Etihad: Golf-Airline kurz vor Einstieg bei Air Berlin

Etihad: Golf-Airline kurz vor Einstieg bei Air Berlin

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 20:08 Uhr
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Die Golf-Airline Etihad steht kurz vor dem Einstieg bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Seit Wochen kursieren Spekulationen - doch jetzt scheint der Einstieg von Etihad bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin Wirklichkeit zu werden. Die Nachricht sorgt für Unruhe.

FrankfurtHartmut Mehdorn, seit September amtierender Chef von Air Berlin, drückt auf die Tube. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht Etihad, eine der drei rasant wachsenden Airlines aus den Emiraten, kurz vor dem Einstieg bei der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands.

Mittwoch trifft sich der Verwaltungsrat von Air Berlin. Neben Budgetgesprächen steht auch der Einstieg der arabischen Airline auf der Agenda. Eine Entscheidung des Boards sei schon heute möglich, sie könne sich aber auch über den Jahreswechsel hinziehen. Allerdings kennt Etihad das Unternehmen bereits – schon 2008 gab es Verhandlungen über einen Einstieg.

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Danach ist die Ausgabe neuer Aktien geplant, um den Investor ins Boot zu holen. Ein solches Szenario sorgte an der Börse für Unruhe. Die Aktien von Air Berlin gaben um 6,3 Prozent nach und kosteten nur noch 2,33 Euro.

Die Sorge der Anleger: Um wirklich Liquidität in größerem Umfang zu bekommen, müsste eine Kapitalerhöhung so groß ausfallen, dass der Anteil der anderen Investoren, allen voran die türkische Esas Holding (16,48 Prozent), stark verwässert würde. Gleichzeitig darf die Grenze von 49,9 Prozent nicht überschritten werden, sonst würde Air Berlin die Verkehrsrechte verlieren.

Seit Hartmut Mehdorn, der frühere Bahn-Chef, im September die Führung von Air-Berlin aus den Händen des Gründers Joachim Hunold übernommen hat, geht es vor allem um zwei Dinge: die kurzfristige Sicherung der Liquidität, um den Winter zu überstehen, sowie die langfristige Sanierung der Airline.


Air Berlin setzt nicht nur auf Geld

Denn immer noch braucht Air Berlin mehr Geld, um den Betrieb zu sichern, als das Unternehmen mit dem operativen Geschäft einnimmt. Die Eigenkapitalquote betrug Ende des dritten Quartals magere 14 Prozent. Air Berlin benötigt also dringend Geld.

Zwar steuert Mehdorn nach Kräften gegen, spart, kappt die Kapazitäten, versucht, die Ticketpreise anzuheben. Doch er braucht Zeit. Und gegen ihn läuft die neue Schwächephase in der weltweiten Luftfahrt. Der Einstieg eines solventen Investors könnte also zur Rettung von Air Berlin, der deutschen Nummerzwei, erheblich beitragen.

Wie zu hören ist, setzt Air Berlin aber nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die hohe Leistungsfähigkeit von Etihad. Airlines aus der Golfregion sind seit Jahren sehr erfolgreich, selbst in Krisenzeiten. Der Einstieg eines solchen Investors würde der Lufthansa, der Nummer eins in Deutschland und Europa, wehtun, heißt es.

Experten vermissen jedoch die strategische Komponente hinter dem Etihad-Deal. Denn Air Berlin plant gerade, der Partnerschaft One World um British Airways beizutreten. Ein Investor aus diesem Kreis erscheint für die Sicherung der Zukunft geeigneter. Etihad gehört aber keiner Airline-Partnerschaft an.

Branchenkenner halten es aber für denkbar, dass Etihad als eine Art Ankeraktionär Ruhe reinbringen und Air Berlin Zeit verschaffen soll, bis eine andere Lösung gefunden würde, etwa der dauerhafte Einstieg eines Mitglieds der Allianz One World.

Quelle:  Handelsblatt Online
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