Europaweiter Druck: Behörden bekämpfen Preisdiktat von Hotelportalen

Europaweiter Druck: Behörden bekämpfen Preisdiktat von Hotelportalen

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Deutschlands größtes Online-Hotelportal HRS wehrt sich gegen eine Entscheidung des Bundeskartellamts.

In Europa gehen Wettbewerbsbehörden gegen Hotel-Portale im Internet vor. Diese zwingen Hoteliers dazu, nur bei ihnen die besten Preise anzubieten. Ob das zulässig ist, muss in Deutschland bald ein Gericht klären.

Das Versprechen: der günstigste Hotel-Preis. Die Methoden: möglicherweise nicht erlaubt. Europaweit gehen Wettbewerbsbehörden gegen die so genannte Bestpreisklausel bei Reiseportalen im Internet vor.

Italienische Wettbewerbshüter haben jetzt die Portale Booking und Expedia ins Visier genommen, weil sie glauben, dass diese ihre Macht missbrauchen, um den Marktzugang für Konkurrenten zu behindern.

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Der Grund: Die Portale haben mit Hotelbetreibern Verträge geschlossen, laut denen Gäste, die über sie buchen, stets den günstigsten Hotelpreis erhalten. Selbst an der eigenen Rezeption dürfen die Hotels, Reisenden die Zimmer nicht billiger anbieten. Gewähren die Hoteliers anderen Gästen bessere Konditionen, müssen sie mit Strafen rechnen. So müsste etwa die Preisdifferenz erstattet werden.

Untersuchungen des Kartellamts
Nicht nur in Italien, sondern auch in europäischen Ländern wie England, Frankreich oder Deutschland ist die Bestpreisklausel den Wettbewerbshütern ein Dorn im Auge. Erst im Winter hatte das Bundekartellamt entschieden, dass Deutschlands größtes Onlinehotelportal HRS einen entsprechenden Passus aus seinen Verträgen streichen muss.

BrandIndex Urlaubsbuchung: Expedia gestrandet?

Reisen im Internet buchen boomt. Der internationale Platzhirsch Expedia kommt angeblich auf 50 Millionen Seitenbesuche im Monat. Doch das Portal ist in vielerlei Hinsicht alles andere als konkurrenzlos.

Screenshot Expedia Quelle: Screenshot

Der Kunde profitiere von der Preisgarantie nämlich nur auf den ersten Blick. "Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. "Damit beeinträchtigen Bestpreisklauseln den Wettbewerb zwischen bestehenden Portalen." Zudem werde der Marktzutritt neuer Plattformanbieter erheblich erschwert, weil diese aufgrund der Bestpreisklausel Hotelzimmer nicht günstiger anbieten können.

Weil die Portale Booking und Expedia dem Konkurrenten HRS in nichts nachstehen, hat das Kartellamt auch Verfahren gegen sie eingeleitet. Das freut die Hoteliers, die unter der Macht der Portale ächzen. Die Onlineportale sehen jedoch ihr Geschäftsmodell in Gefahr.

HRS hat gegen die Entscheidung des Kartellamts bereits Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt. Offiziell, weil vorerst nur ihm die Bestpreisklausel untersagt worden war. Das Gericht wird voraussichtlich im Herbst diesen Jahres entscheiden. Das wiederrum verzögert die Verfahren um Expedia und Booking. So lange das Gericht im Fall HRS nicht urteilt, ist keine Entscheidung des Bundeskartellamts zu erwarten.

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Vorsicht vor Falschinformationen

Buchungs- und Bewertungsportale stehen nicht nur aufgrund der Preisgestaltung immer wieder in der Kritik. Ein besonders häufiger Vorwurf: Falsche Bewertungen und Informationen leiten den Kunden in die Irre. Die italienische Wettbewerbsbehörde ermittelte deshalb zurzeit gegen die Bewertungs-Plattform Tripadvisor.

Genaue Zahlen, wie viele Hotelbewertungen gefälscht sind, gibt es nicht. Der Branchenverband Bitkom geht jedoch davon aus, dass ungefähr 15 Prozent der Bewertungen Fälschungen sind und noch einmal 15 Prozent einseitige Darstellungen.

In Deutschland haben unter anderem die Verbrauchzentralen die Seriosität der Angebote im Auge. Weil sie um die Manipulationsanfälligkeit der Portale wissen, warnen die Verbraucherschützer davor, Bewertungen blind zu vertrauen. Sie empfehlen, vor der Buchung stets mehrere Portale abzufragen. Wichtiger als die Punktzahl seien dabei ohnehin die detaillierten Kritiken. Auch die Zahl der Bewertungen ist entscheidend. Laut der Stiftung Warentest sind weniger 30 Bewertungen für ein Hotel nicht wirklich vertrauenswürdig.

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