
Keine Toiletten an Bord, Diäten für Stewardessen, keine Eiswürfel im Drink - wenn es darum ging Kerosin zu sparen, war Ryanair-Chef Michael O'Leary bisher kein Vorschlag zu skurril. Doch mit seiner Sparwut scheint der Ire nun eine Grenze überschritten zu haben. Die Pilotengewerkschaft Cockpit erhebt schwere Vorwürfe gegen den Iren: Mit seinen strikten Vorgaben zum Benzinsparen gefährde der Ryanair-Chef die Sicherheit der Passagiere.
Die öffentliche Kritik der Piloten hat einen aktuellen Anlass: Ende Juli musste drei Flugzeuge von Ryanair, die auf dem Weg nach Madrid waren, in Valencia notlanden. Nachdem die Landung in Madrid sich wegen Wetterkapriolen verschoben hatte, drohte das Benzin auszugehen. Schon damals hatte der spanische Pilotenverband harte Kritik geübt: Ryanair setze seine Piloten unter Druck, möglichst wenig zu tanken und nehme so eine Treibstoffknappheit in Kauf.
Die Airline wehrte sich Ende August mit einer Unterlassungserklärung gegen die Vorwürfe. Doch jetzt erhalten die Spanier Rückendeckung von ihren deutschen Kollegen - und die verraten pikante Details über die Personalführung von Ryanair.
„Bei Ryanair ist es Praxis, Listen auszuhängen, auf denen die Piloten in der Reihenfolge ihres Treibstoffverbrauchs aufgelistet werden“, sagt Flugkapitän Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit. Die zwanzig Prozent mit dem geringsten Verbrauch würden ein Belobigungsschreiben und die zwanzig Prozent mit dem höchsten Verbrauch eine Aufforderung sich an die festgelegten Verfahren zu halten. „So wird psychologisch Druck ausgeübt“.
Ryanair hatte nach dem Vorfall in Valencia darauf hingewiesen, dass alle drei Flüge mit mehr als dreißig Minuten Resttreibstoff gelandet seien, was den Vorgaben der Industrie entspreche. Die Piloten halten die Angaben von Ryanair für widersprüchlich. Die Flugzeuge hätten sich einer kritischen Treibstoffmenge genähert, bei der Hersteller den Piloten empfehlen, besonders vorsichtig zu agieren, damit die Triebwerke nicht wegen mangelnder Treibstoffversorgung stehen bleiben. Von einer „normalen Landung“ zu sprechen sei eine „eklatante Verharmlosung“.





















