Fusion mit Kaufhof?: Wie es bei Karstadt weitergeht

Fusion mit Kaufhof?: Wie es bei Karstadt weitergeht

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Wie geht es mit Karstadt weiter?

Nach dem Ausstieg von Nicolas Berggruen ist die Unsicherheit unter den Karstadt-Mitarbeitern groß. Die Erwartungen an René Benko sind hoch. Zudem gibt es neue Spekulationen über eine Fusion mit Konkurrent Kaufhof.

Nach dem Eigentümerwechsel bei Karstadt hat Aufsichtsratschef Stephan Fanderl ein zügiges Vorgehen bei der Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette angekündigt: „Es gibt viel zu tun, wir werden die nächsten wichtigen Schritte einleiten“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Durch den neuen Eigentümer herrscht nun endlich Klarheit.“ Bereits am kommenden Donnerstag will der Aufsichtsrat über eine Sanierungsstrategie beraten. Ein bis zwei Jahre veranschlage René Benko für den Umbau.

Bisweilen gehen die Spekulationen über die Zukunft des angeschlagenen Handelsriesen weiter. Die Gerüchte über eine Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof bekommen neue Nahrung. Für spätestens 2016, wenn Karstadt saniert ist, peilt Neu-Eigentümer Benko angeblich den Zusammenschluss zu einer großen Kette an. Der vermeintliche „Geheimplan“ Warenhaus AG soll laut "Handelsblatt" der große Schlussakt im Spiel des Investors sein.

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Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.


Gerüchte über einen Zusammenschluss der beiden Warenhaus-Riesen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Sie scheiterten am Kaufpreis oder an der Frage, welche Standorte erhalten bleiben sollten. Zuletzt stießen die Pläne vor allem bei Kaufhof auf wenig Gegenliebe. Im Vergleich zu Karstadt geht es der Warenhauskette der Metro-Gruppe nämlich deutlich besser. „Ein Zusammenschluss mit Karstadt würde Kaufhof in der Entwicklung drei Jahre kosten. Wir kommen sehr gut alleine zurecht“, sagte Kaufhof-Chef Lovro Mandac der WirtschaftsWoche noch im Winter. Interessant für eine Übernahme seien nur einzelne Standorte.

„Aber wir brauchen keine zweite Verwaltung, Logistik, IT und, und, und. Ich sehe da keine Möglichkeit, es sei denn, die Läden würden uns geschenkt“, so Mandac. Aber zu verschenken hat Benko wohl kaum etwas. Auch wenn der Österreicher die Warenhauskette für nur einen Euro gekauft hat, wird er Millionen in die Sanierung stecken müssen.

Angst vor Schließungen

In der Karstadt-Belegschaft wachsen derweil die Sorgen um die Überlebenschancen vieler Standorte. 20 der 83 Karstadt-Filialen gelten als defizitär. Sie stehen auf einer roten Listen. Wenn keine Chance besteht, die Häuser in die Gewinnzone zu bringen, sollen sie geschlossen werden. Attraktive Standorte sollen demnach in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden.

Übernahme der Warenhauskette Milliardärs-Grab Karstadt

Als Retter gestartet, als Versager geendet. Warum bisher alle Manager und Eigentümer bei der Sanierung des Warenhauskonzerns Karstadt gescheitert sind – und sich auch René Benko schwer tun wird.

Quelle: dpa

Die Gewerkschaft Verdi hat vom neuen Karstadt-Eigentümer ein umfassendes Konzept für die Zukunft gefordert. „Es muss tragfähig, es muss nachhaltig sein. Es braucht eine Strategie. Dazu gehört: Wie müssen die Sortimente aussehen, wie sollen die Häuser an den einzelnen Standorten ausgerichtet sein, damit die Arbeitsplätze sicher sind“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag im Bayerischen Rundfunk.

Jetzt gehe es darum, „existenzsichernde Einkommen zu erhalten und den Menschen zur Verfügung zu stellen, existenzsichernde Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge“, so Nutzenberger weiter. Darüber werde man mit dem Eigentümer und dem Management nun reden.

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Die Karstadt-Beschäftigten sind nach ihren Worten vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen „bitter enttäuscht“. Sie hätten erwartet, dass Berggruen „mit einer hohen Motivation und vor allen Dingen mit Geld bei Karstadt einsteigt, dass Investitionen vorgenommen werden.“ Das sei aber nicht in dieser Form geschehen.

Berggruen hatte in der „Bild“-Zeitung Fehler im Management von Karstadt eingeräumt, gleichzeitig aber Vorwürfe zurückgewiesen, sich am Unternehmen bereichert zu haben. Nach Einschätzung von Karstadt-Aufsichtsrat Arno Peukes hat Berggruen aber kräftig an dem maroden Warenhauskonzern verdient. "Berggruen hat mit Karstadt bisher 40 bis 50 Millionen Euro verdient“, sagte er gegenüber der WirtschaftsWoche

Mit Material von dpa

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