handel im Netz macht fast 80 Prozent des Umsatzes aus, im ersten Quartal 2012 ist er um 30 Prozent gewachsen. Dagegen sei der Umsatz im Katalog-Geschäft im Startquartal um rund 50 Prozent eingebrochen. Also ändert das Unternehmen nicht nur sein Geschäftsmodell, sondern auch den Personalstab. Mehr als jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland wird überflüssig, Neckermann entlässt 1.380 von rund 2.500 Mitarbeitern. Allein am Hauptsitz in Frankfurt am Main müssen 800 gehen. Der Jobabbau sei "unverzichtbar" für die Neuaufstellung von Neckermann als reiner Online-Händler und das Ende des Kataloggeschäfts, erklärte das Versandhaus.
Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Am 18. Juli 2012 teilte Sun Capital mit, dass das Unternehmen keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen werde. Damit ist das Unternehmen pleite.
Bild: dpaSchlecker-Pleite
Noch Anfang des Jahres 2012 hatte Schlecker in Deutschland 6.000 Filialen und rund 30.000 Angestellte. Die Familie wirtschaftete die Drogeriekette derart herunter, dass 2.400 Filialen schließen müssen. Der Schlecker'sche Schuldenberg kratzt mittlerweile an der Milliardengrenze. Anfangs werden fast 12.000 Mitarbeiterinnen entlassen. Jetzt ist auch für die restlichen Angestellten Schluss. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat am 1. Juni die Zerschlagung des Unternehmens verkündet.
Die Pleite der Drogeriekette hat ein juristisches Nachspiel. Am 18. Juli 2012 leitete die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und weitere 13 Beschuldigten ein. Der Vorwurf: Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts. Dazu schwirrten 160 Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft in mehreren Bundesländern aus und durchsuchten Wohnungen und Geschäftsräume. Darunter befanden sich auch die Privatvilla von Firmengründer Anton Schlecker und der Firmensitz im schwäbischen Ehingen.
Bild: dpaBeate Uhse
Im Mai 1999 ging das Erotikunternehmen Beate Uhse an die Börse und wurde zur Beate Uhse AG. Seit rund fünf Jahren kämpft der Flensburger Sexartikel-Versender mit sinkenden Umsätzen und versuchte es ebenfalls mit einem Konzernumbau. Im ersten Halbjahr 2008 begann das Unternehmen, unrentable Filialen zu schließen. Der Internetversand wurde ausgebaut, ebenso die Premium-Shops, die gezielt Frauen ansprechen und das Schmuddel-Image verbessern sollten. Außerdem sollen mit Homepartys neue Zielgruppen erschlossen werden. Nach dem Prinzip Tupperware-Partys kommen Beraterinnen zu Interessierten nach Hause und stellt dort all jenen Erotikartikel vor, die sich nicht in die Läden trauen.
Bild: dapdGörtz
Die Schuhkette steckt in den roten Zahlen und schließt deshalb jede zehnte Filiale. Insgesamt sollen 30 der bundesweit 260 Läden abgewickelt werden. Treffen soll es vor allem Geschäfte der Jugendlinie Görtz 17 sowie kleinere Standorte. Der Umsatz ging 2011 um 5,0 Prozent auf 400 Millionen Euro zurück. Für den geplanten Abbau von 100 der rund 250 Stellen in der Hamburger Zentrale soll mit dem Betriebsrat ein Sozialplan verhandelt werden. Das Unternehmen leidet unter der starken Online-Konkurrenz wie etwas Zalando.
Esprit
Esprit versucht sich derzeit mit neuem Image und einer neuen Kampagne aus dem Sumpf zu ziehen. In der Vergangenheit hatten Vorwürfe über Tierversuche und Kinderarbeit das Image der Modemarke schwer beschädigt. Dementsprechend waren Umsatz und Gewinn in den letzten Jahre im Sinkflug. Auch bei Esprit soll eine Restrukturierung helfen: Nachdem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Gewinneinbruch von 98 Prozent auf 7,45 Millionen Euro hinnehmen musste, zog sich der Modekonzern aus Nordamerika, Spanien, Dänemark und Schweden zurück und schloss 130 Filialen.
Die jüngste Hiobsbotschaft kommt aus Frankfurt: Der Versandhändler Neckermann meldet Insolvenz an. Der Eigentümer Suncapital hält den Kompromiss zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern nach den angekündigten Stellenkürzungen für nicht tragfähig und will dafür keinen weiteren Cent bezahlen. Das bedeutet das Aus für die Traditionsmarke.
Am Tag zuvor verkündet die Warenhauskette Karstadt, dass sie auf 2.000 Mitarbeiter und damit fast zehn Prozent der Belegschaft verzichten will. Der Online-Maßschneider Youtailor meldete in der vergangenen Woche Insolvenz an. Die Schuhhandelskette Görtz will Filialen schließen, nachdem Rivale Leiser schon vor ein paar Wochen in die Pleite taumelte. Bei der Baumarktkette Praktiker wurde jüngst die Insolvenz in buchstäblich letzter Minute verhindert – wenn auch nur vorerst.Handelsgigant Metro kämpft um den Verbleib im Leitindex Dax und hat angekündigt 900 Stellen zu streichen.
Der Buchhändler Thalia, die Bekleidungskette Esprit und der Discounter Penny gelten als Sanierungsfälle. Zum Jahresstart fuhr die Drogeriekette Schlecker gegen die Wand. Alle Verkaufsbemühungen des Insolvenzverwalters scheiterten. Am Mittwoch gab die Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt, gegen Gründer Anton Schlecker Ermittlungen wegen Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott eingeleitet zu haben. Das Drama scheint kein Ende zu nehmen. Auch um den Erhalt der früheren Schwester-Marke Ihr Platz ist es schlecht bestellt. Zu lange dauern die Verhandlungen nun schon, als das ein Gesamtverkauf noch als wahrscheinlichstes Szenario erscheint. Ein kleiner Lichtblick: Konkurrent Rossmann hat Interesse an 120 der 490 übriggebliebenen IhrPlatz-Filialen angemeldet.
Was ist nur los im deutschen Handel?
Schon Anfang Juni versuchte sich die WirtschaftsWoche an einer Antwort auf die Frage. Inzwischen zeigt sich immer deutlicher: Der Einzelhandel, im letzten Konjunkturabschwung noch Stütze der Wirtschaft, avanciert zur Krisenbranche 2012.
Gleich mehrere Faktoren kommen zusammen. Jahrelang wurden die Verkaufsflächen ausgebaut, Händler expandierten wie im Rausch. Seit Jahrzehnten sinkt daher die Flächenproduktivität – die Händler setzen pro Quadratmeter immer weniger um. Verstärkt wird der Trend durch das Internet. Käufer wandern zunehmend in Online-Gefilde ab.
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