Gewinn geschrumpft: Bertelsmann stellt Umsatzziele in Frage

Gewinn geschrumpft: Bertelsmann stellt Umsatzziele in Frage

, aktualisiert 29. August 2014, 10:50 Uhr
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Der Medienkonzern Bertelsmann hat seine Halbjahreszahlen vorgelegt.

von Peter Steinkirchner

Die Probleme der RTL Group schlagen sich auf Bertelsmann nieder. Der Überschuss brach um knapp 40 Prozent ein. Auch für das Gesamtjahr erwartet Bertelsmann nun einen leichten Rückgang.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat bei der Vorlage der Halbjahreszahlen die Umsatzziele von Europas größtem Medienkonzern in Frage gestellt. Hatte Rabe im Frühjahr noch einen Erlös in Höhe von 17,3 Milliarden Euro für 2015 und einen Umsatz in Höhe von 20 Milliarden Euro für das Jahr 2017 in Aussicht gestellt, relativierte der Vorstandschef diese Zahlen am Freitagvormittag nun ziemlich deutlich.

Rabe begründete dies einerseits damit, dass einzelne Geschäftsbereiche des Gütersloher Konzerns Unternehmen verkauft haben. So trennte sich Gruner + Jahr vom US-Drucker Brown Printing und dem Fachverlag Entertainment Media. Allein Brown Printing stand für einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Der Drucker hat aber nach einer internen Mitteilung „keine strategische Relevanz“ mehr für das angeschlagene Verlagshaus, das vor wenigen Tagen ankündigte, allein in Deutschland ein Sechstel seiner 2400 Arbeitsplätze abbauen zu wollen.

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Geschichte von Bertelsmann

  • Anfänge mit religiösen Schriften

    Das Bertelsmann-Imperium gründet auf christlichen Lieder und Gesängen: Der Drucker Carl Bertelsmann verlegte zunächst religiöse Schriften. Der 1835 gegründete und nach ihm benannte C. Bertelsmann Verlag ist die Keimzelle des Konzerns, der bis heute weitgehend in Familienhand ist: Bertelsmanns Nachfahren spielen eine entscheidende Rolle in der Führung.

  • Bertelsmann in der NS-Zeit

    Nach Ende des zweiten Weltkriegs stellen sich der Verlag und insbesondere sein Leiter als ein „Dorn im Auge nationalsozialistischer Behörden“ dar. Tatsächlich war der Geschäftsführer und Bertelsmann-Erbe Heinrich Mohn förderndes Mitglied der SS, der Verlag profitierte vom Verkauf von NS-Büchern. Ein Beispiel für die verlegte Nazi-Literatur ist das antisemitische Buch „Blut und Boden“.

  • Die Legende Reinhard Mohn

    Nachdem Reinhard Mohn aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, übernimmt er in fünfter Generation 1946 den Verlag vom Vater. Unter seiner Führung entwickelt sich Bertelsmann von einem mittelständischen Druck- und Verlagshaus zu einem der führenden Medienunternehmen der Welt.

  • Der Lesering

    Der erste Geniestreich Reinhard Mohns sollte den Verlag finanziell absichern und so die Grundlage für die Expansion bieten: Der 1950 gegründete „Bertelsmann Lesering“ trifft den Nerv der Zeit. Die Nachkriegsdeutschen sehnen sich nach Literatur und Bildung. Schon vier Jahre nach Gründung zählt der Lesering das millionste Mitglied. In Zeiten des Internets geraten die Bertelsmann-Clubs allerdings unter Druck.

  • Einstieg in das Zeitschriften- und Zeitungsgeschäft

    Das Kerngeschäft von Bertelsmann sind Bücher. Doch 1969 steigt der Konzern beim Hamburger Druck- und Verlagshaus Gruner+Jahr ein und druckt seither auch Zeitschriften. 1973 erwirbt Bertelsmann die Mehrheit an dem traditionsreichen Verlag mit Marken wie „Stern“, „Geo“, und „Brigitte“. 1990 wird Gruner+Jahr auch im Tageszeitungsgeschäft aktiv.

  • Die Bertelsmann-Stiftung und die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft

    Um den Einfluss seiner Familie im wachsenden Medienkonzern zu sichern, gründet Reinhard Mohn 1977 die Bertelsmann-Stiftung. Sie hält 77 Prozent an der Bertelsmann AG. Da sie stimmrechtslos ist, erhält die Stiftung Gewinne, hat aber kein Mitspracherecht. Kritiker behaupten, die Stiftung fördere nicht nur soziales Engagement, Bildung und Wissenschaft, sondern diene vor allem als Steuersparmodell. Konkrete Einflussnahme auf Führungsentscheidungen behält die Familie durch die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft, deren Chefin Elisabeth „Liz“ Mohn, die Gattin des 2009 verstorbenen Reinhard Mohn, ist.   

  • Die Bertelsmann Music Group

    Unternehmen wie den „Schallplattenring“ und die Schallplattenfirma Ariola fasst der Konzern 1987 in der Bertelsmann Music Group (BMG) zusammen. Nach einer Fusion mit Sony verkauft Bertelsmann seine Anteile am gemeinsamen Musikunternehmen Sony BMG 2008 komplett an die Amerikaner. Die Bertelsmann Music Group existiert jedoch weiter und spezialisiert sich auf die Übernahme und das Management von Musikrechten.

  • AOL als gewinnbringender Coup

    Einen sehr gewinnbringenden Coup landete Bertelsmann mit dem kurzzeitigen Einstieg in das Internetgeschäft 1995: Der Konzern übernahm einen Anteil an der europäischen Tochtergesellschaft von AOL. Nach drei Jahren verkaufte er auf dem Höhepunkt der Internet-Blase seine Aktien wieder an den amerikanischen Mutterkonzern und erhielt dafür 7,5 Milliarden Euro.

  • Die RTL-Group

    Die bereits in den sechziger Jahren übernommene Berliner Filmproduktions-Gesellschaft Ufa fusionierte Bertelsmann 1997 mit der RTL-Mutter CLT. So entstand das größte Fernsehunternehmen Europas. Noch weiter wächst die Bertelsmanns Fernsehsparte durch eine Fusion mit der britischen Gesellschaft Pearson TV und die zusammen neu gegründete RTL Group. 2001 übernimmt Bertelsmann diese komplett und verfügt so über 23 Fernsehsender, 14 Radiostationen und mehrere Produktionsfirmen, die jährlich 11.000 Stunden Programm in 35 Ländern herstellen.

  • Weltmarktführer in der Verlagsbranche

    Das Verlagsgeschäft ist der Ursprung und Kern des Unternehmens. 1998 macht Bertelsmann einen großen Sprung und übernimmt den größten US-Verlag Random House. Dieser wächst 2013 noch einmal beträchtlich durch die Fusion mit dem amerikanischen Penguin-Verlag 2013 – Penguin Random House, wie der neue Verlag heißt, ist die weltweite Nummer 1.

Andererseits verwies Rabe auf die Entwicklung in den einzelnen Märkten, die angesichts etwa der Krise in der Ukraine schlechter dastünden als noch im Frühjahr erwartet. Damit habe die „Anzahl der Risiken“ deutlich zugenommen.

Den wegfallenden Umsatz durch Zukäufe auszugleichen beziehungsweise zu steigern hat Rabe derzeit nicht vor – dazu seien die Bewertungen möglicher Kaufziele derzeit viel zu hoch, Rabe sprach von „Preisinflation“ und „Anomalien an den Kapitalmärkten“. Für ihn habe „Disziplin bei Investitionen“ und die „Werterhöhung bereits abgeschlossener Investitionen“ derzeit absoluten Vorrang vor „Umsatzwachstum um jeden Preis“.

Jüngsten Spekulationen, Bertelsmann wolle sich nun Gruner + Jahr vom Hals schaffen und das Verlagshaus verkaufen, widersprach Rabe deutlich: „diese Spekulationen haben absolut keine Grundlage“, sagte der Bertelsmann-Chef, die Gütersloher hätten keine Absichten, Gruner + Jahr zu verkaufen.

"Effiziente Aufstellung" Gruner+Jahr will 400 Stellen streichen

Der Verlag Gruner+Jahr will in den kommenden drei Jahren 75 Millionen Euro sparen – im Gegenzug müssen 400 Mitarbeiter den Verlag verlassen.

Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel: „Effizienz war von Beginn an ein wichtiges Element unserer strategischen Neuausrichtung.“ Quelle: dpa

Gleiches gelte für den TV-Produktionsbereich Fremantle Media und dessen deutsche Tochter Ufa. Das Geschäft liege zwar im ersten Halbjahr unter dem Vorjahreswert, weil vor allem die Castingshows im TV längst nicht mehr so erfolgreich sind. Aber Bertelsmann halte auf jeden Fall an dem Geschäft fest – vor allem auch, weil der Konzern durch die Entwicklung auf dem TV-Markt, wo mit Netflix im kommenden Monat ein weiterer Konkurrent zu Bertelsmanns RTL auf den deutschen Markt kommen wird, weitere Absatzmöglichkeiten für seine Produktionen erwartet.

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Bertelsmann hatte im ersten Halbjahr den Umsatz weiter gesteigert, aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger verdient. Das Konzernergebnis liegt nach den ersten sechs Monaten bei 254 Millionen Euro, der Umsatz stieg um knapp sieben Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2013 hatten die Gütersloher noch einen Gewinn von 419 Millionen Euro bei einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro verbucht.

Als Grund für das schlechtere Ergebnis nannte Rabe Sondereffekte von rund 183 Millionen Euro, die sich 2013 positiv ausgewirkt hatten. Dieses Jahr belastet eine Wertberichtigung der RTL Group in Ungarn über 88 Millionen Euro das Ergebnis. Grund dafür ist vor allem eine von der ungarischen Regierung eingeführte Werbesteuer, gegen die Bertelsmann derzeit rechtliche Schritte prüft.

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