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Gläubigerforderungen: Schlecker wird zum Milliarden-Grab

Quelle: Handelsblatt Online

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Die Forderungen der Gläubiger an das Pleiteimperium von Anton Schlecker sind am äußersten Rand dessen, was man befürchtet hatte. Fast 23.000 Gläubiger warten auf Geld.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Quelle: dpa
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Quelle: dpa

EhingenDie Forderungen der Gläubiger gegen die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker sind deutlich höher als zunächst gedacht. Die Summe beläuft sich auf über 1,07 Milliarden Euro, wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag nach einem Prüftermin durch das Amtsgericht Ulm mitteilte. Insgesamt hätten 22.738 Gläubiger ihre Ansprüche geltend gemacht. Als größte Posten seien Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und dem Personalbereich aufgeführt.

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Geiwitz ging bislang von Forderungen zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde aus. Zuletzt kursierte die Zahl von 750 Millionen Euro. Gänzlich unklar ist allerdings noch, wie viel Insolvenzmasse zur Verfügung steht, aus der die Forderungen dann bedient werden können. Derzeit prüft Geiwitz beispielsweise, ob es innerhalb der Familie Schlecker zu Vermögensübertragungen kam, die rückgängig gemacht werden können. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gerade, ob es im Zuge der Insolvenz zu strafrechtlich relevanten Taten kam.

Erst gestern hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Wohnungen und Geschäftsräume in mehreren Bundesländern durchsucht und dabei für Aufsehen gesorgt. Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung: Die Vorwürfe wiegen schwer und es ist wohl nicht klar, ob bei der Insolvenz alles ganz sauber gelaufen ist. Der Zusammenbruch des Imperiums hat deswegen die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die ermittelt.

Dabei richtet sich der Verdacht gegen 14 Personen, darunter soll auch Anton Schlecker sein, der Gründer der Drogeriekette. „In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt“, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth.


Razzia bei Anton Schlecker

Anton Schlecker hat sein Drogerie-Imperium als eingetragener Kaufmann (e.K.) geführt. Mit dieser Rechtsform gibt es keine Handhabe gegen ihn wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Das heißt aber nicht, dass er ungeschoren davonkommt, falls er sich etwas zuschulden kommen ließ. Bankrott und Untreue können mit mit zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden.

Nicht zum ersten Mal hat der umstrittene Firmenpatriarch Ärger mit der Justiz: 1998 werden Schlecker und seine Frau Christa zu je zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt und zu einer Millionenstrafe wegen Betrugs. Sie haben Mitarbeitern über Jahre vorgegaukelt, sie nach Tarif zu bezahlen, obwohl der Lohn weit darunter lag.

Schon Mitte Juni hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht. Es habe „seit langem und immer wieder“ Vermögensverschiebungen gegeben, sagte eine Sprecherin. Dadurch seien die Gläubiger des Unternehmens möglicherweise geschädigt worden. Neben Grundstücken seien den bisherigen Ermittlungen zufolge auch andere Wertgegenstände transferiert und damit der Insolvenzmasse möglicherweise entzogen worden.

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