
Die schweren Lederbügel senken sich langsam über den Köpfen der Kinder, die sich voller Erwartung auf den kommenden Nervenkitzel in die Sitze pressen. Laute Hip-Hop-Musik dröhnt aus den Boxen, in grellen Farben blinken und blitzen die Lichter an den Stahlkonstruktionen. Es riecht nach gebrannten Mandeln, Popcorn und Bratwürsten. Dann beginnt der 23 Meter lange Stahlstab, um dessen Ende herum die 16 Besucher sitzen, hin- und herzuschwingen. Er schwingt höher und höher, das Gekreische wird immer lauter, bis er sich schließlich einmal in die Vertikale stellt und die Adrenalinsüchtigen über Kopf durch die Luft wirbelt und dabei noch einmal um sich selbst dreht.
Besitzer Ronny Langenberg sitzt unten in seinem Häuschen auf der Haaner Kirmes in der Nähe von Düsseldorf, kontrolliert die Fahrt des „Salto Mortale“ und spornt seine Fahrgäste laut über das Mikrofon an: „So, wie schaut’s aus, könnt ihr noch, und wollt ihr noch“, bevor er sie ein weiteres Mal über Kopf durch die Luft schleudern lässt. Vor Kurzem hat der 29-Jährige den „Salto Mortale“ allerdings für einige Monate im Lager eingemottet und verkauft jetzt Crèpes auf den Weihnachtsmärkten in Bochum und Mülheim.
Bild: Handelsblatt OnlineUm echte Weihnachtsmarktstimmung zu genießen, sollte man nach einer aktuellen Studie nach Süddeutschland fahren. Die festlichsten und weihnachtlichsten Märkte gibt es nach der Studie nämlich in Städten wie Wiesbaden (Weihnachtsmärkte ab 27.11.), Mainz (ab 29.11.), Heidelberg (seit 21.11.) und Karlsruhe (Foto, öffnet am 29.11.).
Das hat eine von Studenten der FH Südwestfalen in Hagen durchgeführte Befragung unter mehr als 5000 Weihnachtsmarkt-Besuchern ergeben. Die Studenten hatten an zwei Adventswochenenden im vergangenen Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum Weihnachtsmarktbesucher nach dem Zufallsprinzip befragt. Dabei durften mehrere Weihnachtsmärkte genannt werden, insgesamt kamen 13.000 Bewertungen zusammen.
Bild: dapdAuch in der bayrischen Hauptstadt München wird es ab dem 30. November weihnachtlich. Dann eröffnet der traditionelle Christkindlmarkt auf dem Marienplatz. Zahlreiche Marktstände bieten Spielzeug und Kunsthandwerk, Kerzen und Keramik, Glühwein und Lebkuchen an. Wer den Lichterketten folgt, wird auch seinen Weg zu dem wohl größtem Kripperlmarkt Deutschlands. Dort können Besucher von der Laterne bis zum Stall alles ersteigern, was zu einer Krippe gehört.
„Am bekanntesten sind zwar die Märkte in München, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg und Köln, doch zu den Spitzenreitern in Sachen Weihnachtlichkeit und Gemütlichkeit gehören sie nicht“, sagt Studienleiter Professor Gunther Bamler zu den Kernergebnissen der Studie. So schneidet auch der Münchener Markt nur mittelmäßig ab. Viele Besucher empfinden ihn als zu hektisch.
Bild: dpaEinen guten Ruf hat sich auch der Weihnachtsmarkt in Leipzig erarbeitet, der ab dem 27. November erneut unzählige Besucher in die Stadt locken wird. Mit seinen rund 250 Ständen auf dem Leipziger Marktplatz ist er einer der größten und schönsten Weihnachtsmärkte in Deutschland.
Laut Bamler werden Veranstaltungen auf Plätzen mit geschlossener Bebauung als gemütlicher empfunden. „Wenn dann noch ein festlich beleuchteter Dom oder ein Rathaus dabei ist, ist es perfekt.“ Auch der Aufbau der Buden sei wichtig. „Wenn die Budengasse zu breit ist, kommt keine Stimmung auf.“ Zu eng könne es hingegen - abgesehen von Sicherheitsaspekten - nicht sein.
Bild: dpaDortmund bietet seit Jahren traditionell einen rund 45 Meter hohen Weihnachtsbaum, der seit dem 22. November bestaunt werden kann. Der gigantische Nadelbaum besteht aus 1700 Rotfichten. Ganze 48.000 LED-Lämpchen den nadelnden Koloss mit überdimensionalem Christbaumschmuck.
Gerade für die Innenstädte sind Weihnachtsmärkte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Zwischen 20 und 30 Euro gibt der durchschnittliche Besucher auf dem Weihnachtsmarkt aus“, sagt Bamler. Doch es gebe auch Ausreißer: In Dortmund werden durchschnittlich nur knapp elf Euro ausgegeben. Dafür könnten die umliegenden Geschäfte aber noch mit fast 100 Euro Umsatz pro Weihnachtsmarkt-Besucher rechnen.
Bild: dpaBerlins größter Weihnachtsmarkt zählt rund 250 Stände in der Woche und über 400 an den Wochenenden. Ab dem heutigen Montag, 26. November, eröffnet er zum 39. Mal in der Spandauer Altstadt. Für Unterhaltung sorgen die verschiedenen Bühnenprogramme auf dem Marktplatz und dem Reformationsplatz an der Nikolai Kirche. Auf dem dazugehörigen Mittelaltermarkt sind zudem die Narren los, samt Feuerrädern oder Dudelsäcken.
Wer in Berlin die Weihnachtsstimmung genießen will, kann das aber auch an vielen anderen Orten der Stadt tun. So öffnen etwa die Buden am Gendarmenmarkt ebenfalls am 26. November. Laut der Studie bilden sie den Spitzenreiter in Sachen Erlebnis und den Weihnachtsmarkt mit dem besten Angebot. Allerdings sei er auch der Markt mit dem am wenigsten freundlichen Personal, sagt Bamler – typisch Berlin eben, möchte man sagen.
Bild: Handelsblatt OnlineAm freundlichsten bedient fühlten sich die Besucher in Gelsenkirchen (seit 23.11.), Zwickau (ab 28.11.) und Konstanz (ab 29.11.). Der Markt in Gelsenkirchen belegte bei der Untersuchung allerdings auch jeweils den ersten Platz als kommerziellster und langweiligster Markt.
Bild: dapdDer Dresdner Striezelmarkt ist einer der ältesten Deutschlands. In diesem Jahr lädt er auf dem Dresdner Altmarkt das 578. Mal zum Bummeln ein. Ab dem 28. November präsentieren Schausteller unter anderem Töpferhandwerk - die erzgebirgische Volkskunst - und das Bäckerhandwerk mit dem traditionellen Dresdner Christstollen.
Ein Höhepunkt wird das Stollenfest am 4. Dezember sein. An diesem Tag wird ein etwa vier Tonnen schwerer Christstollen in einem Festumzug vom Zwinger zum Altmarkt gefahren, mit einem 1,6 Meter langen Stollenmesser zerteilt und anschließend portionsweise verkauft.
Bild: dpaVor der imposanten Kulisse des Mariendoms und der Severikirche lockt der Erfurter Weihnachtsmarkt ab dem 27. November zu einem Besuch. Der traditionelle Markt gilt als einer der schönsten in Deutschland und als größter in Thüringen.
Eine zirka 20 Meter hohe, festlich beleuchtete Weihnachtstanne, die Weihnachtskrippe mit 14 handgeschnitzten Holzfiguren und die 12 Meter hohe Weihnachtspyramide gehören zu den Attraktionen. In über 200 Holzhäusern können sich Besucher unter anderem Thüringer Spezialitäten, wie das Erfurter Schnittchen und die Thüringer Bratwurst, genehmigen.
Bild: dpaRund um den Dom und das Rathaus in Aachen haben seit dem 23. November die Weihnachtsmarktbuden geöffnet. Alljährlich finden sich über 100 Handwerker, Künstler und Gastronomen hier ein. Stadttypisch ist das Aachener Backwerk wie Printen, die durch geschnitzte Holzschablonen verschiedene Formen erhalten, Lebkuchen und Spekulatius.
Bild: dpaDeutschlands wohl berühmtester Weihnachtsmarkt ist der Nürnberger Christkindlmarkt. Ab dem 30. November sorgen über 180 Holzbuden, dekoriert mit rot-weißem Stoff, für besinnliche Stimmung. Die Marktleute bieten traditionelle Waren wie Lebkuchen, Rauschgoldengel, Krippen oder „Zwetschgenmännle" aus getrockneten Pflaumen an. Ein besonderes Highlight ist der Lichterzug zur Nürnberger Burg am 13. Dezember.
Um echte Weihnachtsmarktstimmung zu genießen, sollte man nach einer aktuellen Studie nach Süddeutschland fahren. Die festlichsten und weihnachtlichsten Märkte gibt es nach der Studie nämlich in Städten wie Wiesbaden (Weihnachtsmärkte ab 27.11.), Mainz (ab 29.11.), Heidelberg (seit 21.11.) und Karlsruhe (Foto, öffnet am 29.11.).
Das hat eine von Studenten der FH Südwestfalen in Hagen durchgeführte Befragung unter mehr als 5000 Weihnachtsmarkt-Besuchern ergeben. Die Studenten hatten an zwei Adventswochenenden im vergangenen Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum Weihnachtsmarktbesucher nach dem Zufallsprinzip befragt. Dabei durften mehrere Weihnachtsmärkte genannt werden, insgesamt kamen 13.000 Bewertungen zusammen.
Wie für Langenberg werden die glitzernden bunten Buden für viele Schausteller immer wichtiger. Fast die Hälfte gibt an, dass die Bedeutung der Weihnachtsmärkte für sie stark gestiegen ist. Das zeigt eine aktuelle Studie der Kölner ift Freizeit- und Tourismusberatung im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes (DSB).
Die zehn Städte mit den meisten Weihnachtsmarktbesuchern
Platz 10
Hamburg
1,8 Millionen Besucher
Platz 9
Nürnberg
2,0 Millionen Besucher
Platz 8
Erfurt
2,0 Millionen Besucher
Platz 7
Leipzig
2,2 Millionen Besucher
Platz 6
Dresden
2,5 Millionen Besucher
Platz 5
München
2,8 Millionen Besucher
Platz 4
Stuttgart
3,0 Millionen Besucher
Platz 3
Frankfurt am Main
3,0 Millionen Besucher
Platz 2
Dortmund
3,6 Millionen Besucher
Platz 1
Köln
4,0 Millionen Besucher
Doppelt aktiv
Danach sind inzwischen 90 Prozent der knapp 5.000 Schaustellerunternehmen in Deutschland im Dezember zusätzlich mit Ständen auf den rund 1.450 Weihnachtsmärkten vertreten, neben kleinen Karussells vor allem mit Gastronomiebetrieben. Sie verkaufen Glühwein oder Bratwürste an die Besucher, die sich zwischen Engelsfiguren aus dem Erzgebirge und handgezogenen Bienenwachskerzen in Weihnachtsstimmung bringen möchten.
Grund dafür ist die Schwäche im traditionellen Geschäft: Nur noch 150 Millionen Menschen vergnügten sich in diesem Jahr auf den rund 10.000 Volksfesten zwischen Kiel und Konstanz, schätzt der DSB. Im Jahr 2000 waren es noch 170 Millionen. Setzte die Branche damals allein auf den Volksfestplätzen 3,5 Milliarden Euro um, waren es zuletzt nur noch 2,45 Milliarden.
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