Früherer Lego-Produktdesigner: „Als ich in Billund anfing, bin ich etwas ausgeflippt“

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InterviewFrüherer Lego-Produktdesigner: „Als ich in Billund anfing, bin ich etwas ausgeflippt“

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Eine Eigenkreation des früheren Lego-Designers

von Niklas Dummer

Jordan R. Schwartz war einer der jüngsten Produktdesigner, der je für Lego gearbeitet hat. Im Gespräch erzählt er, wie die Firma Erwachsene als Zielgruppe entdeckte, die digitale Welt eroberte und wie er zu dem Job kam.

Herr Schwartz, Sie schreiben in Ihrem Buch „Lego kreativ“, dass die Lego Group jedes Jahr mehr und mehr Produkte für Erwachsene auf den Markt bringt. Ist das eine bewusste Entscheidung des Unternehmens?
Die Lego Group möchte so viele Kunden wie möglich erreichen. Da ist es nur logisch, dass sie mehr Produkte für Erwachsene produziert. Das Unternehmen sieht sie mittlerweile als eigene Zielgruppe, die ziemlich zahlungskräftig ist. 

Zur Person

  • Jordan R. Schwartz

    Jordan R. Schwartz wurde in Rhode Island, USA, geboren. Er fing 2011 bei Lego als Produktdesigner an. 2014 veröffentlichte er das Buch "Lego kreativ: Außergewöhnliche Wege zu tollen Modellen". Mittlerweile studiert der 23-Jährige Kreatives Schreiben in Providence.

Früher war das anders. Was hat sich geändert?
Das Internet hat bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt. Auf Lego-Fanseiten tummeln sich Klötzchenfreunde aus der ganzen Welt. Erwachsene, die früher dachten, Lego sei für Kinder und ihr Hobby lieber für sich behielten, waren auf einmal nicht mehr allein mit ihrem Hobby. Im Internet tauschten sie sich mit Tausenden über die neuesten Produkte aus und, was viel wichtiger ist, sie zeigten anderen ihre eigenen Kreationen. 

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Inwiefern ist das wichtiger?
Vergleicht man die besten selbstentworfenen Modelle von vor zehn Jahren mit denen von heute, sieht man, dass die Qualität sich deutlich gesteigert hat. Die Fan-Modelle werden ständig komplexer, weil die Fans ihre Werke präsentieren können und voneinander lernen.

Die Geschichte Legos

  • Die Gründung

    1932 gründete der dänische Tischlermeister Ole Kirk Christiansen Lego. Der Name setzte sich zusammen aus „leg godt“, was so viel heißt wie: „spiel gut“. Zu Anfang stellte das Unternehmen noch Holzspielzeug her.

  • Die ersten Plastiksteine

    Ein Legostein, der dem heutigen Modell schon sehr ähnelt, wurde 1949 eingeführt. Die Oberseite war mit Noppen besetzt – wie es bis heute noch ist. Allerdings war die Unterseite hohl. Daraus resultierte ein Mangel an Stabilität.

  • Stabilität für den Stein

    Geschaffen wurde die Stabilität, die Lego so beliebt macht, 1958. Statt des Hohlraums befanden sich an der Unterseite der Steine nun Röhren, die dafür sorgten, dass die Steine fortan sehr gut hielten.

  • Lego baut Modellfahrzeuge

    Von 1956 bis 1970 produzierte Lego Modellfahrzeuge nach realen Vorbildern. Insgesamt 16 Fahrzeuge gab es – diese konnten mit den bereits verkauften Klötzen kombiniert werden.

  • Das Lego-Männchen

    1974 wurden erstmals Lego-Figuren mit drehbaren Köpfen und Armen verkauft. Die Körper wurden damals noch aus herkömmlichen Steinen gebaut. Im selben Jahr kamen Figuren mit drehbaren Köpfen auf den Markt, die den heutigen Figuren sehr ähneln. Allerdings hatten sie noch keine bemalten Gesichter. Seit 1978 werden die sogenannten „Minifigs“ produziert – die heute bekannten Figuren.

  • Die Beinahe-Insolvenz

    2003 musste Lego große Verluste hinnehmen – rund 120 Millionen Euro verlor das Unternehmen und stand kurz vor der Insolvenz.

  • Die Wende

    Deswegen übernahm ab 2004 der damals 36-jährige Jørgen Vig Knudstorp die Geschäftsführung. Der frühere Mitarbeiter von McKinsey war der erste Lego-Chef, der nicht zur Gründungsfamilie gehörte. Indem er zurück zum Kerngeschäft kehrte, die Zahl der Teile drastisch reduzierte und Legos Kindermarke Duplo wieder einführte, brachte er den Konzern zurück auf Gewinnkurs.

  • Der Einstieg in die digitale Welt

    Unter Knudstorp schaffte Lego auch den Sprung in die digitale Welt. Warner Brothers produzierte für Lego den Film „Lego the Movie“, es gibt mittlerweile Online-Games, Computer-Spiele und Apps. Mit all diesen Mitteln wirbt Lego für sein Kerngeschäft – die Klötzchen.

Was fasziniert Erwachsene so sehr an diesem vermeintlichen Kinderspielzeug? Sie bauen ja selbst bis heute Lego-Modelle.
Wahrscheinlich ist es die Vielseitigkeit der Plastiksteine. Aus dem gleichen Set können Sie ein Piratenschiff bauen oder ein Raumschiff – oder was die Phantasie sonst so hergibt. Außerdem fordern die Steine die Kreativität des Spielers heraus, indem sie in sich beschränkt sind. Mit ihnen kann man fast nur Formen im Rahmen Klötzchenästhetik kreieren. Für mich besteht die Herausforderung vor allem darin, Dinge aus Lego zu bauen, die nicht aussehen, als seien sie aus Lego gebaut. Das ist ganz schön schwierig. Aber gerade wenn es um Lego geht, bedeutet die zunehmende Komplexität Spaß. 

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