Entlassungswelle: Crocs sind ausgelatscht

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Entlassungswelle: Crocs sind ausgelatscht

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Crocs waren Mitte der 2000-Jahre der Renner unter den Sommersandalen. Jetzt streicht der Konzern Stellen, verkleinert das Sortiment drastisch und schließt Geschäfte.

von Rebecca Eisert

Sie waren der Inbegriff des Sommers: Die bunten, bequemen Plastiklatschen des US-Herstellers Crocs. Doch ihre Zeit scheint abgelaufen. Das Unternehmen streicht Stellen und schließt Läden.

So bequem - und doch so hässlich. Der Aufstieg der Crocs-Sandalen war wunderlich. Bedenkt man, dass die grellbunten, durchlöcherten Plastikschuhe so gar nichts modisches an sich hatten. Aber sie waren so haltbar wie kaum ein anderes Schuhwerk. Machten im Badeurlaub jeden Ausflug ins Salzwasser mit. Schützten vor steinigen Untergründen, ließen den Sand einfach durchrieseln. Und wenn einmal Eis darauf kleckerte, schrubbte man den kompletten Schuh einfach unter fließendem Wasser ab.

Vielleicht war es das Gefühl, die perfekte "Urlaubslatsche" gefunden zu haben; der Duft von Freiheit und Abenteuer, der den Crocs zu ihrem rasanten Aufstieg verhalf. Überflüssig zu erwähnen, dass die Crocs auch deshalb so beliebt waren, weil das verwendete Material PCCR (Proprietary closed-cell resin) die Schuhe weniger "geruchsanfällig" machten als andere Kunststoffschuhe. Zudem passte sich das Schaumharz bei Erwärmung der Fußform an.

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Von wegen Rot, Blau, Grün und Türkis - Crocs kann in der aktuellen Kollektion auch Leopard. Ob's hilft? Quelle: Presse

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Auf die Idee, leichte Kunststoffschuhe zu entwickeln, kamen 2002 kamen Lyndon Hanson, Scott Seamans und George Boedecker in Boulder, Colorado. Eigentlich waren die Sandalen für Feuchträume und den Bootssport gedacht, doch schnell entwickelten sich die grellbunten Sandalen zu einem Mode-Phänomen. Sie traten in die Fußstapfen von In-Tretern wie Cloqs und Flip-Flops. 2004 hatte sich der Umsatz bereits verzehnfacht, ein Jahr später expandierte die Firma nach Europa, Asien und Australien.

Crocs versucht mit neuen atypischen Modellen zu punkten. Quelle: Presse

Crocs versucht mit neuen atypischen Modellen zu punkten.

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Der schnelle Aufstieg

Crocs wurden ein weltweiter Renner. 2006 folgte der Börsengang. Aktien im Wert von 240 Millionen Dollar wurden verkauft - noch nie hatte ein Schuhunternehmen eine solche Summe erzielt. Crocs war über eine Milliarde Dollar wert. Doch schon im Herbst 2007 verlangsamte sich der Marschschritt merklich.

Im Frühjahr 2008 folgte die erste Gewinnwarnungen, mehrere hundert Mitarbeiter wurden entlassen. Nach der Finanzkrise waren die Aktien des einstigen Gipfelstürmers nur noch sechs bis sieben Dollar wert. Der Einstieg von Finanzinvestor Blackstone im Sommer 2013 brachte neuen Schub und eine Finanzspritze von 220 Millionen Dollar. Aktuell steht der Kurs bei gut 12 Dollar pro Aktie.

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Der tiefe Fall

Jetzt liegt nur noch der Geruch von Schweiß und Plastik in der Luft. Crocs-Finanzchef Jeff Lasher gerät ins Schwitzen, wenn er die aktuellen Quartalszahlen vorlegt. Der Nettogewinn ist innerhalb der vergangenen drei Monate um 44 Prozent auf 19,5 Millionen Dollar gesunken. Der Umsatz hat sich noch leicht positiv entwickelt, auf nunmehr 377 Millionen Dollar.

Chef Andrew Rees tut, was er tun muss, wenn sich ein Geschäftsmodell totgelaufen hat: Er streicht Stellen. Nochmals 180 der rund 5000 verbliebenen will er abbauen. Weltweit sollen zwischen 75 und 100 der aktuell 600 Läden geschlossen oder an Dritte verkauft werden. Auch das Sortiment soll schrumpfen.

Das "Wall Street Journal" spricht von 30 bis 40 Prozent. Übrig bleiben sollen nur die Lochsandalen. Ob sie ein Comeback schaffen? Möglich ist alles. Schließlich sind es im Moment die Gesundheitstreter der Marke Birkenstock, die die schlanken Füßchen von Top-Modellen zieren. In der Birkenstock-Zentrale im Dörfchen Vettelschoß nahe Linz am Rhein gehen Anrufe der Modezeitschrift "Elle" ein, man wolle die Birkenstock-Modelle für eine Fotostrecke. Stardesigner Marc Jacobs hat eine Kooperation angefragt. Auch das hätte vor ein paar Jahren noch niemand für möglich gehalten.

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