
Berlin, FrankfurtWer in diesen Tagen wissen will, wo Berlins zentraler Flughafen liegt, der kann die nette kleine Smartphone-App "Flightradar24" bemühen. Ein Klick und schon werden alle Flugbewegungen rund um den Globus sichtbar, in Echtzeit. Im Berliner Norden sind es seit Anfang der Woche besonders viele. Tegel heißt der Flugplatz - Berlins alter und neuer Großflughafen. Lufthansa startet 87-mal am Tag, bisher gingen hier 62 Flüge ab. Beim Rivalen Air Berlin sind es pro Woche 52 Flüge mehr als vorher.
Die Zeiten in ihren neuen Flugplänen hatten die Airlines akribisch geplant. Nur der Ort war ein anderer: der Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Doch der kann wegen Baumängeln erst im März 2013 öffnen. Bis dahin darf Tegel den Titel Hauptstadtflughafen tragen, muss es.
Drangvolle Enge, abgewetzte Teppiche, veraltete Gepäckanlagen, lange Taxischlangen bei der Anfahrt - so beliebt der alte Flughafen wegen seiner Stadtnähe auch ist, er ist schlicht zu eng. Stephan Loge weiß um die Probleme des Provisoriums Tegel. Er ist Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises. Der hat über die Betriebserlaubnis für den neuen Flughafen zu entscheiden. Loge hat sie verweigert. Der automatische Brandschutz funktioniert noch nicht. Flughafen-Chef Rainer Schwarz wollte deshalb Plan B genehmigt bekommen, einen Handbetrieb etwa der Brandschutztüren. Doch Loge sagte Nein. Nun kann der Flughafen erst am 17. März nächsten Jahres in Betrieb gehen - Berlin ist zum Gespött einer ganzen Nation geworden.
"Eigentlich bin ich das ja nicht gewesen, sondern die Planer, die neun Monate Bauverzug hatten", sagt Loge. Seit zehn Jahren lebt der 52-Jährige in Lübben. "Die Mensch-Maschine-Schnittstelle ist ja in den vergangenen Wochen zu einem geflügelten Wort geworden", sagt er. Aber wie sich die Planer das vorstellen würden, das könne er nicht verstehen. "Wenn die Brandschutztüren nicht funktionieren, kann ein Flughafen nicht in Betrieb gehen." Man könne ja nicht an 1 000 Türen Aushilfen setzen, "mit einer Stullendose auf den Knien", die bei einem Brand panischen Fluggästen höflich die Tür aufhalten.
Ist so etwas eine überraschende Erkenntnis? Flughafenchef Schwarz sagt seit Wochen: Ja. Doch verstehen kann das keiner. Was also ist passiert? Nur scheibchenweise kommt die Wahrheit ans Licht. Handelsblatt-Reporter haben über Wochen recherchiert. Es sind vor allem sieben Fehler, die zu dem Desaster geführt haben.
- Seite 1: Sieben Todsünden machten BER zum Desaster
- Seite 2: Fehler 1: Die Managerstruktur
- Seite 3: Fehler 2: Die Aufsichtsratsbesetzung
- Seite 4: Fehler 3: Das Krisenmanagement
- Seite 5: Fehler 4: Mangelhafte Baukontrolle
- Seite 6: Fehler 5: Die Budgetplanung
- Seite 7: Fehler 6: Die Standortwahl
- Seite 8: Fehler 7: Die Ausschreibungspannen
























