Flughafen Hahn und die Chinesen: Bruchlandung auf dem Hunsrück-Airport

Flughafen Hahn und die Chinesen: Bruchlandung auf dem Hunsrück-Airport

, aktualisiert 30. Juni 2016, 18:04 Uhr
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Der Verkauf an chinesischer Investoren steht vor dem Aus.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Verkauf des Flughafens Hahn an chinesische Investoren steht vor dem Aus. Die Politik erlebt eine Neuauflage des Nürburgring-Debakels. Doch auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG müssen sich peinlichen Fragen stellen.

Mainz/DüsseldorfDer Verkauf des Flughafens Hahn wird zum Debakel – für die rheinland-pfälzische Landesregierung, aber auch für die Unternehmensberatung KPMG. Die Landtagsopposition erhöht angesichts der Turbulenzen den Druck auf Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Wir haben allen Grund zur Skepsis, wenn eine Landesregierung mit einem Phantom verhandelt“, sagte CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner in Mainz. „Das sieht nach Wählertäuschung aus.“

Es gehe um Millionen Euro und um Hunderte Arbeitsplätze am Flughafen Hahn. Der rheinland-pfälzische Landtag kommt am Donnerstag nächster Woche zu einer Sondersitzung zusammen, wie ein Landtagssprecher am Donnerstag mitteilte.

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Denn der Verkauf des verschuldeten Hunsrück-Airports an das chinesische Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT) ist offenbar geplatzt: Die Firma ist nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) mit einer vereinbarten Teilzahlung für Grundstücke in Verzug und hat eine Frist verstreichen lassen. Die Landesregierung stoppte den Verkaufsprozess vorerst.

Die Landesregierung betont, dass die Vertragsbeziehung zu dem chinesischen Unternehmen noch besteht. Notfalls soll aber mit zwei früheren Interessenten verhandelt werden. Einer von ihnen ist die ADC Group, der der China-Experte und frühere rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert vorsteht. Sie bietet als Kaufpreis einen Euro – und will Schulden in Millionenhöhe übernehmen.

Als Grund für die Verzögerung der Teilzahlung gab die SYT laut Innenminister Lewentz eine fehlende Genehmigung der chinesischen Regierung an. Die Landesregierung ist deshalb auch in Kontakt mit China. Sie prüft rechtliche Schritte gegen SYT.

Peinlich ist der Verkaufsstopp vor allem für KPMG. Vor dem Deal hatten die Wirtschaftsprüfer dem Käufer SYT noch attestiert, es gebe für Risiken keine Anhaltspunkte. Das habe man in einer „Integritätsprüfung“ herausgefunden. Auch Liquidität sei bei den Chinesen zur Genüge vorhanden.

Die Prüfungsfirma war von Mainz mit der Abwicklung des Verkaufs beauftragt worden, ein Bericht des Rundfunksenders SWR weckt nun aber schwere Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit. Denn „Anhaltspunkte für entsprechende Risiken“, die KPMG angeblich nicht vorlagen, fand der Sender mühelos bei einem Besuch des angeblichen SYT-Partners in Schanghai: Den vermeintlichen Geldgeber des chinesischen Hahn-Käufers, die „Shanghai Guo Qing Investment Company“, fanden die Reporter bei der angegebenen Firmenadresse nicht. Dafür einen Reifenhändler. Dieser hause in einem „leicht schäbigen Büro mit Pappkartons“.


Niemand kannte den angeblichen Investor niemand

Fragen lässt KPMG unbeantwortet. Was kontrolliert worden sei, dazu schweigt ein Sprecher. Der Prüfauftrag habe sich auf öffentlich zugängliche Quellen beschränkt, heißt es im Landtag. Das Telefonbuch von Schanghai gehörte offenbar nicht dazu. Die Adresse des Geldgebers liegt von der KPMG-Niederlassung kaum eine Autostunde entfernt.

Dabei hätte es für die Wirtschaftsprüfer und die Landesregierung zuletzt genügend Warnsignale gegeben. So hatte der SYT-Generalbevollmächtigte Yu Tao Chou öffentlich behauptet, er werde gemeinsam mit der Fracht-Airline Yangtze River Express nach der Übernahme des Flughafens das Frachtgeschäft ausbauen. Schließlich habe er als Cargo-Pilot für die Airline den Flughafen Hahn früher selbst angeflogen.

Der Fachdienst „Airliners.de“ dagegen schrieb vor drei Wochen: Von einer chinesischen Firma SYT oder deren Generalbevollmächtigtem hätten Manager von Yangtze noch nie gehört. Die Airline aus China, die ihre Verbindung in den Hunsrück 2015 einstellte, besitze keinerlei Pläne, Hahn wieder anzufliegen.

Auch bei der chinesischen Handelskammer in Deutschland kannte den angeblichen Investor niemand. Dort sei es Kollegen noch nicht einmal gelungen, die Firma SYT im chinesischen Internet zu finden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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