Fipronil: Die wichtigsten Antworten zum Eier-Skandal

Fipronil-Belastung: Die wichtigsten Antworten zum Eier-Skandal

, aktualisiert 04. August 2017, 14:13 Uhr
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Hunderttausende Eier aus den Niederlanden sind bereits in NRW zurückgerufen worden, nun zieht der Skandal um belastete Eier weitere Kreise.

von Christoph Kapalschinski und Michael ScheppeQuelle:Handelsblatt Online

Immer wieder sorgen Lebensmittelskandale rund um das Ei für Schlagzeilen. Nun verbannt Aldi die Eier vorerst komplett aus den Regalen. Welche Folgen der aktuelle Gift-Fall für Handel, Bauern und Verbraucher hat.

Der Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier weitet sich aus. Fast alle Bundesländer sind mittlerweile betroffen. Am Freitagmorgen nahm der Lebensmitteldiscounter Aldi sämtliche Eier aus seinen Regalen. Welche gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Skandal hat – die wichtigsten Antworten.

Was ist Fipronil?

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Fipronil ist ein Insektengift. Es wird etwa gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Wenn diese Tiere mit Fipronil in Berührung kommen, sterben sie. Seit 2013 ist das Gift in Europa nur noch eingeschränkt zugelassen. Hierzulande darf es nur in bestimmten Situationen und bei einem akuten Befall angewandt werden – und dann auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Fipronil trägt nach Einschätzungen der EU auch zum Bienensterben bei. Wo Lebensmittel hergestellt werden – etwa in Ställen, in denen Hennen Eier legen – ist Fipronil nicht erlaubt. Kommen Lebensmittel mit dem Gift in Verbindung, müssen sie entsorgt werden – so wie jetzt mit den Eiern geschehen.

Wie kam das Gift eigentlich in die Eier?

Offenbar hat ein belgischer Hersteller das Reinigungsmittel „Dega-16“ vertrieben, dem das Schädlingsbekämpfungsmittel beigemischt war. Tierhalter haben das Reinigungsmittel in den Ställen eingesetzt, ohne zu wissen, dass der Stoff enthalten war. Eigentlich beruht „Dega-16“ nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus.

Fipronil-Skandal Verseuchte Eier in fast allen Bundesländern

Der Skandal um Millionen giftbelastete Eier weitet sich aus. Jetzt ist klar: Fast alle Bundesländer sind betroffen. Der Discounter Aldi hat die Eier-Regale fürs Erste geleert. Andere Ketten wollen nicht nachziehen.

Im Skandal um giftbelastete Eier nehmen Aldi Süd und Aldi Nord deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Quelle: dpa

Wie gefährlich ist Fipronil?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – die wissenschaftliche Einrichtung des Landwirtschaftsministeriums – sagt, das Insektengift sei nicht krebserregend und verändere auch nicht das Erbgut. Tests zeigen, dass Fipronil auch keine Allergien und Hautreizungen auslöst. In Tierversuchen wirkte Fipronil toxisch auf das Nervensystem. Erwachsene Tiere trugen aber keine dauerhaften Schäden davon.

Sollte man jetzt keine Eier mehr essen?

Nein – diese Reaktion wäre übertrieben. Ein Erwachsener mit einem Körpergewicht von 65 Kilogramm kann an einem Tag sieben Eier (à 70 Gramm) essen, ehe es ein „erkennbares gesundheitliches Risiko für den Verbraucher“ gebe, heißt es beim BfR. Die Behörde geht davon aus, dass 0,0009 Milligramm pro Kilo Körpergewicht unbedenklich sind.

Was ist Fipronil?

  • Einsatz von Fipronil

    Fipronil kommt als Pflanzenschutzmittel oder in der Veterinärmedizin zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Fipronil ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig.

  • Fipronil in der Landwirtschaft

    2013 hat die Europäische Union beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden.

  • Wirkung von Fipronil auf den Menschen

    Beim Menschen kann Fipronil Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

  • Entwicklung von Fipronil

    Der Wirkstoff wurde in den 1980er Jahren in Frankreich entwickelt.

Das Rechenbeispiel beruht auf belgischen Eiern, bei denen ein Fipronil-Gehalt von 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei festgestellt wurde. Bei den in Deutschland betroffenen Eiern liegen die Werte sogar darunter. Sprich: Selbst der Konsum von mehr als sieben Eiern am Tag ist – zumindest was die Fipronil-Menge angeht – unbedenklich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt grundsätzlich, nicht mehr als drei Eier pro Woche zu essen – inklusive der in Nudeln oder Bachwaren verarbeiteten.

Auch Kinder können weiter bedenkenlos Eier essen – zumindest in Maßen: Ein rund 16 Kilogramm schweres Kind etwa kann den BfR-Berechnungen zufolge unbedenklich fast zwei Eier pro Tag essen. Und für ein Kleinkind von etwa einem Jahr, das rund zehn Kilo wiegt, ist immerhin noch ein Ei unbedenklich. In den Eier-Konsum sollten auch Produkte eingerechnet werden, in denen Eier verarbeitet sind. Fipronil wird nicht durch Kochen oder Braten abgebaut.

Und auch wenn Menschen mehr Eier gegessen haben sollten – die Behörden sprechen von einer Überschreitung der akuten Referenzdosis –, besteht nach Einschätzungen des BfR „keine konkrete Gesundheitsgefährdung“. Das liegt daran, dass Grenzwerte grundsätzlich immer konservativ gewählt werden, damit sie möglichst sicher sind.

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