Fleischskandal: Fertiggerichthersteller sucht Schuldigen

Fleischskandal: Fertiggerichthersteller sucht Schuldigen

von Mario Brück

Die täglich neuen Meldungen um Pferdefleisch in Produkten verunsichert die Verbraucher. Wie schwierig es ist, die Verursacher des Betrugs zu finden, zeigt das Beispiel des Fertiggerichteherstellers Copack.

Den verhängnisvollen Anruf bekommt Jürgen Marggraf, Geschäftsführer des Fertigprodukteherstellers Copack aus Bremerhaven, am späten Sonntagnachmittag von einem Aldi-Manager: In den von Copack hergestellten Penne-Bolognese-Beuteln, die in den Tiefkühltruhen bei Aldi-Nord liegen, hat der Discounter Beimischungen von Pferdefleisch entdeckt.

Sofort informiert Marggraf auch seine Geschäftspartner bei den Discountketten Aldi Süd und Lidl, die ebenfalls Copack-Ware im Sortiment führen. „Die waren natürlich alles andere als erfreut“, sagt Marggraf, „aber wir arbeiten mit diesen Unternehmen schon lange zusammen, und die Verantwortlichen haben sehr professionell reagiert.“ Am Montagvormittag jedenfalls waren in den Tiefkühltruhen von Aldi und Lidl diese Copack-Produkte nicht mehr zu finden.

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„Wir hatten das schon befürchtet“, räumt Marggraf ein, „weil wir eben nicht selbst schlachten, sondern Fleisch kaufen und anschließend weiterverarbeiten.“

Lieferweg von Rindfleisch für Penne Bolognese bei Aldi und Lidl

Lieferwege für Rindfleisch für Penne Bolognese bei Aldi und Lidl (zum Vergrößern bitte anklicken).

Das Geschacher und Geschiebe mit Pferdefleisch, das ganz Europa in Wallung versetzt, wirft ein Schlaglicht darauf, wie unübersichtlich und verworren die Warenströme heute sind: Das macht die Lebensmittelwirtschaft – Handel wie Hersteller – so anfällig für Betrügereien.

Der Preisdruck der Supermarktketten und Discounter ist gnadenlos, die Lebensmittelhersteller sind gezwungen, überall auf der Welt Zutaten und vorverarbeitete Ware möglichst billig einzukaufen. Dabei wandert Fleisch über ein halbes Dutzend Ländergrenzen, vom Züchter zum Schlachter, in Tiefkühlhäuser, über Zwischenhändler, Weiterverarbeiter zum Hersteller. Am Ende kann kaum jemand mehr nachvollziehen, woher der Rohstoff, etwa das Rindfleisch, stammt.

Da ist auch Copack keine Ausnahme. Die 100-prozentige Tochter des Tiefkühlkostkonzerns Frosta aus Bremerhaven (Werbeslogan: „Tiefkühlkost mit dem Reinheitsgebot“) produziert ausschließlich Eigenmarken für die großen Discount- und Supermarktketten und erlöste da- mit 2011 rund 280 Millionen Euro. Und Copack steht augenscheinlich mächtig unter Druck.

Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr liegen zwar noch nicht vor, doch zur Situation in 2011 heißt es in der Bilanz des Mutterkonzerns Frosta: „Die Geschäftstätigkeit des Bereiches Copack war von einem extrem harten Wettbewerbsumfeld gekennzeichnet. Speziell die Private-Label-Kunden in Deutschland haben mit Preissenkungswellen einen hohen Preisdruck aufgebaut, was auch bei Copack zu einem starken Margendruck geführt hat. Der Umsatzrückgang und der damit verbundene absolute und relative Rückgang der Roherträge war dann auch Ursache für den Ertragsrückgang dieses Segments.“ In Zahlen heißt das: Gegenüber 2010 brach das Copack-Betriebsergebnis um mehr als 30 Prozent auf 9,5 Millionen Euro ein.

Und so wird bei Copack – wie in der gesamten Branche – gespart. Und gekauft, wo es eben billig ist.

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