Esprit-Gründer Douglas Tompkins: "Das ist Bullshit"

InterviewEsprit-Gründer Douglas Tompkins: "Das ist Bullshit"

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US-Milliardär Douglas Tompkins auf seinem Land in Chile.

von Peter Steinkirchner

Esprit hat ihn zum Millionär gemacht. Heute sieht der Ex-Unternehmer Douglas Tompkins den Papst als Verbündeten im Kampf gegen den Kapitalismus. Ein Interview.

WirtschaftsWoche: Mr. Tompkins, Sie sind einer der führenden Köpfe der Umweltbewegung. Jetzt hat Papst Franziskus eine Enzyklika gegen Umweltzerstörung veröffentlicht, die wegen ihrer Kritik am Kapitalismus in der Wirtschaft heiß diskutiert wird. Hilft der Papst, das siechende Thema Konzerne und Nachhaltigkeit zu pushen?

Douglas Tompkins: Sie sollten mal meinen E-Mail-Eingang sehen, da stapeln sich Hunderte Mails zum Thema Papst. Für viele Freunde und Kollegen ist es gerade das Thema schlechthin. In unserem inneren Zirkel kursiert der Scherz, einer von uns muss wohl als Ghostwriter im Vatikan gesessen haben.

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Warum hat es so lange gedauert, bis das Thema solche Kreise zieht?

Das führe ich zurück auf das, was der Soziologe William Catton einmal den "cultural lag" genannt hat, die kulturelle Phasenverschiebung. Sie führt dazu, dass Institutionen und Organisationen dem technischen Fortschritt der Industriegesellschaft hinterherhinken. Es ist die Zeitspanne, die es braucht, bis die Allgemeinheit zum Denken der Avantgarde aufschließt.

Kajakunfall in Chile Esprit-Mitgründer Douglas Tompkins gestorben

Erst machte er mit Mode Geld, dann setzte er seine Mittel ein, um damit chilenische Wälder zu retten. Jetzt ist Douglas Tompkins gestorben - bei einem Unfall in der Natur, die er so liebte.

Douglas Tompkins wurde 72 Jahre alt. Quelle: dpa

Können Sie das etwas konkretisieren?

Nehmen Sie das Thema Großtechnologien wie Bio-, Nuklear- oder IT-Technologie, Chemie oder industrielle Landwirtschaft. Sie alle fügen sich in einen Verbund, der den megatechnologischen Komplex ausmacht. Jede dieser Technologien kann man, für sich genommen, kritisieren. Man versteht sie jedoch erst wirklich, wenn man sie in ihrer gemeinsamen Wirkung betrachtet. Sie zusammen bilden das Gerüst unserer Zivilisation und bestimmen, wie unsere Gesellschaften organisiert sind und wie sie funktionieren.

Und sie zusammen ermöglichen Fortschritt.

Diese Technologien verfügen über eine eigenständige Qualität, die die Gesellschaft zwingt, sich auf eine bestimmte Art um sie herum zu organisieren. Vorgeblich sorgen diese Technologien für Wohltaten für alle. Doch tatsächlich verursachen sie eine Tragödie. Lassen Sie mich das an Ihrem Smartphone erklären.

Was ist damit?

Das Gerät mag für Sie sehr nützlich sein. Es hilft Ihnen bei Ihrer Arbeit. Aber wenn man das große Bild betrachtet, ist es schlecht für die Allgemeinheit.

Warum das?

Es ist ein tragbarer Computer, und seine wesentliche Funktion besteht darin, Dinge zu beschleunigen. Es steht damit für die Digitalisierung und das Internet, die im Kleinen für den einzelnen durchaus Verbesserungen versprechen. Im Großen allerdings beschleunigen sie sämtliche wirtschaftlichen Vorgänge, und sie sind damit wesentlich mitverantwortlich für die fortschreitende Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden und die Vernichtung von Tier- und Pflanzenarten.

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