Fußball-WM: Englands Aus trifft auch die Sportkonzerne

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Fußball-WM: Englands Aus trifft auch die Sportkonzerne

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Adidas Vorstandschef Herbert Hainer: Mit der deutschen Elf und Argentinien hat Adidas noch Kandidaten im Rennen, die das Zeug haben, das Finale zu erreichen.

von Peter Steinkirchner

Prominente Teams wie Spanien und England verabschieden sich von der WM – zum Leidwesen der Ausrüster. Dennoch will Fifa-Partner Adidas dank der WM erstmals mehr als zwei Milliarden Euro mit Fußballprodukten umsetzen. Doch vor allem ein Außenseiter punktet.

Der Tag, an dem sich in Spanien König Juan Carlos aufs Altenteil zurückzog und Amt und Würden seinem Sohn übertrug, er ist zugleich ein Einschnitt in der Geschichte des spanischen Fußballs. Als Weltmeister nach Brasilien gereist, müssen Ramos, Alonso und Iniesta schon vorzeitig vor dem letzten Gruppenspiel beim wichtigsten Turnier die Segel streichen. Wenn es ernst wird und die Ko-Runde beginnt, sitzen Spaniens Heroen längst wieder daheim vor dem Fernseher.

Das Aus für die stolzen Iberer, die zuletzt in Reihenfolge zwei Mal Europameister und ein Mal Weltmeister waren und deren königlicher Verein Real Madrid zuletzt im Mai in einem rein spanischen Duell die Champions League gewann, trifft nicht nur Fans und Fußballer. Auch im fernen Herzogenaurach durchkreuzt das Scheitern des Teams einige Hoffnungen. Der Dax-Konzern Adidas rüstet Spanien aus, die stolz-roten Trikots des gestürzten Weltmeisters hätten sich wohl noch um einiges besser verkauft, wäre die Elf länger im Turnier geblieben.

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Doch es gibt auch Trost für Vorstandschef Herbert Hainer, der am heutigen Dienstag eine Wasserstandsmeldung zum Fußball-Umsatz von Europas größtem Sportkonzern abgeben will: Mit der deutschen Elf und den Argentiniern um Lionel Messi haben die Franken noch weitere Kandidaten im Rennen, die das Zeug haben, bis ins Finale zu kommen. Und nicht nur Adidas verzeichnet Verluste: Konkurrent Nike, mit zehn ausgerüsteten Mannschaften diesmal der Hersteller mit den meisten WM-Teams, muss sich für den Rest des Turniers wohl nach neuen Helden umsehen: Der angebliche Superstar Cristiano Ronaldo aus Portugal fiel etwa im Spiel gegen Deutschland mehr mit Theatralik auf als mit Fußballkunst.

Small Talk WM

  • Längste Anreise zur WM

    Zwei Wochen brauchte die rumänische Nationalmannschaft im Sommer 1930 von Bukarest nach Montevideo. Außer ihr hatten nur drei weitere europäische Vereine den Weg nach Uruguay auf sich genommen – nämlich Belgien, Frankreich und Jugoslawien. Bei dieser ersten Fußball-WM gab es keine Qualifikationsrunde. Jede Nationalmannschaft, die Lust hatte, konnte teilnehmen.

  • Ärgerliche Verletzung

    Kommt die Sprache auf Spieler die verletzungsbedingt ausfallen, wie der Franzose Franck Ribéry oder Marco Reus, könnten Sie folgende Anekdote zum Besten geben: Dem spanischen Nationaltorwart Santiago Cañizares vermasselte eine Flasche mit Aftershave die Teilnahme an der WM 2002. Er wollte sich gerade im Badezimmer frisch machen, um mit seiner Mannschaft zu Abend zu essen, da viel ihm die Flasche hinunter. Aus Reflex versuchte Cañizares sie mit dem Fuß aufzufangen – aber keine Chance. Die Flasche zersplitterte, eine Scherbe durchtrennte eine Sehne im Fuß des Torwarts. Die WM war für ihn gelaufen.

  • Ungeschlagen ausgeschieden

    Reiht sich Unentschieden an Unentschieden und Ihre Gesprächspartner sind sich schon einig, dass diese Ergebnisse für die Gruppenphase schon reichen werden, erwähnen Sie Neuseeland und die WM 2010. Ungeschlagen und mit drei Punkten im Gepäck verabschiedete sich die neuseeländische Nationalmannschaft nach Hause.

  • Der Hattrick-BH

    Auch wer sich auf dem Themengebiet Mode wohler fühlt, findet bei Fußball-Weltmeisterschaften immer wieder Anknüpfungspunkte. Zum Beispiel in Form des Hattrick-BHs, den ein japanischer Unterwäscheproduzent im Jahr 2002 pünktlich zur WM auf den Markt brachte. Die Körbchen des Büstenhalters waren mit Netzstoff überzogen und der BH für 145 Euro zu erstehen.

  • Nie wieder Steuern zahlen

    Das gilt für die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft von 1970. Nachdem die Brasilianer in Mexiko den WM-Titel gewonnen hatten, wurden sie in ihrem Heimatland von der Steuerpflicht befreit.

  • Hitze-Training

    Viel diskutiert: Das Klima in Brasilien. Deutsche Fußball-Fans fürchten, dass die europäischen Mannschaften mit dem südamerikanischen Wetter nicht zurechtkommen ­– auch während der WM wird darüber weiterhin hitzig diskutiert werden. Ihr Anknüpfungspunkt: Die WM 1950 in Brasilien. Die Engländer hatten versucht, sich auf die Wärme vorzubereiten. Die Mannschaft trainierte in einem ehemaligen Flugzeug-Hangar, in den heiße Luft gepumpt wurde. Doch damit nicht genug: die Spieler mussten zusätzlich langärmlige Pullover tragen. Das Ergebnis des harten Trainings: Vorrunden-Aus.       

  • Einsilbige Spieler

    Interviews mit Fußballern direkt nach dem Spiel haben meist einen geringen Mehrwert. Sie sind total ausgelaugt; bedienen sich der Phrasen, die ihnen die Medientrainer beigebracht haben. Ganz anders bei einer WM-Anekdote, die Sie bezüglich Interviews erzählen könnten. Abwehrspieler Paul Janes gab nämlich nach der WM 1934 in Italien ein legendäres Interview, das sich wie folgt liest: „Herr Janes, Sie waren mit der Nationalelf in Italien?“ - „Ja.“ - „Sind Sie mit dem Abschneiden zufrieden?“ - „Ja.“ - „Hätten Sie Weltmeister werden können?“ - „Nein.“ - „Der dritte Platz tut es auch?“ - „Ja.“ - „Wie war es in Italien?“ - „Warm.“

Nur im Fußball liegt Adidas noch vor Nike

Und Englands ewige Sturmhoffnung Wayne Rooney gelang gegen Uruguay zwar endlich sein erster Treffer bei einer WM – erstaunlich, wie er da überhaupt so früh zum Weltstar ausgerufen werden konnte – doch für mehr reicht es für die immerhin schick gekleideten Briten nicht mehr. Immerhin sorgen Niederländer und das Heimteam aus Brasilien dafür, dass auch der US-Konzern weiter prominent im Rennen bleibt.

Besonders für Adidas geht es beim Zweikampf der Branchen-Giganten um sehr viel: Fußball ist weltweit noch die einzige wichtige Sportart, in der sich die Franken vor dem US-Konkurrenten sehen. Mit aller Macht versuchen sie, den Platz zu halten, auch, um den Umsatzabstand zum US-Konkurrenten nicht noch größer werden zu lassen als es ohnehin schon der Fall ist.

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