Fusion: Deutsche Börse und Nyse machen Zugeständnisse

Fusion: Deutsche Börse und Nyse machen Zugeständnisse

, aktualisiert 18. November 2011, 14:48 Uhr
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In den Fusionsverhandlungen haben die beiden Partner der EU Zugeständnisse gemacht.

Quelle:Handelsblatt Online

In den Verhandlungen um die geplante Fusion von Deutscher Börse und Nyse haben die beiden Unternehmen der EU Zugeständnisse gemacht. Dadurch erhoffen sich die Partner die Zustimmung bis Anfang 2012.

FrankfurtIn das zähe Ringen um den Zusammenschluss der Frankfurter und der New Yorker Börse zum weltgrößten Finanz-Handelsplatz kommt Bewegung. Die Deutsche Börse und ihr Fusionspartner Nyse Euronext boten EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia Zugeständnisse an, um die neun Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro) schwere transatlantische Börsen-Allianz noch zu retten. Die EU will vor allem ihre Marktmacht im Handel mit Optionen und anderen Derivate-Papieren beschneiden. Die Börsen schlugen am Freitag vor, sich von einem Teil des Europa-Geschäfts mit Aktienderivaten zu trennen und ihre Clearing-Tochter für andere Börsenbetreiber zu öffnen. Dennoch bleibe „die überzeugende industrielle Logik der Transaktion“ gewahrt, erklärten sie.

Der Widerstand der EU gilt als größte Hürde auf dem Weg zu der vor neun Monaten angekündigten Börsenfusion. Almunia hatte schwere Bedenken geäußert, die die Fusionspartner auszuräumen versuchen. Dem Kommissar stößt vor allem die dominierende Rolle der Deutsche-Börse-Tochter Eurex und der zu Nyse gehörenden Londoner Derivatebörse Liffe im europäischen Derivatehandel auf. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte argumentiert, dass der Handel mit den hochspekulativen Derivaten - Wetten auf die Entwicklung bestimmter Papiere oder Märkte - längst ein globales Geschäft sei und die wahre Konkurrenz in außerbörslichen, kaum regulierten Handelsplätzen liege, über die mehr als vier Fünftel des Handels abgwickelt würden. Die EU will den Handel oder die Abwicklung an die regulierten Börsen zurückbringen.

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Börsianer und Juristen zeigten sich erleichtert: Die Aktie der Deutschen Börse war mit einem Plus von 4,7 Prozent größter Kursgewinner im deutschen Aktienindex Dax. „Erst habe ich mich gefragt: Was machen die denn? Aber auf den zweiten Blick ist das gar nicht so schlecht“, sagte Analyst Christian Muschick von Sylvia Quandt Research. Deutsche Börse und Nyse gäben nicht zu viel auf. Rechtsanwalt Martin Bechtold von Allen & Overy lobte, dass die beiden Unternehmen auch Strukturmaßnahmen vorgeschlagen hätten. Sie seien eine gute Basis für Verhandlungen. „Aus Sicht der Unternehmen sind das große Konzessionen - ich weiß nicht, ob auch aus Sicht der Kommission.“ Nyse-Chef Niederauer - der auch die gemeinsame Börse operativ leiten soll - und Francioni hatten Einsparungen von 400 Millionen Euro durch den Zusammenschluss in Aussicht gestellt.

Grundsätzlich beharren die Fusionspartner auf ihrer Haltung: „Deutsche Börse und NYSE Euronext glauben nach wie vor, dass die Transaktion keinen nachteiligen Effekt auf den Wettbewerb haben wird, sondern diesen fördern wird, indem ein reguliertes, stabiles und transparentes europäisches Gegengewicht zu den etablierten Marktzentren in Amerika und Asien geschaffen wird und die Nutzer des Marktplätze erhebliche Effizienzsteigerungen erhalten werden.“ Insidern zufolge hatten die Deutsche Börse und die Nyse ihre Konzessionen am Donnerstagabend quasi in letzter Minute eingereicht.

Kommissions-Sprecherin Amelia Torres bestätigte den Eingang der Vorschläge. Die EU hat nun bis zum 23. Januar Zeit, sich ein Urteil zu bilden. Bisher wäre ihr Votum am 22. Dezember fällig gewesen. Deutsche Börse und Nyse hoffen, die Fusion wenig später endlich vollziehen zu können - fast zwölf Monate nach der Ankündigung.

Die Fusionspartner bieten der EU an, sich von Teilen des europäischen Geschäfts mit Derivaten auf einzelne Aktien zu trennen, wo sich die Nyse-Tochter Liffe und die Deutsche-Börse-Tochter Eurex überlappen: Nyse Euronext behält nur das Options-Geschäft auf ihren beiden Heimatmärkten Paris und Amsterdam, dort zieht sich stattdessen die Deutsche Börse zurück.

Auch der Nyse-Abwickler BClear soll abgegeben werden. Eurex Clearing, die zur Deutschen Börse gehört und Derivate auf Zinsprodukte und auf Aktienindizes abwickelt, soll anderen Börsenbetreibern wie der Londoner LSE und der Chicagoer CME Zugang zu ihren Dienstleistungen geben. Dieser gilt aber nur für „innovative“ Produkte. Damit wollen Francioni und Niederauer der Furcht begegnen, dass die Riesenbörse so viel Liquidität an sich bindet, dass andere Handelsplätze auszutrocknen drohen. Zugleich soll verhindert werden, dass LSE oder CME einfach die Abwicklung ihrer bestehenden Derivate auf die Eurex verlagern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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