Frankreichs Luxusindustrie: Sind die goldenen Zeiten vorbei?

Frankreichs Luxusindustrie: Sind die goldenen Zeiten vorbei?

, aktualisiert 08. Oktober 2016, 09:08 Uhr
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Trotz schillernder Modeschau: Die Stimmung in der französischen Luxusindustrie ist gedämpft.

Quelle:Handelsblatt Online

Terrorserie in der Heimat, gebremstes Wachstum auf dem Boommarkt China – die Verkäufe der französischen Luxusindustrie laufen nicht mehr wie früher. Selbst Top-Hotels müssen hohe Preisnachlässe geben.

ParisBei der Pariser Modewoche zeigten bekannte Häuser wie Saint Laurent, Lanvin oder Dior in der vergangenen Woche ihre neuesten Kollektionen. Nennenswerte Absagen wegen der beispiellosen Terrorserie in Frankreich habe es bei den Schauen nicht gegeben, berichten Verantwortliche. „Es gibt keinen Grund, pessimistisch zu sein“, betont der Chef des Dachverbands der Mode-Schöpfer und -Designer, Pascal Morand, in der Zeitung „Le Monde“.

Die Stimmung in der Luxusindustrie, immer noch schillerndes Aushängeschild Frankreichs, ist jedoch alles andere als euphorisch. So leiden Top-Hotels und Edel-Restaurants, da insbesondere ausländische Touristen einen Bogen um die vielbesungene Hauptstadt machen.

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Pariser Tourismus-Verantwortliche berichteten im Hochsommer über Preisnachlässe in Fünf-Sterne-Häusern von 25 bis 45 Prozent. Einige Hotelpaläste hätten sogar ganze Etagen geschlossen, schrieb „Le Monde“. Der Sommer war geprägt vom Terrorattentat in Nizza mit letztlich 86 Toten, einem verlängerten Ausnahmezustand und schwerbewaffneten Soldaten auf den Straßen.

Die Entwicklung beim Fremdenverkehr macht Sorge, bis hin in die höchsten Etagen der Pariser Politik. Denn Frankreich will unbedingt seinen Platz als Tourismusland Nummer Eins mit 84,5 Millionen ausländischen Besuchern (2015) halten.

Der spektakuläre Überfall am vergangenen Wochenende auf das US-Sternchen Kim Kardashian dürfte weiter am Image der Metropole Paris kratzen: Maskierte Räuber bedrohten die 35-Jährige und erbeuteten Schmuck im Wert von rund neun Millionen Euro.

Wenn Reiche weniger reisen, trifft dies die ganze Branche. „Wir haben eine Besonderheit, unsere Häuser werden von Touristen gestützt“, bilanziert Guillaume de Seynes, einer der Chefs des Traditionsunternehmens Hermès und Präsident der Luxus-Verbandes „Comité Colbert“.


Verschwiegener Glitzer-Sektor

Die Branche sei nicht nur mit den Terrorattentaten in Frankreich konfrontiert, sondern beispielsweise auch mit einem langsameren Wirtschaftswachstum in China. Zum Colbert-Komitee gehören klingende Namen wie Bollinger-Champagner, der für seine Polohemden bekannte Hersteller Lacoste oder das Ritz-Hotel an der Pariser Place Vendôme.

De Seynes berichtet, die Luxusindustrie habe über 20 Jahre hinweg von aufstrebenden Märkten profitiert, insbesondere in Asien. Der Sektor ist wichtig für Frankreich, dessen Wirtschaft sonst weniger glänzend dasteht. Das Beratungsunternehmen Deloitte berichtete im Sommer, das Land sei immer noch „Luxus-Königin“, mit einem Weltmarktanteil von knapp einem Viertel. Ein Zehntel der 100 weltweiten Topunternehmen seien französisch.

Nach viel Glamour bei den Modeschauen stellen sich Branchenkenner aber die Frage, ob die goldenen Jahre der Luxusindustrie vorbei sind. Sie verweisen dabei auch auf jüngste Geschäftszahlen der französischen Branchenriesen LVMH und Kering.

In dem Glitzer-Sektor gibt es auch Unternehmen, die sehr diskret sind. So ist das Haus Chanel stolz darauf, überhaupt keine Zahlen zu veröffentlichen. Medien enthüllten unlängst mit Verweis auf ihnen vorliegende Dokumente, Chanel habe im vergangenen Jahr ungeachtet eines deutlichen Umsatzrückgangs eine Dividende an die Besitzer Alain und Gérard Wertheimer von zusammen knapp 1,5 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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