Flughafen Frankfurt: „Ryanair-Rabatt ist eine richtig große Sauerei“

Flughafen Frankfurt: „Ryanair-Rabatt ist eine richtig große Sauerei“

, aktualisiert 18. November 2016, 11:29 Uhr
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Der Gebührenrabatt für den irischen Billigflieger schlägt weiter hohe Wellen.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Ryanair will ab Sommer 2017 von Frankfurt aus starten. Doch der Widerstand dagegen wächst. Vor allem der Gebührennachlass des Flughafenbetreibers Fraport steht in der Kritik. Der Condor-Chef findet deutliche Worte.

FrankfurtOb Stefan Schulte die klaren Worte des Condor-Chefs Ralf Teckentrup noch hörte oder nicht, keiner weiß es. Der Chef des Flughafenbetreibers Fraport kam am Donnerstagabend just in dem Moment zum alljährlichen Branchentreff mit dem Namen „Condor Talk Night“, als Teckentrup seine kurze Ansprache fast beendet hatte.

Und die hatte es in sich. „Der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold hat es immer Wegelagerei genannt. So weit will ich hier öffentlich nicht gehen“, sagte Teckentrup mit Blick auf die Gebührenpolitik der Flughäfen. Aber der Rabatt, den Fraport der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair einräumen wolle, sei „eine richtig große Sauerei“, wetterte der Condor-Chef unter großem Beifall im Saal.

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Ab kommendem Jahr stationiert Ryanair an Europas drittgrößtem Luftdrehkreuz zunächst zwei Flugzeuge, um die Flotte langfristig sogar mit weiteren Fliegern auszubauen. Fraport will Ryanair im ersten Jahr rund 50 Prozent der Gebühren erlassen. In den Folgejahren soll der Rabatt dann stückweise reduziert werden.

Condor erlöse im Schnitt 90 Euro pro Passagier. „Davon gehen 30 Euro an Fraport. Ryanair muss aber nur 15 Euro zahlen", rechnete Teckentrup vor. Das sei unfairer Wettbewerb denen gegenüber, die über Jahre als treue Systempartner des Flughafens mit ihren Gebühren den Ausbau des Airports erst ermöglicht hätten.

Der Condor-Chef ist nicht der einzige, dem die Ryanair-Pläne aufstoßen. Auch in der Landespolitik ist eine Debatte über die Praxis von Fraport entbrannt. So hat sich der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel gegen Ryanair ausgesprochen. Er nimmt allerdings nicht die Gebührenpraxis zum Anlass für seine Kritik, er verweist vielmehr auf die umstrittenen Arbeitsverhältnisse bei Ryanair mit angeblich schlechten Sozialstandards. „Die Ansiedlung von Ryanair ist für uns nicht wünschenswert“, so Schäfer-Gümbel.


Lautes Telefonat mit dem Lufthansa-Chef

Ryanair wehrt sich zwar vehement gegen diese Vorwürfe. Bei Ryanair könnten Piloten bis zu 170.000 Euro pro Jahr verdienen, würden weniger als 18 Stunden pro Woche fliegen, nach Dienstplänen mit fünf Arbeitstagen und vier freien Tagen arbeiten, kontert Pressechef Robin Kiely: „Die Piloten erhalten Gehaltserhöhungen und haben eine unvergleichliche Arbeitsplatzsicherheit, während andere deutsche Piloten streiken müssen, um Lohn-, Renten- und Arbeitskürzungen entgegenzuwirken.“

Doch die Debatte ist für die Pläne von Fraport und Ryanair äußerst gefährlich. Denn die Gebührenordnung ist noch nicht genehmigt. Und zustimmen muss der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Dem Grünen-Politiker dürfte die Entscheidung alles andere als leicht fallen. Und Fraport musste bereits einen ersten Gebührenentwurf vor Monaten zurückziehen, weil er keine Aussichten auf Genehmigung hatte.

Hinzu kommt: Üblich ist in der Branche, Airlines einen Rabatt einzuräumen, wenn sie neue Flugziele anbieten. Ryanair will etwa mit Palma de Mallorca aber Ziele ansteuern, die bereits mehrere Fluggesellschaften in Frankfurt in ihrem Flugplan haben.

Fraport-Chef Schulte hält die Gebührenordnung gleichwohl für angemessen. Er spricht von einem „branchenüblichen Anreizprogramm“. Seine wichtigsten „Home-Carrierer“ – allen voran Lufthansa – sehen das freilich anders. Zwischen Schulte und Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll es ein durchaus „lautes“ Telefongespräch zu dem Thema gegeben haben, berichten Insider. Und auch Teckentrup will die Situation nicht einfach hinnehmen: „Wir haben eine gute Beziehung zu Fraport, ich denke, dass wir das Thema in Gesprächen doch noch abwenden können.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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