Erich Harsch: Warum der dm-Chef nichts vom Online-Handel hält

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InterviewErich Harsch: Warum der dm-Chef nichts vom Online-Handel hält

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"Die Märkte sind gut besucht", sagt dm-Chef Erich Harsch.

von Henryk Hielscher und Stephanie Heise

Der Chef von Deutschlands größter Drogeriekette dm, Erich Harsch, hält sich beim Online-Handel zurück, plant eine Bio-Eigenmarke und steht zu Tragetaschen aus Indien.

WirtschaftsWoche: Herr Harsch, erst mal vielen Dank, dass Sie es uns Journalisten endlich etwas einfacher machen.

Harsch: Was meinen Sie?

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Jahrelang war dm ein erfolgreiches, aber auch recht langweiliges Unternehmen: Regelmäßig neue Rekordzahlen, kaum Kritikpunkte. Jetzt gibt’s endlich mal Stoff für Schlagzeilen: Sie haben gerade ihrem langjährigen Partner Alnatura den Krieg erklärt und stehen am Pranger, weil Sie die Produktion von Tragetaschen nach Asien verlagern.

Rekordzahlen gibt’s trotzdem noch. Aber im Ernst: Die Schlagzeilen sind übertrieben.

Zur Person

  • Erich Harsch

    Harsch, 53, ist seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Österreicher brach 1981 sein Jurastudium ab, um bei dm einzusteigen. Der Vater zweier Kinder fährt Ski und spielt Tennis in der Bezirksliga.

30 Jahre lang war Alnatura die einzige Biomarke bei dm, jetzt setzen Sie auf weitere Ökomarken – das klingt nicht gerade nach Harmonie.

Richtig ist, dass wir uns im Biosegment neu aufstellen werden. Der Bereich ist für unser Profil inzwischen sehr wichtig, deshalb müssen wir das Angebot so gestalten, dass es ein interessantes und breites Spektrum für unsere Kunden abdeckt. Dabei ist eine Monomarken-Strategie, die in der Pionier- und Aufbauphase richtig war, nicht mehr das passende Instrument. Wenn man sieht, wie sich die Biowelt verändert hat, sind wir sogar ziemlich spät dran. Aber wenn etwas erfolgreich läuft, besteht die Gefahr, dass man nicht gut genug hinschaut, um früh Veränderungsbedarf zu erkennen.

Das ist bei Alnatura der Fall?

Alnatura und dm arbeiten seit Jahren eng zusammen. Die Kooperation ist für alle Beteiligten erfolgreich, und das soll auch so bleiben. Aber es gibt inzwischen so viele interessante Biomarken auf dem deutschen Markt. Hinzu kommt: Abgesehen von Biolebensmitteln gibt es keinen wichtigen Sortimentsbereich bei dm, in dem wir nicht mit einer Eigenmarke vertreten sind. Da ist eine Veränderung überfällig, daher planen wir auch eine Bioeigenmarke. Wir müssen uns anders aufstellen als in der Vergangenheit.

Die größten Drogerieketten in Deutschland

  • Platz 4

    Budnikowsky (Budni)
    Umsatz (2013/2014): 0,5 Mrd. Euro
    Filialen: 180

    Quelle: Schätzungen der 'Lebensmittelzeitung'

  • Platz 3

    Müller
    Umsatz (2013/2014): 2,8 Mrd. Euro
    Filialen: 503

    Quelle: Schätzungen der 'Lebensmittelzeitung'

  • Platz 2

    Rossmann
    Umsatz (2013/2014): 5,0 Mrd. Euro
    Filialen: 1824

    Quelle: Unternehmensangaben

  • Platz 1

    dm
    Umsatz (2013/2014): 6,4 Mrd. Euro
    Filialen: 1.622

    Quelle: Unternehmensangaben

Das dürfte Alnatura-Gründer Götz Rehn anders sehen. Ist er deshalb aus dem dm-Aufsichtsrat ausgeschieden?

Zum Aufsichtsrat kann ich nichts sagen, da bin ich der falsche Ansprechpartner.

Dass Alnatura mit der Entscheidung nicht glücklich ist, liegt auch so auf der Hand.

Natürlich ist es schwierig, wenn einer der Partner sagt, wir müssen uns neu aufstellen. Das tangiert Alnatura als bisher einzigen Bioanbieter bei dm, aber wir wollen den Gesprächen mit Alnatura nicht vorgreifen.

Wie ist dm ins Weihnachtsgeschäft gestartet?

Die Märkte sind gut besucht. Der Dezember ist traditionell unser stärkster Monat, wenngleich die Unterschiede nicht so groß sind wie bei anderen Händlern. Die Menschen benötigen auch in der Adventszeit nicht mehr Drogerieartikel als sonst.

Was erwarten Sie für 2015? Hält die Konsumbegeisterung der Deutschen an?

Viele Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht, fragen sich, wohin mit dem Geld. Auf der Bank gibt es keine Zinsen, insofern bleibt die Bereitschaft hoch, sich mal etwas zu leisten und Geld auszugeben. Das wird im kommenden Jahr hoffentlich so weitergehen, es sei denn, die Weltlage spitzt sich dramatisch zu. Die konjunkturbedingten Ausschläge sind bei dm aber immer sehr moderat. Deshalb machen wir uns über die gesamtwirtschaftliche Lage im Vorfeld auch keine sorgenvollen Gedanken, sondern gehen angemessen mit der Situation um, wie sie sich uns stellt.

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3 Kommentare zu Erich Harsch: Warum der dm-Chef nichts vom Online-Handel hält

  • Nun, ich gebe zu, ich mag dm und auch das Mitarbeiterfreundliche Konzept.
    Auch die Gestaltung der Läden ist wegweisent,,doch das Bummeln in Geschäften liegt mir zugegebenermassen eher nicht,
    auch nicht bei dm. An den Kassen sind auch dort lange Warteschlangen, auch bei dm sind zuwenig Mitarbeiter, die man fragen kann, wo etwas zumfinden ist und wenn, dann bekommt man zur Antworten,,das Teebaumöl ist dahinten wenn sie jetzt links gehen, dann die 3. Gondel rechts. Staus an den Kassen und die Sucherei,,das Verleidet mir das Einkaufen sehr schnell, daher mag ich es Online einzukaufen.
    Dort werde ich dann auch nicht an dermKass genervt und indirekt mit der Frage unter Druck gesetzt: "Und Ihre Paypal Karte", was ich dann immer humorig mit Antworten quittiere wie: Und Ihre Angelkarte, Kaffeekarte etc.
    Doch beim Ladeneinkauf könnte man manches verbessern, z.B.:
    Warum stellt man kein ordentliches Terminal mit großem Bildschirm auf und angeschlossenem Drucker,mwo ich mir anzeigen lassen kann, wo die Produkte sich verstecken, die ich suche nd ggf. eine Art Lageplan mitnfarblichen Markierungen ausdrucken lassen kann. Anmdermfarbigen Kennzeichnung sollte dann auch ersichtlich sein, obnich oben, in der mitte oder unten inmder Gondel suchen muss.
    So würde der Einkauf für viele weniger zeitraubend und stressig. Auch wenn beim suchen auch manches Produkt auffällt und in den Einkaufskorb landet, was man ursprünglich gar nicht auf dem Plan hatte denke ich, dass sich solch ein Konzept dennoch auch für den Anbieter auszahlt und das Personal entlastet.
    Noch ein Hinweis, es ist meiner Ansicht nach unwürdig Kassierr und Kunden zu dressieren, sich die Paypal-Karte anzuschaffen. Damit möchte ich nichts gegen eine solche Karte und ihren Nutzen, insbesondere für den Händler sagen, doch es geht zu weit, jedesmal den Kunden an der Kasse imit der Frage "Und ihre Paypal-Karte" indirekt unter Druck zu setzen, sich auch eine anzuschaffen. Das man den Kunden erinnern will, ist zu dürftig.

  • Nun, ich gebe zu, ich mag dm und auch das Mitarbeiterfreundliche Konzept.
    Auch die Gestaltung der Läden ist wegweisent,,doch das Bummeln in Geschäften liegt mir zugegebenermassen eher nicht,
    auch nicht bei dm. An den Kassen sind auch dort lange Warteschlangen, auch bei dm sind zuwenig Mitarbeiter, die man fragen kann, wo etwas zumfinden ist und wenn, dann bekommt man zur Antworten,,das Teebaumöl ist dahinten wenn sie jetzt links gehen, dann die 3. Gondel rechts. Staus an den Kassen und die Sucherei,,das Verleidet mir das Einkaufen sehr schnell, daher mag ich es Online einzukaufen.
    Dort werde ich dann auch nicht an dermKass genervt und indirekt mit der Frage unter Druck gesetzt: "Und Ihre Paypal Karte", was ich dann immer humorig mit Antworten quittiere wie: Und Ihre Angelkarte, Kaffeekarte etc.
    Doch beim Ladeneinkauf könnte man manches verbessern, z.B.:
    Warum stellt man kein ordentliches Terminal mit großem Bildschirm auf und angeschlossenem Drucker,mwo ich mir anzeigen lassen kann, wo die Produkte sich verstecken, die ich suche nd ggf. eine Art Lageplan mitnfarblichen Markierungen ausdrucken lassen kann. Anmdermfarbigen Kennzeichnung sollte dann auch ersichtlich sein, obnich oben, in der mitte oder unten inmder Gondel suchen muss.
    So würde der Einkauf für viele weniger zeitraubend und stressig. Auch wenn beim suchen auch manches Produkt auffällt und in den Einkaufskorb landet, was man ursprünglich gar nicht auf dem Plan hatte denke ich, dass sich solch ein Konzept dennoch auch für den Anbieter auszahlt und das Personal entlastet.
    Noch ein Hinweis, es ist meiner Ansicht nach unwürdig Kassierr und Kunden zu dressieren, sich die Paypal-Karte anzuschaffen. Damit möchte ich nichts gegen eine solche Karte und ihren Nutzen, insbesondere für den Händler sagen, doch es geht zu weit, jedesmal den Kunden an der Kasse imit der Frage "Und ihre Paypal-Karte" indirekt unter Druck zu setzen, sich auch eine anzuschaffen. Das man den Kunden erinnern will, ist zu dürftig.

  • Süßer, zahmer Journalismus. Weder die Headline wurde beantwortet noch wurde den schwammig formulierten Aussagen des Interviewten ausreichend nachgegangen.
    Herr Harsch hat seine Sache dagegen „solide“ gemeistert. Leise, geduldig, ausweichend und mit Floskeln wie „neu aufstellen - breites Spektrum - anders aufstellen als in der Vergangenheit – usw. usw.“ konnte er den braven Fragestellern ein leuchten der unterwürfigen Verzückung in die Augen zaubern.
    Die journalistische Zurückhaltung fand ihren Höhepunkt jedoch bei dem Lieferantenwechsel der Einkaufstaschen. Dort wäre mindestens ein, wenn nicht zwei blaue Augen für Herrn Harsch drin gewesen, wenn Herr Hielscher und Frau Heise wirklich vorbereitet gewesen wären.
    Nu iss zu spät….

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