Gerüchte um Übernahme von Radioshack-Filialen: Erobert Amazon jetzt die Einkaufszonen?

Gerüchte um Übernahme von Radioshack-Filialen: Erobert Amazon jetzt die Einkaufszonen?

, aktualisiert 06. Februar 2015, 06:44 Uhr
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In Radioshack-Läden wie diesen könnte Amazon bald erste Filialen eröffnen.

Amazon plant angeblich, Filialen des US-Elektronikhändlers Radioshack zu übernehmen. Aus ihnen könnten Abholstationen und Showrooms werden. Radioshack hat mittlerweile Insolvenz angemeldet.

Der US-Elektronikhändler RadioShack hat den Kampf gegen die Pleite aufgegeben. Die Kette meldete am Donnerstag (Ortszeit) Insolvenz an. Das 94 Jahre alte Traditionsunternehmen mit etwa 4000 Filialen im Land steckt seit langem in der Krise. Die starke Konkurrenz der Online-Händler machte RadioShack das Leben schwer, die Verluste wurden immer größer.

Die Kette betreibt zumeist kleinere Läden mit Artikeln wie Handys, Fernsehern oder Zubehör. Auf seiner Website gibt RadioShack die Zahl der Beschäftigten mit 27 000 an. Das Unternehmen ist auch mit Hunderten Filialen in Mexiko und mit mehr als 1000 im Rest der Welt vertreten.

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Seit Monaten bahnte sich die Pleite an, bereits im März 2014 hatte das Unternehmen 1000 Geschäfte schließen müssen. Die Aktie fiel im letzten Jahr um 86 Prozent. Ausgerechnet ein Unternehmen, dessen rasanter Aufstieg mitverantwortlich für die Niedergang der Kette ist, könnte nun von dem Aus profitieren.

Der Online-Handelskonzern Amazon erwägt angeblich, Radioshack-Filialen zu übernehmen. Die Läden könnten genutzt werden, um eigene Produkte anzubieten und Online-Kunden Ware abholen oder zurückgeben zu lassen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei eingeweihte Quellen. Der Konzern hat sich zu den Berichten bislang nicht offiziell geäußert. Zudem soll Radioshack auch mit anderen Unternehmen wie dem Mobilfunker Sprint über Teilverkäufe verhandeln.

Das Ende von Online-Only Warum die reale Welt für Online-Händler sexy ist

Amazon geht offline. In wenigen Wochen will der Online-Riese sein erstes Geschäft eröffnen – und ist damit in bester Gesellschaft. Zahlreiche Online-Unternehmen wagen den Schritt in die reale Welt. Warum eigentlich?

Quelle: AP

Bekäme Amazon den Zuschlag für einen Teil der rund 4000 Radioshack-Filialen in den USA, wäre der bislang größte Vorstoß von Amazon ins klassische Einzelhandelsgeschäft. Branchekenner spekulieren schon länger, wann der Online-Gigant den Sprung in die Einkaufszonen. Im Oktober hatten US-Medien berichtet, der Konzern wolle im New Yorker Stadtteil Manhattan das erste Ladengeschäft aufmachen.

Sinn der Offline-Strategie

Dass der Trend zum Multichannel-Handel, also zur Verquickung von On- und Offline-Kanälen, in beide Richtungen funktioniert, ist nicht neu. Auch in Deutschland haben bereits einige Onlinehändler den Sprung in die Einkaufszonen gewagt. So haben etwa die Computerhändler von notebooksbilliger.de und Cyberport Läden in Innenstädten eröffnet. Auch Mymuesli.de vertreibt Produkte mittlerweile in eigenen Geschäften. Und Zalando unterhält in Berlin und Frankfurt Outletstores.

Was bedeutet überhaupt Multi-Channel?

  • Mehrkanalhandel - Ein Begriff, mehrere Bedeutung

    Kaum ein Begriff wird in der Handelsbranche derzeit so intensiv diskutiert, wie das Multi-Channel-Retailing (Mehrkanalhandel). In der Diskussion, wie auch in den Medien, werden unter dem Oberbegriff dabei verschiedene Ausprägungen synonym verstanden. Ein kurzer Überblick.


    Quelle der Begriffsdefinitionen: HandelsMonitor 2014. (R)Evolution des Mehrkanalhandels, dfv Mediengruppe

  • Multi-Channel-Retailing

    „Beim Multi-Channel-Retailing setzen Handelsunternehmen parallel mehrere Kanäle zur Distribution ein, die einheitlich markiert sind und einen wesentlichen Sortimentszusammenhang aufweisen. Die Kunden können somit zwischen den alternativen Absatzwegen eines Handelsunternehmens wählen.“

    Beispiel: Der Kunde kann ein Produkt sowohl online als auch im laden kaufen.

  • Cross-Channel-Retailing

    „Das Cross-Channel-Retailing geht durch die integrative Verknüpfung der einzelnen Kanäle zur Schaffung eines nahtlosen Einkaufserlebnisses über alle Kanäle hinweg einen Schritt weiter als das Multi-Channel-Retailing. Hierdurch wird den Kunden proaktiv ein Kanalwechsel zu jeder Zeit des Kaufprozesses und über alle Touchpoints hinweg ermöglicht.“

    Beispiel: Der Kunde bestellt ein Produkt online und holt es im Laden ab.

  • Omni-Channel-Retailing

    „Omni-Channel-Retailing bezeichnet die vollständige Integration aller Kanäle über alle Prozesse hinweg. Den Kunden wird die parallele Nutzung von Kanälen durch die ganzheitliche Verknüpfung in jeder Kaufphase ermöglicht.“

    Beispiel: Der Kunde scannt im Geschäft mit der Shopping-App des Händlers auf seinem Smartphone des Barcode eines Produktes, und erhält so zusätzliche Informationen und Online-Kundenbewertungen.

  • Bedeutung

    Handelsexperten sind sich einig, dass der Verknüpfung der Kanäle in Zukunft eine hohe Bedeutung zukommen wird und dass sie stationären Händlern eine Chance im Wettbewerb mit reinen Online-Anbietern gibt.


Insgesamt ist die Zahl der Onlinehändler, die Filialen eröffnen, noch klein. "Wir sehen allerdings, dass etablierte und finanziell über Wagniskapital gut ausgestattete Onlinehändler mit Shops experimentieren", so Martin Groß-Albenhausen, Experte des E-Commerce-Verbands bevh im Gespräch mit der WirtschaftsWoche Online.

Schließlich gehen die Unternehmen gehen mit ihrer Offline-Offensive ein hohes Risiko ein. Die Kosten steigen stark. Zu den Anfangsinvestitionen in die Ladenlokale, kommen weitere hinzu. Ausstattung und Technik müssen ebenso bezahlt werden, wie Miete und Personal.

Warum die Deutschen Online-Shopper sind

  • Eine Welt ohne Online-Shopping?

    „Aus heutiger Sicht wäre das der Weg zurück in die Steinzeit“, lautete eine Antwort auf diese Frage. E-Commerce hat sich fest in den Alltag der meisten Menschen integriert. Die Deutschen sind insgesamt besonders positiv eingestellt. 61 Prozent der Deutschen Online-Shopper möchten auf diese bequeme Art des Einkaufs nicht mehr verzichten.

  • Faktor Zeit

    „Zu den Zeiten einkaufen, die in mein Leben passen“ nennen in Deutschland vier von fünf Konsumenten als wichtigsten Vorteil. Eine echte Zeitersparnis haben 57 Prozent festgestellt. Mehr Zeit zu haben, empfinden dabei die meisten Deutschen als eine Entlastung im Alltag: 63 Prozent geben an, „viel weniger Stress beim Einkaufen als früher in der Stadt“ zu haben. 55 Prozent geben an, sich entspannter zu fühlen.

  • Faktor Angebotsvielfalt und Preis

    „Genau das Produkt, das ich suche“ finden in der Regel zwei Drittel der Online-Shopper. Und zwar sehr schnell und zum günstigsten Preis. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) gibt an, im Internet oft besonders individuelle Produkte zu finden, 62 Prozent schätzen es, dass sie Produkte finden, „die man im Geschäft beziehungsweise via Katalog nicht bekommen würde“.

  • Faktor Selbstbestimmung

    Die Mehrheit der Käufer erlebt sich im Internet als „empowered consumer“. Zwei Drittel der Online-Shopper halten sich für besser informiert über Angebote und Preise als früher, nutzen gerne Bewertungen anderer Kunden und meinen, dass Konsumenten heute durch Kommentarfunktion und Empfehlungen beim Online- Kauf viel mehr Einflussmöglichkeiten haben.

    Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten


Das Risiko kann sich aber durchaus lohnen. Der Schritt in die Fußgängerzone beschert den Unternehmen Laufkundschaft und damit höhere Umsätze. Geschäfte in prominenten 1A-Lagen sind zudem gute Werbeträger.

Zudem können die Händler zusätzliche Dienstleistungen anbieten: Persönliche Beratung und die Abholmöglichkeit von im Internet bestellten Waren zum Beispiel. Auch Retouren, Rückfragen und Beschwerden können vor Ort angenommen und bearbeitet werden. Das spart dem Kunden Frust und wertet das Image des Händlers auf.

Solche Zusatzangebote sind für Onlinehändler wichtig. Der Shopping-Boom im Netz flaut ab und der Verdrängungswettbewerb wird härter. Wer sich nicht differenzieren kann, wird über kurz oder lang einem gnadenlosen Preiskampf zum Opfer fallen, glauben E-Commerce-Experten. Online ist die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt.

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