Entlassungen und Pleiten: Alarmstimmung im Handel

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KommentarEntlassungen und Pleiten: Alarmstimmung im Handel

von Henryk Hielscher

Neckermann ist pleite, Karstadt entlässt 2000 Mitarbeiter, auch bei der Metro fallen Stellen – die Liste der Horrormeldungen ist lang. Der deutsche Handel wird zur Krisenbranche.

Die jüngste Hiobsbotschaft kommt aus Frankfurt: Der Versandhändler Neckermann meldet Insolvenz an. Der Eigentümer Suncapital hält den Kompromiss zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern nach den angekündigten Stellenkürzungen für nicht tragfähig und will dafür keinen weiteren Cent bezahlen. Das bedeutet das Aus für die Traditionsmarke.

Am Tag zuvor verkündet die Warenhauskette Karstadt, dass sie auf 2.000 Mitarbeiter und damit fast zehn Prozent der Belegschaft verzichten will. Der Online-Maßschneider Youtailor meldete in der vergangenen Woche Insolvenz an. Die Schuhhandelskette Görtz will Filialen schließen, nachdem Rivale Leiser schon vor ein paar Wochen in die Pleite taumelte. Bei der Baumarktkette Praktiker wurde jüngst die Insolvenz in buchstäblich letzter Minute verhindert – wenn auch nur vorerst. Handelsgigant Metro kämpft um den Verbleib im Leitindex Dax und hat angekündigt 900 Stellen zu streichen.

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Der Buchhändler Thalia, die Bekleidungskette Esprit und der Discounter Penny gelten als Sanierungsfälle. Zum Jahresstart fuhr die Drogeriekette Schlecker gegen die Wand. Alle Verkaufsbemühungen des Insolvenzverwalters scheiterten. Am Mittwoch gab die Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt, gegen Gründer Anton Schlecker Ermittlungen wegen Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott eingeleitet zu haben. Das Drama scheint kein Ende zu nehmen. Auch um den Erhalt der früheren Schwester-Marke Ihr Platz ist es schlecht bestellt. Zu lange dauern die Verhandlungen nun schon, als das ein Gesamtverkauf noch als wahrscheinlichstes Szenario erscheint. Ein kleiner Lichtblick: Konkurrent Rossmann hat Interesse an 120 der 490 übriggebliebenen IhrPlatz-Filialen angemeldet.

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Startschuss: Aus Praktiker wird Max Bahr

Was ist nur los im deutschen Handel?

Schon Anfang Juni versuchte sich die WirtschaftsWoche an einer Antwort auf die Frage. Inzwischen zeigt sich immer deutlicher: Der Einzelhandel, im letzten Konjunkturabschwung noch Stütze der Wirtschaft, avanciert zur Krisenbranche 2012.

Gleich mehrere Faktoren kommen zusammen. Jahrelang wurden die Verkaufsflächen ausgebaut, Händler expandierten wie im Rausch. Seit Jahrzehnten sinkt daher die Flächenproduktivität – die Händler setzen pro Quadratmeter immer weniger um. Verstärkt wird der Trend durch das Internet. Käufer wandern zunehmend in Online-Gefilde ab.

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