
New YorkAn der Wall Street betrachtet man die europäische Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer mit wachsender Gelassenheit. „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass es eine europaweite Steuer geben wird, die unser Geschäft wirklich trifft“, sagte der Chef der New York Stock Exchange (NYSE) am Freitag bei Vorstellung der Quartalszahlen. So gebe es in diversen europäischen Ländern sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Steuer. Die in Frankreich nun geplante Steuer betreffe einen so kleinen Teil des Marktes, dass die Wirkung für Kunden überschaubar sei.
Derzeit plant Paris die Einführung einer Börsensteuer, die nur das Geschäft mit großen französischen Firmen umfasst. Auch in Deutschland wird ein Alleingang bei der Steuer weiterhin diskutiert.
Niederauer bedauerte erneut, dass die geplante Fusion mit der Deutschen Börse am Widerstand der Europäischen Kommission gescheitert ist. Er versprach seinen Aktionären, durch neue Partnerschaften, neue Produkte, Kostensenkungen und den Verkauf nicht mehr zum Geschäft passender Beteiligungen den Wert der Firma weiter zu steigern. Dabei ist er offenbar auch geneigt, den Fusionspartner in Frankfurt direkt anzugreifen. „Die Fusion ist tot und liegt nun hinter uns. Damit das klar ist“, sagte Niederauer. Am 2. April will die NYSE einen detaillierten Plan für neues Wachstum vorlegen.
Bei den Quartalszahlen hat die Nyse Euronext die Erwartungen der Branchenexperten heute knapp übertroffen: Kurz nach der Absage der Fusion mit der Deutschen Börse ist der Gewinn der transatlantischen Börse um 13 Prozent gestiegen. Nyse Euronext verdiente im vierten Quartal nach Angaben vom Freitag 212 Millionen Dollar. Der Umsatz belief sich auf 628 Millionen Dollar. Der Nettogewinn, bereinigt um die Fusionskosten, belief sich auf 128 Millionen Dollar, während Analysten hier von gut 126 Millionen ausgegangen waren.
Nyse Euronext zufolge fielen im Zusammenhang mit dem Fusionsvorhaben im vierten Quartal Kosten von 38 Millionen Dollar an, weitere 25 Millionen Dollar entstanden durch eine Steuerbelastung im Zusammenhang mit der CO2-Börse Bluenext, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Caisse des Depots. Die europäischen Kartellbehörden hatten die Deutsche Börse in der vergangenen Woche dazu gezwungen, ihre Milliarden-Übernahme der Nyse Euronext abzublasen.
Die EU-Kommission hatte Bedenken, dass das neue Unternehmen eine zu große Marktmacht im Derivatehandel entfalten würde. „Wir sind extrem enttäuscht von dieser Entscheidung“, sagte NYSE-Euronext-Chef Duncan Niederauer am Freitag. Offenbar gebe es auf Seiten der Kommission ein völlig anderes Verständnis von der Wettbewerbsdynamik der globalen Märkte. Für das Gesamtjahr wies der Börsenbetreiber einen Gewinnanstieg von 577 auf 619 Millionen Dollar aus. Der Umsatz verbesserte sich von 2,5 Milliarden auf 2,7 Milliarden Dollar.













